Serge Menga’s Botschaft

Serge Nathan Dash Menga: "Seid ruhig stolz auf euer Land, das so lebenswert ist." Foto: Christoph Bubbe
Serge Nathan Dash Menga: "Seid ruhig stolz auf euer Land, das so lebenswert ist." Foto: Christoph Bubbe

Nach den Vorkommnissen der Silvesternacht in Köln fand Serge Menga, Essener mit kongolesischen Wurzeln, klare Worte. Worte, die deutschlandweit gehört wurden – von fünf Millionen Facebook-Nutzern, von Oberbürgermeister Thomas Kufen und von Vizekanzler Sigmar Gabriel.

Der Neujahrsmorgen 2016: Menga, DJ und Vater von vier Kindern, ist auf dem Rückweg von einer Party in Köln, wo er aufgelegt hat. Von den Szenen, die sich in der Nacht am Bahnhof der Domstadt abgespielt haben, bekommt er nichts mehr mit. Erst seine Frau berichtet ihm davon. Das erschreckende Ausmaß aber erschließt sich ihm erst am Donnerstag darauf. „Zunächst fühlte ich mich selbst betroffen. Man sieht ja nicht sofort, dass ich Deutscher bin. Als ich dann aber realisierte, was da wirklich abgegangen ist, platzte mir der Kragen. Ich musste mir einfach Luft machen. Es musste raus“, erklärt Menga seine Beweggründe, eine Videobotschaft ins Netz zu stellen. Wenig später klingelt das Telefon. „Freunde riefen an und fragten, was denn da mit meinem Video los sei.“ In den sozialen Netzwerken verbreitete sich der 3-Minüter rasend schnell. Drei Stunden später meldet sich der WDR und bittet zum Interview. Sat1, Pro7, 1Live und der Deutschlandfunk folgen. „Irgendwie war ich vollkommen geschockt, wusste gar nicht recht, was da auf einmal los war.“ Und dieser ‚Schockzustand‘ sollte auch noch anhalten, als das Handy erneut bimmelte: „Guten Tag, Sigmar Gabriel hier. Spreche ich mit Serge Menga?“ Der Vizekanzler persönlich. „Ich habe das zunächst gar nicht begriffen“, erinnert sich der Angerufene lächelnd. „Ich fragte Herrn Gabriel, was ich denn für ihn tun könnte und für wen er arbeitet.“

„Ein Gast hat sich zu benehmen. Punkt!“

Nicht hinter jeder Glatze steckt ein Nazi. Dass Serge Menga aber als eben solcher bezeichnet wurde, erstaunte sogar INFORMER-CvD Lars Riedel. Zur Info: Serge ist der dunkelhäutige Kahlkopf auf diesem Bild. Foto: Christoph Bubbe
Nicht hinter jeder Glatze steckt ein Nazi. Dass Serge Menga aber als eben solcher bezeichnet wurde, erstaunte sogar INFORMER-CvD Lars Riedel. Zur Info: Serge ist der dunkelhäutige Kahlkopf auf diesem Bild. Foto: Christoph Bubbe

Mit seinem Video hat der gebürtige Kongolese einen Nerv getroffen. Der Vizekanzler lud ihn zu einem Treffen ein. Zuvor hatte sich bereits Oberbürgermeister Thomas Kufen mit ihm zusammengesetzt. „Genug ist genug. Lösungen müssen her!“ und „Integration ja, aber nicht zu jedem Preis“ – so lautet Mengas Botschaft, für die er in seinem kurzen Clip überdeutliche Worte findet. „Die ausländischen Wurzeln sieht man mir an. Ich bin integriert, habe die deutsche Staatsangehörigkeit. Und ich bin schwarz. Jemanden, der eindeutig deutscher als ich aussieht, hätte man dieses Video negativ ausgelegt“, ist sich Menga sicher. Verstehen tut er es aber nicht. „Steht doch dazu. Seid ruhig stolz auf euer Land, das so lebenswert ist. Die deutsche Vergangenheit ändert nichts daran. Mein Geburtsland Kongo hat auch seine Geschichte, litt als Kolonie unter dem belgischen König Leopold II. Früher dachte ich auch immer, ‚scheiß Belgier‘. Heute sehe ich das nicht mehr so. Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Heute ist heute.“

„Die Politik muss endlich zuhören.“

Dennoch: Seine kongolesische Herkunft schützt Menga nicht in Gänze vor Anfeindungen im Social Web. „Das Krasseste war, dass mich einer als schwarzen Nazi bezeichnete. Aber soll er ruhig, mir ist das egal.“ Kritik gab es auch in andere Richtungen. Der DJ würde sich nur selbst promoten. Oder aber der Vorwurf an die Politiker, dass sie jetzt auf den Zug aufspringen, um sich mit Menga zu profilieren. „Vielleicht ist das so. Aber ganz ehrlich: Zu motzen gibt es doch immer was. Seid doch lieber froh, dass jemand dieses Stimmungsbild in die Politik transportiert und dass sich Politiker damit auseinandersetzen, aus welcher Ursprungsmotivation auch immer.“ Denn auch das will Menga mit seiner Botschaft erreichen: Dass die Politiker die Bürger und ihre Gefühle wahr- und vor allem auch ernst nehmen.

Ein Beitrag von Lars Riedel.

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