Essen-Mülheim: Politikum, Zankapfel, Dauerbrenner

Ein Beitrag aus der Themenreihe: Luftverkehr und Fluglärm.

Lässt man Düsseldorf mal außer Betracht, fallen in unserer Region zum Thema Flughäfen zwei Namen: Weeze und Essen-Mülheim. Den Standort Weeze gibt es seit 2003. Und – so sein Geschäftsführer Ludger van Bebber – er profitiert von „der Gnade der späten Geburt.“ Der Flughafen Essen-Mülheim wird seit 1919 angeflogen – und ist in Ungnade gefallen. Nicht erst seit gestern, aber heute mehr denn je. Das Land NRW fordert die Auflösung der Flughafengesellschaft und zieht dafür vor Gericht. Die Kommunen wollen wegen des defizitären Geschäfts den Flugbetrieb lieber heute als morgen einstellen, können aber nicht. Es gibt bindende Pachtverträge. Und die Bürger beschweren sich über Lärm, der jedoch in den meisten Fällen vom großen Nachbarn am Rhein stammt. Einzig die privatwirtschaftlichen Unternehmen sprechen von Vorzügen, die der Standort Essen-Mülheim biete. Doch: Nur wenige hören ihnen zu. Wir trafen Wolfgang Hassa (Betriebsleiter der WDL Luftschiffgesellschaft), Frank Peylo (Sprecher der Gemeinschaft ‚Wir sind Flughafen‘) und Ulrich Langenecker (Geschäftsführer der FFL Fachschule für Luftfahrzeugführer).

Frank Peylo - Sprecher der Gemeinschaft ‚Wir sind Flughafen‘. Foto: Christoph Bubbe
Frank Peylo – Sprecher der Gemeinschaft ‚Wir sind Flughafen‘. Foto: Christoph Bubbe

Herr Peylo, Sie fungieren in der Gemeinschaft ‚Wir sind Flughafen‘ als Sprecher. Der Flughafen Essen-Mülheim ist ein solcher Dauerbrenner in der Politik von Land und Kommunen und auch in den Medien. Ist zu diesem Thema nicht längst alles gesagt, was es zu sagen gibt?

Peylo: Die Gemeinschaft besteht aus sechs Firmen und vier Vereinen, die sich zusammengeschlossen haben und den Stellenwert des Flughafens nach außen darstellen möchten. Wir möchten aufklären, weil so wenig Informationen über den Flughafen den meisten wirklich bekannt sind. Gerade – leider muss man sagen – auch bei den Leuten, die über den Flughafen sehr viel diskutieren. So haben wir verschiedene Pressevertreter und Verantwortliche aus der Politik und der Verwaltung hier zu uns eingeladen, damit sie sich selbst ein Bild machen können. Dieses Angebot haben auch einige angenommen. Und dadurch ist ein öffentlicher Dialog entstanden, dem wir sehr positiv entgegensehen. Der Flughafen wird deutlich mehr wahrgenommen. Trotz alle dem ist die politische Diskussion derzeit nicht zufrieden stellend. Auch die Zahl 2024 ist nicht zufrieden stellend für die Firmen und Vereine, die hier oben arbeiten. Wir wünschen uns, die wirtschaftliche Seite des Flughafens bis 2034 gemeinsam zu optimieren und weiter im Einklang mit der Bevölkerung hier unserer Arbeit nachgehen zu können.

Wolfgang Hassa - Betriebsleiter der WDL Luftschiffgesellschaft. Foto: Christoph Bubbe
Wolfgang Hassa – Betriebsleiter der WDL Luftschiffgesellschaft. Foto: Christoph Bubbe

Herr Hassa, Ihrer Arbeit in der Funktion des Betriebsleiters der WDL gehen Sie erst seit kurzem nach. Aber mal ganz ehrlich: Wenn sie die ganzen Diskussionen mitbekommen, sehen Sie überhaupt auf langer Sicht eine Perspektive im Arbeitsplatz Flughafen?

Hassa: Natürlich. Ich bin ja hier hingekommen, um zu bleiben. Ich bin 50 Jahre alt und habe noch 17 Berufsjahre vor mir. Insofern sehe ich den Flughafen Essen-Mülheim auch persönlich als Perspektive an.  Ich selbst bin Inhaber einer kleinen Firma in Aachen.  Und ich habe auch vor, meine eigene Firma mittelfristig nach Essen-Mülheim zu verlagern, weil ich in dem Flughafen ein unheimliches Potenzial sehe. Dieser Flughafen ist eine Perle, in der enormes Potenzial schlummert.

