Bezahlbarer Wohnraum wird auch in Essen immer knapper

Drei Fragen an den SPD-Ratsherr Thomas Rotter, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Stadtplanung und des Aufsichtsrates der Allbau AG, zur aktuellen Wohnsituation in Essen.

Herr Rotter, warum wird günstiger Wohnraum auch im Essener Norden immer knapper?
Aufgrund des festgestellten Bedarfs von ca. 18.000 Wohnungen in Essen bis zum Jahr 2020 sind alle Stadtteile von der Wohnungsknappheit betroffen. Da im Essener Norden tendentiell eher günstiger Wohnraum zur Verfügung steht, ist dieses Angebot auch schneller vergriffen. Gleichzeitig werden im Moment viele Flüchtlinge in Wohnungen vermittelt. Aufgrund des derzeitigen Leerstandes erfolgt dies auch im Essener Norden sowie in den anderen Stadtteilen. Generell bleibt jedoch festzustellen, dass dringend neuer bezahlbarer Wohnraum für alle Einkommensgruppe geschaffen werden muss.

Worauf müssen sich die Mieter in naher Zukunft einstellen?
Durch die Wohnungsknappheit in Essen wird es voraussichtlich in den nächsten Jahren zu einer Preissteigerung im Bereich von Grundstücksverkäufen sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern kommen. Dies ist bedingt durch den Zuzug von Menschen, die gerne in Essen leben möchten. Sei es auf der Basis beruflicher Veränderungen oder durch den Zuzug von Flüchtlingen. Die Politik sowie die Verwaltung haben dafür Sorge zu tragen, dass alle Essener Stadtteile in gleichen Teilen zur Wohnraumschaffung herangezogen werden. Durch die zu erwartenden Preissteigerungen, im letzten Jahr bereits 20 % beim Verkauf von Wohnungen, werden sich die Bodenrichtwerte voraussichtlich nach oben hin anpassen. Dies wird in den kommenden Jahren durch eine folgende Anpassung des Mietspiegels zu entsprechenden Mieterhöhungen führen. Ebenfalls wird der zur Verfügung stehende Wohnraum knapper.

Welche Maßnahmen ergreift die Politik, um dem entgegenzuwirken?
Oberstes Ziel muss derzeitig die Schaffung von neuem Wohnraum sein. Bei sämtlichen Neubauvorhaben sollte ein Anteil von 30 % an öffentlich gefördertem Wohnraum geschaffen werden. Dies ist in den letzten Jahren leider nicht erfolgt. Aufgrund des äusserst hohen Bedarfes müssen neue Flächen zur Wohnbebauung in ganz Essen ausgewiesen werden. Dies ist eine sehr schwere Aufgabe, die es gilt, mit allen in Essen lebenden Menschen zu bewältigen. Politik muss hier Pionierarbeit leisten, wie sich in den letzten beiden Jahren gezeigt hat. Denn nicht jeder ist mit einer Bebauung vor seiner Haustür einverstanden. Möglich ist aus meiner Sicht auch die Schaffung eines neuen Stadtteils, um dem zu erwartenden Bedarf gerecht zu werden.

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