Zu viele Mandel-OPs in Essen?

Schluckbeschwerden, Halsschmerzen und Fieber: Aus leichten Anzeichen wird oftmals rasch eine schmerzhafte Mandelentzündung. In den vergangenen Jahren setzte sich zunehmend jedoch eine konservative Behandlung durch, und die operative Entfernung der Mandeln erfolgte seltener. Die wenigsten Eingriffe wurden im thüringischen Sonneberg verzeichnet, die meisten im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Und in Essen?

Hier liegt die OP-Quote bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren allerdings ebenfalls deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Zwar noch nicht in dem Maße wie in Bad Kreuznach, aber immerhin deutlich mit 27 Prozent. Rund 450 Operationen wurden in unserer Stadt jährlich zwischen 2010 und 2012 vorgenommen. Dies teilte jetzt die DAK-Gesundheit im Hinblick auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung mit.

Im Bundesdurchschnitt wurden 43 von 10.000 Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren die Gaumenmandeln entfernt, das ergab die besagte Bertelsmann-Studie. In Essen liegt der Wert bei 54 je 10.000.

Erhaltung der Mandeln vorrangig

Ärzte raten heute jedoch zurückhaltender zur OP. „Nur wenn häufige Entzündungen oder andere medizinische Gründe vorliegen, wird operiert“, sagt Miriam Ilzhoefer, Leiterin der DAK-Gesundheit in Essen. Verschiedene wissenschaftliche Studien belegten zudem, dass die Erhaltung der Mandeln prinzipiell vorrangig sei. „Wir raten zu einer gewissenhaften Abwägung des Für und Wider einer OP und begrüßen die vorausschauende Betrachtung bei den Medizinern“, ergänzt Ilzhoefer.

Die großen regionalen Unterschiede könnten aber durchaus medizinische Gründe haben. Die Studie selbst schließt jedoch mögliche wirtschaftliche Interessen der Kliniken nicht gänzlich aus.

Viren oder Bakterien können Auslöser sein

Während früher Bakterien mit dem Namen Streptokokken als Auslöser für Mandelentzündungen wegen möglicher Folgen wie Herzerkrankungen oder Rheuma gefürchtet waren, werden diese Fälle heute seltener beobachtet. Die Erkrankung kann sowohl durch Bakterien als auch durch Viren hervorgerufen werden. Daher ist vom behandelnden Arzt zu entscheiden, ob ein Antibiotikum Sinn macht. Häufig verschwinden die Beschwerden nach einigen Tagen Schonung und der Anwendung von Hausmitteln.

Detaillierte und unabhängige Informationen sowie Entscheidungshilfe zur Therapie bietet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) im Internet unter www.gesundheitsinformation.de

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