Essener Norden sucht Orthopäden

Bislang dauerte es oft viel zu lange, bis man einen Termin beim Experten bekam – zumindest dann, wenn man Kassen- und nicht Privatpatient ist. Foto: Ligamenta / pixelio.de
Bislang dauerte es oft viel zu lange, bis man einen Termin beim Experten bekam – zumindest dann, wenn man Kassen- und nicht Privatpatient ist. Foto: Ligamenta / pixelio.de

Bislang dauerte es oft viel zu lange, bis man einen Termin beim Experten bekam – zumindest dann, wenn man Kassen- und nicht Privatpatient ist. Die langen Warte­zeiten sollen seit Ende Januar der Vergangenheit angehören, denn: Patienten sollen künftig höchs­tens vier Wochen warten müssen, bis sie einen Fach­arzt sehen. So steht es im Versorgungs­stärkungs­gesetz. So weit, so gut. Wie die Realität letztlich aussehen wird, muss sich zeigen. Doch es stellt sich bereits die nächste Frage: die Frage nach dem Wo. Was, wenn dieser Facharzt am anderen Ende der Stadt ist? Und was, wenn man aufgrund der akuten Erkrankung außer Stande ist, quer durch das Stadtgebiet zu reisen?

So geschehen im Fall von Birgit P. aus Altenessen. Sie litt unter akuten, starken Rückenschmerzen. „Es ging irgendwann sogar so weit, dass mein Arm taub war.“ Acht Wochen sollte sie auf einen Termin beim Orthopäden warten. „Zum Glück konnte schließlich mein Hausarzt mir einen Termin für das MRT und beim Physiotherapeuten verschaffen. Aber generell fragte ich mich: Was ist da los im Essener Norden?“ Die Antwort auf diese Frage fiel ernüchternd aus: Nichts ist los – zumindest nichts, was die Möglichkeiten einer orthopädischen Behandlung vor Ort angeht. „Ich schaute im Internet nach, auf der Seite der Kassenärztlichen Vereinigung. Im Essener Norden fand ich genau einen Orthopäden – im Stadtbezirk VI (Anm. d. Red.: Schonnebeck, Stoppenberg, Katernberg).“ Der Entschluss stand fest: Hier muss sich etwas tun.

Der Stadtbezirk V bietet seine Unterstützung an

Birgit P. heißt mit vollem Namen Birgit Petereit und ist nicht nur Patientin, sondern auch Lokalpolitikerin und Mitglied für die SPD in der Bezirksvertretung V. „Ich selbst bin ja nun zum Glück in Behandlung. Aber es kann doch echt nicht sein, dass diejeningen der rund 54.000 Einwohner im Stadtbezirk V, die akute oder chronische Schmerzen im Bewegungsapparat haben, eine ‚halbe Weltreise‘ beispielsweise in den Essener Süden unternehmen müssen, wo die Fachärzte für Orthopädie geballt sitzen.“ Also brachte Petereit einen Antrag in die Bezirksvertretung ein, darauf hinzuwirken, dass mindestens ein weiterer Orthopäde eine Praxis eröffnen kann. Dem Antrag wurde auch zugestimmt. Nur: Auf eine Anfrage an die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO), die die Niederlassung von Ärzten reguliert, erklärte diese, dass in Essen bereits eine Überversorgung an orthopädischen Praxen bestehe. „Das mag sein, aber diese befinden sich eben überwiegend im Süden“, so Petereit. Aber immerhin: Die KVNO wies auf die Möglichkeit eines Antrags auf Zulassung im Sonderbedarfsfall hin. Mit einem solchen Antrag „bestünde ggf. eine Möglichkeit auf einen zusätzlichen Vertragsarztsitz in einem gesperrten Planungsbereich, sofern dargelegt werden kann, dass die hierfür erforderliche Versorgungslücke besteht“, heißt es seitens der KVNO.

Sogar Praxisräume sind schon da

„Genau diesen Antrag wollen wir nun stellen“, so Petereit. „Beziehungsweise nicht wir. Denn der Arzt mit einer Niederlassungsabsicht im Bezirk V selbst muss die Sondergenehmigung beantragen. Und diesen Arzt suchen wir jetzt.“ Dabei kann der Mediziner auf die volle Unterstützung seitens der Bezirksvertretung bauen. „Wir werden ihn soweit es geht bei der Antragsstellung helfend unter die Arme greifen. Wir unterstützen ihn auch gerne beim Knüpfen der notwendigen Kontakte oder bei der Personalsuche.“ Sogar Räumlichkeiten für die Praxis stehen bereits zur Verfügung. In einem Neubau an der Basunestraße/Ecke Bischoffstraße werden eigens dafür 242 qm freigehalten. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich auch eine physiotherapeutische Praxis. Auch an die Synergie-Effekte ist also gedacht. Fehlt nur noch der Facharzt. „Wir würden uns freuen, wenn ein Orthopäde, der sich vorstellen kann, bei uns eine Praxis zu eröffnen, sich an uns wendet (Bezirksvertretung für den Stadtbezirk V, Altenessener Str. 196, 45326 Essen, Tel.: 02 01/ 8 81 51 26,
bv5@essen.de).“ Dass diese, vielleicht etwas ungewöhnliche Art, eine medizinische Versorgung sicherzustellen, durchaus Erfolg haben kann, hat der Bezirk V schon einmal bewiesen. „Auf diese Weise sind wir auf der Suche nach einem Kinderarzt in unserem Bezirk schon einmal fündig geworden. Seine Praxis ist mittlerweile ‚ausgebucht‘ und er will hier auch gar nicht mehr weg.“

Ein Beitrag von Lars Riedel

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