„Wer gut schläft, lebt gesünder und länger.“

Quelle: Forsa
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Im Auftrag der Knappschafts Krankenkasse hat eine aktuelle Forsa-Umfrage ergeben: Die Deutschen schlafen zu wenig. Knappschafts-Experte Dr. Sven-Olaf Schneider, leitender Oberarzt und Leiter des Schlaflabors an der Klinik für Pneumologie, Allergologie im Zentrum für Schlafmedizin der Kliniken Essen-Mitte erklärt die Wichtigkeit von erholsamen Schlaf. Wie wirken sich zu wenig Schlaf beziehungsweise Schlafstörungen auf den Körper aus? Wie können Betroffene ihr Schlafproblem bekämpfen?

Warum schläft der Mensch?

Dr. Schneider: Die Frage ist noch nicht ganz geklärt. Wir wissen aber, dass Schlaf eine biologische Notwendigkeit ist. Er ist ein aktiver Prozess. Gedächtnisinhalte werden in der Nacht gefestigt. Auch die psychische Ausgeglichenheit ist an die Schlafqualität gekoppelt. Ist diese nicht gegeben, besteht ein erhöhtes Risiko einer depressiven Erkrankung.

Was zeichnet einen guten Schlaf aus?

Dr. Schneider: Der eigene Schlaf sollte als erholsam empfunden werden. Bestenfalls denken Sie gar nicht an Ihren Schlaf. Dann ist er wahrscheinlich gut.

Gibt es ideale Rahmenbedingungen?

Dr. Schneider: Es gibt schlaffördernde Umstände, die man gezielt beeinflussen kann. Schlafen Sie am besten in einem Raum, wo Licht oder Geräusche nicht stören. Die Temperatur sollte dort nicht zu hoch sein. Ferner kann man mit Verhaltensmaßnahmen den Schlaf fördern. Das heißt, dass man sich nach den Aktivitäten des Tages eine echte Erholungspause nimmt: spazieren geht, Entspannungsübungen macht oder Musik hört. Ritualisieren Sie Ihre Zu- Bett-geh-Phase, schaffen Sie gewohnte Abläufe. Diese und viele weitere Maßnahmen werden unter dem Begriff Schlafhygiene zusammengefasst.

Quelle: Forsa
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Wie wichtig ist die Regelmäßigkeit beim Schlafen?

Dr. Schneider: Sehr wichtig, sonst kann es zu Störungen kommen. Ein Beispiel ist die Schichtarbeit. Die ständige Einflussnahme auf den Schlaf-Wach-Rhythmus durch Spät-, Früh- und
Nachtschichten in schneller Abfolge kann schnell zu einem Schlafdefizit führen – mit körperlichen Folgen. Nicht alle Menschen können sich auf unregelmäßige Schlafzeiten
einstellen.

Drei Viertel der Deutschen glauben, dass sich Schlafmangel negativ auf die Gesundheit auswirkt. Können Sie das bestätigten?

Dr. Schneider: Ja, es gibt eindeutige Zusammenhänge. Die angesprochenen Schichtarbeiter haben ein erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken. Schlafmangel führt auch zu einem gesteigerten Appetit und einer Gewichtszunahme. Betroffene laufen Gefahr, im Anschluss an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Welche Symptome machen sich bei einem Schlafdefizit bemerkbar?

Dr. Schneider: Es kommt zu Konzentrationsstörungen. Viele Menschen verspüren eine starke Tagesmüdigkeit, gähnen andauernd und leiden unter einer Schläfrigkeit, die dazu führen
kann, dass sie gegen ihren Willen einschlafen.

Wie schnell können Menschen ein Schlafdefizit ausgleichen?

Dr. Schneider: Da sollten wir zwischen einem einfachen und einem chronischen Schlafdefizit unterscheiden. Wer mal zwei Nächte weniger Schlaf bekommt, kompensiert das schnell. Ein chronisches Schlafdefizit lässt sich nicht so schnell oder vielleicht auch gar nicht ausgleichen. Bei Schlafproblemen versuchen Krankenkassen, Hilfestellung zu geben, so auch die
Knappschaft.

