Messechef Oliver P. Kuhrt (Foto: INFORMER Bildproduktion)
Messechef Oliver P. Kuhrt (Foto: INFORMER Bildproduktion)

Der Bürgerentscheid war eine heftige Schlappe für die Messe Essen. Doch der Messechef hielt Wort und blieb. Mehr noch: Kuhrt hat die Krise nicht bloß verwaltet, er ist in den Angriff gegangen! Wenn man seit fast anderthalb Jahrzehnte als Lokaljournalist arbeitet, sieht man im Laufe der Zeit viele Geschäftsführer kommen und gehen. Gerade bei städtischen Gesellschaften. Wenn man also den neuen CEO oder Vorstandsvorsitzenden bei Amtsantritt zum Interview bittet, spukt auch immer eine Frage im Hinterkopf des Journalisten: Wie lange wird der ‚Neue‘ wohl bleiben?

INFORMER-Redakteur Lars Riedel.
INFORMER-Redakteur Lars Riedel.

Im Gespräch mit dem künftigen Messechef im Dezember 2013 (Kuhrt trat sein am Amt zum 01.01.2014 an), habe ich Oliver P. Kuhrt genau mit dieser Frage konfrontiert: Was passiert, wenn die Entscheidung am 19.1. gegen die Messemodernisierung ausfällt? Sind Sie dann wieder weg? Kuhrt: „Nein. Ich habe mich mit meinem Start am 01. Januar 2014 zeitlich bewusst vor das Ergebnis des Bürgerbegehrens gesetzt, auch um ein glaubhaftes Zeichen in die Belegschaft der Messe Essen zu setzen. Unabhängig von den aktuellen Diskussionen zum Thema Modernisierung der Messehallen freue ich mich auf die Aufgabe und die Möglichkeit, mit einem engagierten und professionellen Messe-Team die kommenden Herausforderungen anzugehen. Sollte die Modernisierung ausbleiben, werden wir die Köpfe nicht in den Sand stecken. Aber wir alle sollten uns bewusst sein, was dies dann für die Internationalität und das Ergebnis der Messe Essen bedeuten würde.“

Auf Worte folgten Taten

Dezember 2013: Redakteur Lars Riedel im Gespräch mit dem künftigen Messechef. Foto: Christoph Bubbe
Dezember 2013: Redakteur Lars Riedel im Gespräch mit dem künftigen Messechef. Foto: Christoph Bubbe

So weit, so gut – und so Standard. Wie häufig hört man genau diese Aussage? Und dann läuft es doch nicht ganz so nach Wunsch und der ‚Neue‘ ist auch schon wieder Geschichte. Im Fall der Messe Essen lief es mit dem Ausgang des Bürgerentscheids alles andere als wunschgemäß. Doch Kuhrt hielt Wort. Er blieb; stellte sich den neuen Umständen, die alles andere als eine rosige Ausgangslage darstellten. Allein dafür, dass er in dieser Situation Durchhaltevermögen bewiesen und nicht einfach aufgesteckt hat, gebührt ihm Respekt. Auch wenn man – gerade mit Blick auf das nicht üble Gehalt eines Geschäftsführers – das Übernehmen von Verantwortung in schwierigen Zeiten eigentlich erwarten können müsste, selbstverständlich scheint es deshalb noch lange nicht.

Devise: Angriff!

Messe-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt im Entrée des Schlosshotel Hugenpoets. Foto: Christoph Bubbe
Messe-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt
im Entrée des Schlosshotel Hugenpoets. Foto: Christoph Bubbe

Messechef Kuhrt hat noch mehr getan: Er hat die Krise nicht bloß verwaltet, er ist in den Angriff gegangen! Der vorteilhafte Frankfurt-Deal mit der Automechanika, schwarze Zahlen im Auslandsgeschäft, die erfolgreiche Akquise von Gastveranstaltungen wie die Intergeo und das damit verbundene Behaupten gegen die großen, teils internationalen Wettbwerber – Kuhrt ist ein Jäger, soviel ist klar. Er kennt sein Metier, lebt es und liebt es. Noch während unseres letzten Gesprächs im April schellt Kuhrts Handy. Die Messe Essen plant einen Ableger, einen sogenannten Spin-off der IPM in Kalkar. Per Anruf kommt die Info: einer der ganz großen aus der Branche ist als Aussteller dabei. Und Kuhrt jubelt. „Das war wichtig. Jetzt ziehen auch andere nach.“

Ebenfalls nicht ganz unwichtig: Kuhrt freut sich ehrlich. Er mag ein Jäger im ‚Haifischbecken Messegeschäft‘ sein, aber ohne Häme gegenüber den anderen. Als der heute 52-Jährige damals mit der Koelnmesse Leipzig ‚angegriffen‘ und die ‚Games Convention‘ abgeworben hat, hätten die Leipziger mit ihm reden können. Der Weg zu einem Deal stand ihnen offen.

„Das Abwerben einer bestehenden Veranstaltung macht immer mehr Spaß, trotzdem kann der kreative Kopf weiter denken.“ Sich am Markt behaupten und gegen den Wettbewerb durchsetzen, neue Veranstaltungen schaffen, bestehende akquirieren – für Kuhrt das Lebenselexier für wirtschaftlichen Erfolg. Der Essener Messechef geht auf in der Rolle des fairen, sympathischen Sportsmanns. Eine Rolle, die man ihm auch abnimmt und glaubt.

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