Potenzial sagen Sie, allenfalls Nostalgie im Bezug auf den Zeppelin würde vielleicht manch anderer behaupten.

Hassa: Selbst das Luftschiff hat noch viel Potenzial. Aber das gilt gleichermaßen fürs Areal, für die Gebäude, für die Infrastruktur. Wir haben den Anspruch, wirklich nach vorne zu gehen. Uns etwas einfallen zu lassen, etwas Neues zu machen. Und hier haben wir die Möglichkeiten dazu.

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Flughafen
Essen-Mülheim:
Die Vergangenheit

  • wird angeflogen seit 1919
  • 1925: Erhalt der Flughafenrechte
  • 1930: erste Linienverbindungen in europäische Hauptstädte
  • 1938: Namensgebung; einer der ersten europäischen Flughäfen mit einer befestigten Start-/Landebahn
  • 1937: 5.000 Flugbewegungen; 15.000 Fluggäste
  • 60er Jahre: über 50 stationierte Flugzeuge

[/su_pullquote]Neues aufbauen – klingt erst einmal gut. Aber was?

Hassa: Früher war es beispielsweise so: Das Luftschiff wurde benutzt als reiner Werbeträger. Es wurde ein Großkunde gesucht, mit z. B. Wicküler oder Fuji auch gefunden und teilweise für die Dauer von Jahren die Werbefläche beklebt. Diese Zeiten ändern sich. Die Taktung ändert sich. Sie ist viel höher, viel schneller. Heute sind wir in der Lage innerhalb von 24 Stunden unseren Werbepartner zu wechseln. Aber es geht noch viel mehr. Wir sind zudem in der Lage – und das ist eine Sache, die wir jetzt auch mehr forcieren wollen –, unser Luftschiff nicht nur als reinen Werbeträger und für Passagierfahrten anzubieten. Man kann so vieles machen. Sei es für Beobachtungsflüge im Umwelt- und Naturschutz. Denn wir können Sachen machen, die können die Flugzeuge nicht. Die sind zu schnell. Und Hubschrauber verwirbeln alles.  Ein Luftschiff hingegen kann langsam, kann gleiten und dementsprechend ganz andere Manöver fahren. Das dürfte auch für die hier massig ansässigen Universitäten interessant sein. Oder aber auch für Fernsehaufnahmen. Man muss einfach mal kreativ sein, nicht nur sehen, was einmal war, sondern vor allem was sein kann. Und so sehe ich das mit dem ganzen Gelände hier.

Nun, es gibt aber Menschen, die das bestimmt anders sehen. Nennen wir sie mal Flughafen-Gegner.

Hassa: Was hat man gegen das Fliegen? Wir fliegen alle; andauernd. Das Fliegen ist ein Teil unseres Lebens geworden. Klar gibt es eine Lärmbelästigung. Klar müssen wir gucken, leiser zu werden. Und klar bemühen wir uns auch darum. Aber was gibt es denn gegen das Fliegen zu sagen? Das war früher der Kindheitstraum. Ist es jetzt auf einmal der Kindheitsalptraum geworden? Warum können wir nicht kooperativ schauen, was man Neues machen kann? Wir müssen uns bewegen. Und wir bewegen uns auch. Aber wir können doch die anderen mitnehmen. Wir müssen doch nicht gegeneinander arbeiten. Und der Flughafen hier ist doch klasse.

Dennoch regt sich immer wieder bürgerlicher Gegenwind. Vor allem wenn es um das Thema Lärmbelästigung geht. Oder sehen das die Herren hier am Tisch anders?

