Foto: Christoph Bubbe
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Sieht eine Vereinigung von EWG und EMG kritisch: Dr. Dietmar Düdden
Sieht eine Vereinigung von EWG und EMG kritisch: Dr. Dietmar Düdden

Die Stadt Essen entbindet Eva Sunderbrink – bis dato Chefin der Essen Marketing GmbH, kurz EMG – von ihren Aufgaben, und schon kocht die Debatte hoch: Sollte man nicht besser das Stadtmarketing mit der Wirtschaftsförderung verknüpfen? Nein, sagt Dr. Dietmar Düdden, seines Zeichens Chef der EWG – Essener Wirtschaftsförderung GmbH. Es gebe verschiedene Formen des Marketings und „Glühwein und Gewerbesteuer“ passen nicht zusammen. Das hörte sich zu Zeiten seines Amtsantritts noch etwas anders an.

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Comment-Steinsiek

Worauf es beim Stadtmarketing ankommt

Ein Kommentar von INFORMER-Journalist Jöran Steinsiek

Stadtmarketing ist Wirtschaftsförderung – insofern ist die Diskussion um die künftige Rolle von EMG und EWG richtig. Die bisherigen Strukturen gehören auf dem Prüfstand. Worauf es im Marketing ankommt sind die Köpfe, die unsere Stadt vermarkten. Da hat Essen bislang wenig Glück gehabt. Sicher auch, weil städtische Gesellschaften bei der Frage von Stellenbesetzungen gelegentlich ihre eigenen Regeln hatten. Sollte es denn immer ein Essener Eigengewächs sein? Oder ist vielleicht nicht gerade der Blick von außen eine gute Voraussetzung, um die Stärken einer Stadt gestochen scharf fokussieren zu können? Wenn man schon kein Geld hat, sollte man wenigstens gute Ideen haben!
Das Beispiel Messe Essen zeigt, wie gut so etwas funktionieren kann: Ein Profi wie Oliver P. Kuhrt belegt eindrucksvoll, dass internationale Erfahrungen in diesem Metier wichtiger sind als das Denken in Planstellen. Die sinkenden Zuschüsse der Stadt an die Messe sind ein Beispiel dafür, dass Dinge möglich sind, die andere für unmöglich hielten. Neben der Strukturfrage ist daher die Suche nach den geeigneten Köpfen die eigentliche Herausforderung, um Essen im internationalen Wettbewerb auf Erfolgskurs zu bringen.[/su_pullquote]So sagte Düdden im INFORMER-Interview im September 2011: „Wir haben unterschiedliche Zielgruppen und klar umrissene Aufgaben, die sich manchmal überschneiden. Die Zusammenarbeit mit der EMG läuft gut. Ich wünsche mir allerdings ein übergeordnetes Stadtmarketing und ein ‚Marketing Board‘, das die Kommunikationsmaßnahmen zum Standort Essen koordiniert und verzahnt.“

Zeitgleich zum EMG-EWG-Fusionsgedanken kursiert auch die Überlegung, das Stadtfestival ‚Essen.Original.‘ von der Innenstadt auf Zollverein zu verlegen. Das nahm die SPD erstaunt zur Kenntnis und sprach sich auch direkt gegen diesen Vorschlag aus, da er „für uns weder praktikabel, noch zu Ende gedacht erscheint“, so der Ortsverbandsvorsitzende Matthias Vollstedt. Wohin das Stadtfestival auch wandern mag (oder auch nicht) – generell stellt sich die Frage, wohin das Stadtmarketing geht, welche Richtung es einschlägt? Weihnachtsmarkt, ‚Essen.Original.‘, ‚Essen. On Ice.‘ – attraktive Veranstaltungen mit Besucherzuspruch, aber zu wenig? Und was ist mit den Dingen außerhalb des Eventbereichs, mit denen sich die Stadt profilieren könnte? Denken wir in Sachen Markteting vielleicht zu sehr aus dem Blickwinkel des städtischen Verwaltungsapparates heraus?

Oder ganz einfach gefragt: Was unterscheidet unsere Stadt von einer Weltmetropole? Genau diese Frage haben wir gestellt – und zwar nicht der EMG und der Politik, sondern zwei Experten aus dem privatwirtschaftlichen Leben der Tourismus- und Marketing-Branche.

 

Thomas Siepmann ist Geschäftsführer der Agentur ‚TAS Emotional Marketing‘. Der Marketing-Experte ist für seine schrägen, aber effektvollen Ideen bekannt. Die Umsetzung des ,A40 Stilllebens‘, das größte Public Viewing der Republik in Messe und Grugahalle – nur zwei Beispiele.
Thomas Siepmann ist Geschäftsführer der Agentur ‚TAS Emotional Marketing‘. Der Marketing-Experte ist für seine schrägen, aber effektvollen Ideen bekannt. Die Umsetzung des ,A40 Stilllebens‘, das größte Public Viewing der Republik in
Messe und Grugahalle – nur zwei Beispiele.