Welche Angebote finden Sie besonders sinnvoll?

Dr. Schneider: Krankenkassen können vor allem informieren. Broschüren oder Flyer helfen genauso wie Informationsveranstaltungen. Auch Kurse und Seminare zur Schlafhygiene oder zu
Entspannungstechniken erachte ich als sinnvoll. Gleiches gilt für Vermittlungsbemühungen, mit denen die Kassen die Patienten zum Spezialisten bringen.

Schlafen Frauen und Männer eigentlich gleich?

Dr. Schneider: Nein, nicht unbedingt. Menschen ab dem mittleren Lebensalter werden zwar häufig anfälliger für Schlafstörungen. Frauen dieser Altersklasse haben aber gegenüber Männern überdurchschnittlich oft Ein- und auch Durchschlafstörungen. Ursächlich sind dafür unter anderem die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren. Bei ihnen treten nachts
auch vermehrt Hitzewallungen auf, die den Schlaf stören. Schwangere Frauen haben ebenfalls einen anderen Schlaf als gleich alte Männer.

Quelle: Forsa
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Wird der Schlaf also mit zunehmendem Alter schlechter?

Dr. Schneider: Nein, so definitiv kann man das nicht sagen. Bei vielen alten Menschen ist der Schlaf zwar schlechter, aber dies ist keine biologische Zwangsläufigkeit. Richtig ist, dass es mit
zunehmendem Alter zu Veränderungen des Tag-Nacht-Rhythmus kommt. Alte Menschen gehen häufig früher zu Bett, wachen dafür aber auch früher auf. Bei nachlassender Beweglichkeit fehlt den Menschen auch eine ausreichende Dosis Tageslicht, das für den Schlaf-Wach-Rhythmus eine wichtige Rolle spielt. In vielen Fällen sind es aber auch Krankheiten wie nächtliches Wasserlassen oder Nebenwirkungen von Medikamenten, die den Schlaf stören. Aber es gibt eben auch gesunde 80-Jährige, die gut schlafen.

Wie würden Sie das gesellschaftliche Verhältnis zum Schlaf beschreiben?

Dr. Schneider: Die aktuelle Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin steht unter dem Titel „Die schlaflose Gesellschaft“. Wir haben viele äußere und gesellschaftlich bedingte Umstände, die einen ausreichenden Schlaf behindern. Manche Menschen haben ungünstige Arbeitszeiten, andere machen häufig Dienstreisen auch über Zeitzonen hinweg.

Leben wir dann generell gegen unsere innere Uhr?

Dr. Schneider: Klar, zum Teil überlisten wir unsere innere Uhr. Ein Beispiel: Schüler haben einen zu frühen Schulbeginn. Dabei ist es längst erwiesen, dass sie in der ersten Stunde kaum etwas lernen. Letztendlich hat diese Entwicklung auch mit der Verfügbarkeit von Licht zu tun. Wir können unsere Tage beliebig lang werden lassen. Hätten wir kein künstliches Licht, würde sich manche Frage so gar nicht stellen.

Ist es nicht auch so, dass Schlaf heutzutage mit einer fehlenden Leistungsbereitschaft verbunden wird?

Dr. Schneider: Wir sind in unserer westlichen Gesellschaft permanent gefordert. Wir sollen ständig verfügbar und leistungsbereit sein. Die modernen Kommunikationsmittel wie Telefon, E-Mail oder soziale Netzwerke verschärfen dieses Problem. Menschen erledigen dienstliche Aufgaben auch noch daheim bis spät in die Nacht. Das verändert auch das Verhältnis zum Schlaf. Während woanders Nickerchen und Siesta legitim sind, werden Schlafpausen in Deutschland weniger toleriert und mit fehlender Leistungsbereitschaft gleichgesetzt. Ob es zu einer Veränderung der Einstellung unserer Gesellschaft kommen wird, wird sich zeigen.

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