Ulrich Langenecker - Geschäftsführer der FFL Fachschule für Luftfahrzeugführer. Foto: Christoph Bubbe
Ulrich Langenecker – Geschäftsführer der FFL Fachschule für Luftfahrzeugführer. Foto: Christoph Bubbe

Langenecker: Wir haben keinen bürgerlichen Gegenwind in Sachen Fluglärm. Ich bin hier der Lärmschutzbeauftragte am Flughafen.  Und wir hatten erst im März die letzte Sitzung der Lärmschutzkommission, deren Vorsitz ich führe. Wir hatten lediglich ganze 14 Lärmbeschwerden – und das über den Zeitraum von einem Jahr und 60.000 Flugbewegungen. Lärm kann also nicht der ausschlaggebende Faktor bei den Diskussionen um unseren Standort sein. Und der Kommission gehört auch der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Fluglärm an. Und selbst er musste in der Sitzung eingestehen, dass auch bei ihm keine einzige Beschwerde über Lärmbelästigung eingegangen ist, die durch unseren Flugbetrieb verursacht wurde. Wenn man derzeit etwas über Lärm in den Zeitungen liest, geht es nicht um Lärmbeschwerden über den Flughafen Essen-Mülheim. Es ist immer der Düsseldorfer Flugverkehr. Und bei einer Ostwindlage, wenn die Düsseldorfer eben in Richtung Osten starten müssen, fliegen Sie halt über Mülheim ab. Das stört die Bevölkerung. Aber es ist eben nicht der Flugverkehr Essen-Mülheim. Mit Ausnahme der Helikopterflüge, das gebe ich zu. Das waren übrigens zehn der 14 Beschwerden. Und in dieser Sache sind mittlerweile auch Gegenmaßnahmen ergriffen worden. Der Lärm kommt aber definitiv nicht von unseren Flugzeugen und auch nicht vom Luftschiff.

Peylo: Leider werden die Lärmquellen in der öffentlichen Wahrnehmung immer wieder vermischt. Man kann auf den Internetseiten der Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm und des Netzwerkes gegen Fluglärm die Vermischung ganz deutlich sehen. Da wird über Düsseldorf gesprochen, über Kaarst, über Neuss – und das immer im gleichen Atemzug mit Essen-Mülheim.

Aber das Land NRW und die Städte wollen offensichtlich raus aus dem Essen-Mülheimer Flughafengeschäft. Und das hat nichts mit Lärm zu tun. Rechnen Sie wirklich damit, über das Jahr 2024 hinaus hier tätig sein zu können?

Peylo: Es gibt hier oben bestehende Verträge – Pachtverträge mit der WDL bis 2024, mit dem Aero-Club sogar bis 2034. Trotzdem gehen die Städte hin und schlagen Ratsbeschlüsse über einen sofortigen Ausstieg vor. Spätestens da hätte die Politik reagieren und mit den Vertragspartnern das Gespräch suchen müssen. Denn genau das sind die WDL und der Aero-Club: Vertragspartner.

Hassa: Mein erklärtes Ziel ist es, länger als 2024 hier mit der WDL arbeiten zu können. Im Endeffekt ist es so: Ich habe ja vorhin schon gesagt, dass ich meine eigene Firma hierhin nachholen will. Die WDL wiederum hat auch Ziele und Pläne. Und für einen Betrieb sind sieben Jahre nicht der Planungshorizont, den man braucht. Wir reden ja nicht davon, dass hier jemand nur zwei oder drei Tausend Euro investieren will. Wir haben an unserem Flughafen eine Infrastruktur. Die muss erhalten werden. Und da kann man immer überlegen: Klebe ich da jetzt nur ein Pflaster drauf oder mache ich da jetzt was Vernünftiges? Und man kann in der Luftfahrt nicht einfach immer nur pflastern. Dazu muss man aber investieren. Und das geht nur mit Planungssicherheit.

Am Standort Essen-Mülheim werden deutschlandweit die meisten Verkehrspiloten ausgebildet. Foto: Christoph Bubbe
Am Standort Essen-Mülheim werden deutschlandweit die meisten Verkehrspiloten ausgebildet. Foto: Christoph Bubbe

Die hätten Land und Kommunen auch gerne – und zwar in puncto Haushaltskassen. Vielleicht wollen sie auch deshalb schnellst möglich die Reißleine ziehen, bevor der Flughafen zur absoluten Subventionswüste wird.