Was unterscheidet die Stadt Essen von einer Weltmetropole, Herr Siepmann?

„Eine gute und berechtigte Frage. Auf alle Fälle hat Essen noch sehr viel zu tun. Aktuell liegen wir unten im Regal, und es braucht einen echten Marketing- Kommunikationsexperten, um mit den Wettbewerbern um Touristen, wirtschaftliche Ansiedlungen und ,Goldfische‘ zumindest wieder auf Augenhöhe zu kommen.

Ferner hat die Stadt Essen meines Erachtens ohnehin nur die Chance auf Wahrnehmung als Metropole, wenn man sich gemeinsam aufstellt. Sprich, das Ruhrgebiet wieder zu einem ‚starken Stück Deutschland‘ zurückkehrt und gemeinsam mit den anderen Städten geschlossen unter einem Dach agiert!

Ganz aktuell würden wir uns als privatwirtschaftliche Marketing-Agentur aus dem politischen Ränkespiel gern heraushalten. Wir bemerken jedoch, dass mit Oberbürgermeister Thomas Kufen wieder ein starker Akteur im Ring ist, der die Probleme nicht nur sieht – sondern auch anpackt. Dazu wünschen wir: Glück auf!“

 

Andreas Lambeck ist ein langjähriger Akteur und wichtiger Entscheider in der deutschen und internationalen Tourismus-Industrie. Zuletzt holte der Touristik-Experte die Region Bayerischer Wald rund um Bodenmais aus den sinkenden Übernachtungszahlen und baute sie zu einem der führenden Ferienregionen in Deutschland aus, bevor er in die Geschäftsführung von ‚Alltours‘ wechselte, Deutschlands fünft größten Reiseveranstalter. Heute ist Lambeck Geschäftsführer bei ‚sonnenklar.TV‘, dem einzigen deutschen Teleshopping-Reisesender.
Andreas Lambeck ist ein langjähriger Akteur und wichtiger Entscheider in der deutschen und internationalen Tourismus-Industrie. Zuletzt holte der Touristik-Experte die Region Bayerischer Wald rund um Bodenmais aus den sinkenden Übernachtungszahlen und baute sie zu einem der führenden Ferienregionen in Deutschland aus, bevor er in die Geschäftsführung von ‚Alltours‘ wechselte, Deutschlands fünft größten Reiseveranstalter. Heute ist Lambeck Geschäftsführer bei ‚sonnenklar.TV‘, dem einzigen deutschen Teleshopping-Reisesender.

Was unterscheidet die Stadt Essen von einer Weltmetropole, Herr Lambeck?

Zunächst muss man deutlich sagen, dass die Stadt Essen in den letzten 20 Jahren vieles richtig gemacht hat. Zeche Zollverein, der Baldeneysee, die Philharmonie – allesamt Orte mit Strahlkraft. Während anderen Orts die Innenstädte durch die zunehmenden Einkaufszentren sterben, lebt die Essener City. Auch in Sachen Events braucht sich die Stadt nicht zu verstecken. Nur: Events allein reichen nicht aus! Ihre Außenwirkung erstreckt sich lediglich über die Nachbarstädte, von Bochum über Gelsenkirchen bis Oberhausen. Für ein deutschlandweites oder gar internationales Image bedarf es mehr. Essen fehlt ein klares Profil in der Außenkommunikation. Wer beispielsweise an München denkt, hat ein genaues Bild vor Augen, sogar wenn er selbst noch nie dort war. Mit Essen verbindet man außerhalb des Ruhrgebiets immer noch das alte Klischee derArbeiterstadt der 70er und 80er Jahre – bestenfalls. Im schlimmsten Fall verbindet man mit Essen gar nichts. Was ist der Grund, hier zu leben und zu arbeiten? Essen muss zu einer emotionalen Marke werden. So wie die Touristikarbeit heute läuft, hat sie keine positive Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Essen. Dabei wirken sich beide mittel- und unmittelbar aufeinander aus.

Wirtschaft, Tourismus und nationales Standortmarketing müssen eng miteinander verzahnt werden – so wie es Hamburg schon seit 20 Jahren erfolgreich vorlebt. Es geht um das Gesamtbild einer lebenswerten Region, das bundesweit kommuniziert werden muss. Kein Unternehmen siedelt sich in einer Stadt an, von deren Lebensqualität man nicht überzeugt ist. Nur dann gewinne ich auch erfolgreich Fachkräfte.

Wichtig ist allerdings, nicht einfach nur zu gucken, was andere Großstädte bieten und diese nachzuahmen. Essen muss ein eigenes, starkes Profil entwickeln! Die Stadt braucht sich nicht zu verstecken, nur manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Stärken, die Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, das ist eine gemeinsame Aufgabe von Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung.

Ein Beitrag von Lars Riedel

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