Home Staging – der Trend beim Immobilienverkauf

Sebastian Baun ist diplomierter Designer und professioneller Home Stager. Sein Dienstleistungsunternehmen, die ‚baun gmbh‘, hat ihren Sitz in Essen-Bredeney. Mit ihm sprachen wir über den neuen Trend im Immobilienhandel: Home Staging.

Home Staging – wenn es um den Verkauf oder auch um die Vermietung von Immobilien geht, ist dieser Begriff derzeit in aller Munde. Herr Baun, was verbirgt sich genau dahinter?

In den Vereinigten Staaten wird das sogenannte Home Staging schon seit über 40 Jahren betrieben. Dort verkaufen Sie keine Wohnung mehr ohne. Bei uns in Deutschland hat das Home Staging vor ca. zwei Jahren Einzug gehalten. Dahinter steckt genau das, was die wörtliche Übersetzung bereits sagt: Der Wohnraum wird auf eine Bühne, auf ein Podest gehoben. Statt den potenziellen Käufern oder Mietern einen kalten, leeren, von Mauern umbauten Raum zu präsentieren, wird durch eine Mustermöblierung, durch Dekorationen und Gestaltungselemente bereits ein Wohngefühl geschaffen. Gleichzeitig wird dadurch auch bereits die Funktionsmöglichkeit den jeweiligen Räumen zugewiesen. Wenn beispielsweise ein Schreibtisch in einem Zimmer steht, wird sofort deutlich, dass sich dieser Raum perfekt als Arbeitszimmer nutzen lässt. Außerdem kann der Kauf- oder Mietinteressent so auch besser die Proportionen der Räume einschätzen, was in einer leeren Immobilie nur schwer möglich ist – vor allem, wenn man zunächst nur Fotos auf den Immobilien-Börsen im Internet sieht. Stehen bereits Möbel in den Zimmern, bekommt man automatich ein Gefühl dafür, wie groß der Raum ist.

Home Staging findet aber nicht nur in leerstehenden Immobilien statt. Ist die Wohnung noch bewohnt, steht man vor einer besonderen Herausforderung. Der Wohnraum muss dann zunächst entpersonaliesiert werden. Persönliche Fotos müssen verschwinden, auch der vielleicht so liebgewonnene Teddy-Bär, der als Deko in der Ecke sitzt. Denn der Immobilien-Interessent soll ein Gespür für sein neues Zuhause bekommen und nicht das Gefühl haben, in das Heim eines anderen einzudringen. Dazu gehört auch, die Wohnung von den typischen Gerüchen der derzeitigen Bewohner zu befreien. Wenn die Wohnung durch Home Staging hergerichtet wurde, muss ein eventuell vorhandener Familienhund kurzfristig woanders untergebracht werden. Gerade solche Dinge fallen vielen Eigentümern einer Immobilie, die sie selbst noch bewohnen, schwer und bedeuten viel Überzeugungsarbeit. Doch das primäre Ziel ist halt der möglichst gewinnbringenste Verkauf der Immobilie.

Möbel hier, ein bisschen Deko dort – mit Händchen fürs Detail kann das der Verkäufer oder Makler doch selbst, oder?

Wenn es nur um Dekoration ginge, dann vielleicht. Zu einem professionellen Home Staging gehört aber viel mehr. Wie ist die Wohnung geschnitten? Ist das Immobilienangebot für Menschen ab 30 Jahren interessant oder doch eher für ältere Generationen? Auch danach richtet sich die Einrichtung. Und immer geht es dabei auch um Farblehre. Wenn Sie z. B. ein quietschgrün gefliestes Badezimmer aus den 80ern haben, kann man mit dosiert platzierten Grüntönen in der Wohnung bereits das Auge langsam daran gewöhnen. Wichtig ist dabei allerdings: Man kann Schäden beseitigen und Dinge zum Positiven hervorheben; Mängel vertuschen ist dagegen strikt verboten. Das gilt nicht nur gesetzlich, dazu haben sich auch die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign® e.V. verpflichtet.

Aber letztlich kosten Ihre Dienste auch Geld. Inwiefern rechnet sich das für den Immoblienverkäufer?

Natürlich will jeder Geld einnehmen und möglichst keines ausgeben. Aber jedem muss auch klar sein, dass man – je nach Zustand der Immobilie mal mehr, mal weniger – Geld in die Hand nehmen muss, um sie gewinnbringend zu veräußern. Für die Dienstleistung des Home Staging selbst, werden ein bis drei Prozent des Verkaufspreises fällig. Das richtet sich nach Lage, Größe und Preis der Immobilie. Aber nach den bisherigen Erfahrungswerten bringt eine Immobilie durch Home Staging rund 15 Prozent mehr Verkaufserlös ein. Und die Zeit, in der man die Immobilie verkauft bekommt, halbiert sich. Auch das sollte man bedenken, denn: Auch Zeit ist ja bekanntlich Geld.

Das Interview führte Lars Riedel.

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