Hassa: Wenn man eine Subventionswüste befürchtet, muss man den Unternehmen entsprechend die Möglichkeit geben, diese zu kompensieren. Relativ simpel im Endeffekt. Das heißt, ich kann als Unternehmen Geld fordern und mich selbst nicht bewegen oder ich kann genau das Gegenteil machen und sagen: „Behalte dein Geld, aber lass mich mich entwickeln. Du willst nicht, dass ich zu laut bin? Einverstanden! Aber dann sag mir, wie laut darf ich werden. Sag mir: Wie lang kann ich bleiben? Wo sind meine Grenzen? Was darf ich nehmen, was habe ich zur Verfügung? Gib mir die Rahmenbedingungen – und halte dich dann auch daran! Dann gehe ich nach vorne, dann kann ich auch die Sache in die Hand nehmen.“ Wenn mir jemand die Rahmenbedingungen nennt und gesagt wird, es geht bis 2034, dann investiere ich auch. Das ist im Geschäftsleben ein Horizont, bei dem man sagen kann:  „Okay, ich nehme noch einmal Geld in die Hand.“ Und diesen Zeithorizont braucht man auch im Gespräch mit potenziellen Kooperationspartnern. Auch sie brauchen die Planungssicherheit. Wenn man denen mit einem nur für ein paar Jährchen gesicherten Planungsstand kommt, dann ist das einfach zu wenig.

Peylo: Schlimmer noch. Dass sich andere Unternehmen nach Essen-Mülheim orientieren, wird sogar durch aktuelle Ratsbeschlüsse verboten. Hier darf sich gar kein Unternehmen ansiedeln, das flugaffin ist. Da beißt sich die Katze immer wieder selbst in den Schwanz. Es darf sich kein weiteres Fluggewerbe ansiedeln, das ist politisch nicht erlaubt und nicht gewollt. Und gleichzeitig gehen Teile der Politik hin und sagen: „Ihr bösen Flughafenanlieger! Ihr macht immer so viel Defizit.“

Langenecker: Wir sind doch bereit, uns selbst zu helfen. Wir sind doch nicht auf dem Standpunkt, dass wir mit Ihnen als Medienvertreter hier sitzen und Ihnen versuchen zu erklären, warum wir Unterstützung brauchen. Wir wollen die Infrastruktur erhalten und investieren.

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Flughafen
Essen-Mülheim:
Die Gegenwart

  • 60.000 Flugbewegungen
  • ca. 200 Mitarbeiter (teilweise in 3. Generation)
  • 6 Unternehmen aus der Luftfahrt­branche: WDL Luftschiffgesellschaft mbH, TFC Käufer GmbH, FFL Fachschule für Luftfahrzeugführer GmbH, Flugzeug­service Claasen GmbH, Airmarin GmbH, Air Albatros GmbH
  • Firmensitz für weitere, branchenfremde Unternehmen
  • Sitz für 4 Vereine/Arbeitsgemeinschaften: Aero-Club Mülheim an der Ruhr e. V., Hanseatischer Fliegerclub e. V., AGFÖ Arbeitsgemeinschaft Flughafen und Ökologie, Luftfahrtverein Essen e. V.
  • Standort für die Ausbildung der deutschlandweit meisten Verkehrspiloten

[/su_pullquote]Und wenn es doch anders kommt, Herr Hassa?

Hassa: Wenn der Flughafen weg wäre, angenommen in der nächsten Zeit wird der Schlüssel abgegeben und der Letzte macht das Licht aus: Was passiert denn dann hier? Das Gelände ist erst einmal eine Brache. Und wer hat was von einer Brache? Dann heißt es immer: „Ja, da machen wir ein ganz tolles Gewerbegebiet.“ Mit Planungsverfahren und allem Zip und Zap – das dauert Jahre. Bestehende Industrie wegschicken, das ist einfach. Aber ist es so einfach, neue Industrie zu holen?

Aber was bringt es der Stadt, den Flughafen zu halten?

Langenecker: Die große Diskussion in der Politik ist doch seit Jahren das Defizit. Die reden nicht mehr über den Fluglärm, sie reden nicht, dass sie gegen den Flughafen an sich sind, sondern es ist das Defizit. Dabei ist es gerade den unterschiedlichen politischen Interessen geschuldet, dass wir überhaupt so ein Defizit haben. Außerdem ist es eine Milchmädchenrechnung, die die Städte da aufmachen. In diese Rechnung fließen nur die Defizite ein, die die Flughafengesellschaft verursacht. Aber es redet kein Mensch mehr von den direkten und indirekten Steuern, die – zugegeben vornehmlich in die Mülheimer – Stadtkasse fließen. Hinzu kommen noch die indirekten Einnahmen aus dem Flughafengeschäft für die Städte. Ich habe Flugschüler, die hier für zwei, drei Jahre ihre Ausbildung machen. Die ziehen für diese Zeit nach Essen oder Mülheim. Und die lassen in diesem Zeitraum jeden Tag Geld hier. Ich habe Schüler aus der ganzen Bundesrepublik. Aktuell habe ich 168 Flugschüler. Ich selbst mache das seit 2002, die Schule aber gibt es seit 1963. Die FFL ist die älteste Flugschule nach der Lufthansa. Da können Sie hochrechnen, wie viele Menschen die Flugschule schon nach Essen geholt hat. Seit Gründung wurden über 6.000 Verkehrspiloten durch die FFL ausgebildet. Es werden nirgendwo mehr Verkehrspiloten ausgebildet als in Essen-Mülheim, in ganz Deutschland nicht.

