Klein ja, aber mit Potenzial

Zwischen Himmel und Erde gibt es vor allem eines: Turbulenzen. Parallel zum Fernweh der Menschen wachsen auch die Beschwerden über Fluglärm. Dieser ist primär dem großen Nachbarn am Rhein zuzuordnen. Und Düsseldorf will Landungen und Starts sogar noch erhöhen. Der nicht unweit gelegene Airport Weeze könnte entlasten. Was aber den Rheinländern aufstoßen dürfte. Und dann gibt es Essen-Mülheim, noch! Spätestens 2034 soll hier mit der Fliegerei Schluss sein. Ginge es nach Land und Kommunen sogar eher. Die Flughafengesellschaft schreibt Defizite. Dabei steckt hinter dem vermeintlich kleinen Flughafen faktisch eine große Wirtschaftskraft. Die ansässigen Unternehmen würden gerne handeln – wenn man sie ließe. Ideen, Denkanstöße und Alternativen stehen einer Diskussion gegenüber, die von verhärteten Fronten und einer großen Portion sachlicher Unkenntnis geprägt ist.

Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm (Teil II): Düsseldorf Airport

Ein Beitrag von Pascal Hesse

Geht es um die Flughäfen Düsseldorf und Essen-Mülheim, melden sie sich schnell zu Wort, die Flughafengegner. Der Fluglärm der Jumbo-Jets, die in Düsseldorf starten und landen, das Defizit, das die Städte Essen und Mülheim Jahr für Jahr einfliegen. Das sind ihre Themen. Doch es gibt noch eine andere Realität, die der Zahlen. Und es gibt Alternativen, etwa in Weeze. Mit dem Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm beschäftigten sich die INFORMER-Redakteure Pascal Hesse, Eva Valentini und Lars Riedel genauer.

Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm (Teil III): Airport Weeze

Ein Beitrag von Eva Valentini

„Dass der Flughafen Gesellschaft Essen-Mülheim seit Jahren Defizite einfährt, bestreiten wir ja gar nicht“, betont Frank Peylo, Sprecher von ‚Wir sind Flughafen‘, eine Gemeinschaft der Unternehmen am Flughafen und des Aero-Club Mülheim an der Ruhr. Aber: Wenn eine Stadt als Unternehmer tätig sei, müsse sie sich – wie jeder anderer Unternehmer auch – mit ihrem Betrieb identifizieren, ihm eine Zukunft bieten wollen. Doch das passiere am Standort Essen-Mülheim nicht. „Der Flugbetrieb ist immer weiter eingeschränkt worden, anstatt mit den Unternehmen und Aktiven vor Ort gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die politischen Gegebenheiten haben der Flughafen Gesellschaft keinerlei Entwicklungsmöglichkeit gelassen, was zu den roten Zahlen führte. Das Defizit ist also hausgemacht“, so Peylo. Grundvoraussetzung für die Städte Essen und Mülheim als Gesellschafter müsste sein, überhaupt Gewinne erzielen zu wollen. Stattdessen setze man seit Jahren lieber auf rote statt auf schwarze Zahlen, zu Lasten der städtischen Haushalte, zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger. Und das trotz Alternativen.

Der Airport Weeze: Eine gangbare Alternative zur Erweiterung des Flugbetriebs in Düsseldorf? Foto: Christoph Bubbe
Der Airport Weeze: Eine gangbare Alternative zur Erweiterung des Flugbetriebs in Düsseldorf? Foto: Christoph Bubbe

„Wir setzen seit jeher auf den Dialog mit allen Beteiligten und wollen den Flughafen gerne gemeinsam mit den Gesellschaftern wirtschaftlich optimieren“, macht der Sprecher der Initiative deutlich. Vergangenes Jahr sei man sogar bereit gewesen, eigenes Geld in den Flughafen zu investieren, den Anteil des Landes an der Flughafengesellschaft zu übernehmen. „Aber leider ohne Erfolg. Stattdessen wurden Ratsbeschlüsse gefasst, Anteile nicht an Dritte zu verkaufen.“ Auch ohne den Flugbetrieb auszuweiten sieht Frank Peylo Möglichkeiten, die Flughafengesellschaft auf einen guten Kurs zu bringen. „Wir sehen Synergiemöglichkeiten, man muss sie nur nutzen.“ Peylo hebt die Arbeitsplätze der sechs Unternehmen am Standort Essen-Mülheim vor, darunter die WDL, und die Bedeutung der beiden Flugschulen, die eine lange Tradition und bereits Tausende von Verkehrspiloten ausgebildet haben. Die Politik solle sich gut überlegen, ob sie etwas zerschlägt, was für die Städte profitabel sein könnte. Das Fluglärm-Argument, welches immer wieder von Gegnern vorgebracht werde, versteht Peylo ebenso wenig: „Wir hatten 2014 rund 50.000 Flugbewegungen und dabei ganze 16 Beschwerden wegen Fluglärms. Vergangenes Jahr waren‘s nur noch 14 Beschwerden bei etwa 60.000 Flugbewegungen. Das Flugaufkommen nimmt also zu, die Lärmbeschwerden sinken. Das liegt mitunter daran, dass Maßnahmen  wegen des Helikopter-Fluglärms ergriffen wurden.“ Hier gebe es nun klare Regeln. Peylo beklagt, dass, wenn über Fluglärm gesprochen wird, Essen-Mülheim stets in einem Atemzug mit Düsseldorf oder anderen Großflughäfen genannt würde. „Und dass, obwohl selbst die Schutzgemeinschaft Fluglärm zugeben musste, dass bei ihr vergangenes Jahr nicht eine einzige Beschwerde über Fluglärm durch den Flughafen Essen-Mülheim eingegangen sei“, bekräftigt Frank Peylo.

Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm (Teil IV): Flughafen Essen-Mülheim

Ein Beitrag von Lars Riedel

Während die Stadt Mülheim als Gesellschafter seit Jahren zwar die Schulden der Flughafengesellschaft mitträgt, ist sie, anders als die Stadt Essen, zugleich ein großer Profiteur des Unternehmens: bei der Gewerbesteuer. Denn diese Quelle sprudelt, sei es durch die WDL-Gruppe oder die Flugschulen, die ebenfalls am Standort Mülheim ihre Steuern zahlen. Da werden ein paar hunderttausend Euro beim Verlustausgleich schnell zu Peanuts. An dieser Stelle für etwas mehr Fairness zu sorgen, gleichsam Essen wie Mülheim an der Ruhr am Erfolg des gemeinsamen Flughafens zu beteiligen, würde die angespannte Situation sicher entspannen.

Den Flughafen Essen-Mülheim assoziiert man gerne mit Sport- und Hobby-Fliegerei. Tatsächlich ist er aber Ausbildungsstätte für die meisten Verkehrspiloten deutschlandweit, Heimat für sechs Unternehmen aus der Luftfahrtbranche und verzeichnet rund 60.000 Flugbewegungen pro Jahr. Foto: Christoph Bubbe
Den Flughafen Essen-Mülheim assoziiert man gerne mit Sport- und Hobby-Fliegerei. Tatsächlich ist er aber Ausbildungsstätte für die meisten Verkehrspiloten deutschlandweit, Heimat für sechs Unternehmen aus der Luftfahrtbranche und verzeichnet rund 60.000 Flugbewegungen pro Jahr. Foto: Christoph Bubbe

Beim Aero-Club Mülheim an der Ruhr fragt man sich überdies, wie sich das Flughafendefizit von 571.623,82 Euro (für 2014) zusammensetzt. Gabriele Oesterwind, Vorsitzende des Vereins und von Berufs wegen Finanzexpertin, hat in die Bilanz geschaut. Und sie mit einem Unternehmen verglichen, das von der Bilanzsumme her sogar noch etwas größer ist, aber wirtschaftlich deutlich besser dasteht, der Flugplatzgesellschaft „Schwarze Heide“ aus Hünxe. Oesterwind auf: „Während man in Hünxe mit sechs festangestellten Mitarbeitern auskommt, sind es bei Mülheim-Essen 16 Festangestellte. Ich weiß bei bestem Willen nicht, was diese 16 Leute den ganzen Tag tun. Das ist ein eklatantes Missverhältnis. Wir haben hier schließlich kein produzierendes Gewerbe, sondern eines, das Dienstleistungen erbringt.“ Ein weniger kostspieliges, aber gleichwohl „hinterfragenswertes“ Missverhältnis wird auf Seiten des Aufsichtsrates deutlich. Und zugleich ein moralisches, wo man doch rote Zahlen schreibt. In Essen kassieren die Mitglieder des Gremiums laut Bilanz in der Spitze 1000 Euro pro Person; in Hünxe  arbeiten hingegen alle Aufsichtsratsmitglieder ehrenamtlich. Für 0 Euro. Und der Bilanzverlust liegt im Vergleich dazu bei „nur“ 179.423,71 Euro.

Während sich mit dem Airport Weeze eine Alternative zu Düsseldorf abzeichnet, ist der Standort Essen-Mülheim für die Flughafenanlieger alternativlos. Experten skizzieren die Faktenlage:

Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm (Teil II): Düsseldorf Airport
Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm (Teil III): Airport Weeze
Themenschwerpunkt Luftverkehr und Fluglärm (Teil IV): Flughafen Essen-Mülheim

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