Peylo: Und die finanzieren den Flughafen. Das sind die tragenden Säulen. Und wenn ich ökonomisch denke, würde ich mir doch die tragenden Säulen sichern.

Wenn es den Flughafen nicht mehr gäbe, was würden Sie mit Ihrer FFL machen, Herr Langenecker?

Langenecker: Ich kann vielleicht noch einen Bruchteil davon an einen anderen Flughafen verlagern. Der Standort Essen-Mülheim ist für uns allerdings alternativlos. Wohin sollen denn bitte schön 60.000 Flugbewegungen in NRW verlagert werden? Es gibt nirgends die hier vorherrschende und notwendige Infrastruktur.

Die Unternehmen und Vereine am Flughafen Essen-Mülheim suchen den Dialog. Einige nehmen ihn an, andere wollen davon nichts wissen. Die INFORMER-Redaktion hörte genau hin, was aus Sicht der Flughafenanlieger Ambach ist. Foto: Christoph Bubbe
Die Unternehmen und Vereine am Flughafen Essen-Mülheim suchen den Dialog. Einige nehmen ihn an, andere wollen davon nichts wissen. Die INFORMER-Redaktion hörte genau hin, was aus Sicht der Flughafenanlieger Ambach ist. Foto: Christoph Bubbe

Wenn das so ist, warum setzt man sich nicht an einem Tisch mit Politik und Verwaltung und erklärt die Situation?

Peylo: Der Dialog mit der Politik hat stattgefunden in den letzten anderthalb Jahren.  Aber es gibt durchaus politische Lager, die wollen auch nicht reden.

Langenecker: Die Grünen werden wir hier nie hinbekommen. Aber enttäuschend ist vor allem, dass insbesondere die CDU als eigentlich unternehmerfreundliche Partei es bisher nicht geschafft hat, sich mit uns an einem Tisch zu setzen und uns zuzuhören – weder die CDU Mülheim, noch Essen.

Peylo: Die Gemeinschaft hier am Flughafen kann ja nur aufklären. Und das hat sie verstärkt auch in den letzten anderthalb Jahren getan. Wir informieren auf sachlicher Ebene und machen deutlich, was hier überhaupt passiert. Die Bilder, die in vielen Köpfen vorherrschen, sind einfach sachlich falsch. Im aktuellen Gutachten der Märkischen Revision steht z. B. drin, dass die Unternehmen hier vor Ort stärker in die Verantwortung genommen werden müssen, wenn es ums Defizit geht. Aber dazu müssen gewisse Stellschrauben verändert werden. Es darf nicht einfach heißen: „Ihr beteiligt euch jetzt an den Unkosten.“ Nein, es muss auch Entwicklungsmöglichkeiten geben, dass diese Unkosten, diese Defizite erst gar nicht entstehen. Viel Verantwortung, aber keine Handlungsspielräume? Das geht nicht! Genau deshalb müssen wir uns gerade jetzt an einem Tisch setzen und in den Dialog treten. Und ich habe die Hoffnung, dass dies jetzt auch passieren wird.

Herr Hassa, Sie als der ‚Neue‘ am Flughafen Essen-Mülheim, wenn Sie sich was wünschen dürften, was würden sie dann den Beteiligten an der ganzen Flughafen-Debatte sagen?

Hassa: Flughafengesellschaft, mach deine Hausaufgaben und optimiere dich. Land und Kommunen, gebt uns das Jahr 2034 – und lasst die Menschen hier am Flughafen Essen-Mülheim ansonsten in Ruhe arbeiten.

Ein Beitrag von Lars Riedel

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