Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft: Viele Bewerber auf zu wenige Stellen, Arbeitslose und Berufswiedereinsteiger. Hinzu kommen die Schulabgänger 2016 auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Wobei hier die Lage, betrachtet man ausschließlich die Zahlen, gar nicht so schlecht aussieht: Auf 3.219 in Essen gemeldete Bewerber kommen 2.986 gemeldete Ausbildungsstellen (Stand: Mai 2016). Rein rechnerisch kommt somit fast eine freie Lehrstelle auf einen Bewerber. Doch diese Rechnung wird nicht aufgehen. „Nicht immer passen Angebot und Nachfrage zueinander“, so Klaus Peters, Leiter der Arbeitsagentur Essen. „Wir sprechen hier von Versorgungs- und Besetzungsproblemen. Auf der einen Seite gibt es mehr Bewerber für einen bestimmten Ausbildungsberuf als für diesen Berufswunsch freie Stellen. Auf der anderen Seite gibt es mehr Ausbildungsstellen für einige Berufe als potentielle Bewerber hierfür.“

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Der Essener Arbeitsmarkt im Juni 2016

  • Arbeitslosenzahl: 34.436
  • Arbeitslosenzahl im Vormonatsvergleich: -100 oder -0,3%
  • Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: -530 oder -1,5%
  • Arbeitslosenquote (gegenüber Vormonat): 11,8% (unverändert)
  • Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen – SGB III: 1,8% (Vorjahr: 2,2%)
  • Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen – SGB II: 8,4% (Vorjahr: 8,9%)

[/su_pullquote]Sei es nun die Suche nach einer Lehrstelle oder nach einem Arbeitsplatz, eine Personengruppe hat auf dem Arbeitsmarkt einen besonders schweren Stand: alleinerziehende, junge Mütter (aber auch Väter) sowie Wiedereinsteiger nach der Elternzeit oder der Pflege von Familienangehörigen. Sie stellt der Arbeitsmarkt oft vor besondere Herausforderungen, allen voran die meist eingeschränkte zeitliche Flexibilität, Wir sprachen mit Inge Riße. Die Sozialwissenschaftlerin ist Beauftragte der Essener Arbeitsagentur, wenn es um Chancengleichheit am Arbeitsmarkt geht.

Frau Riße, Chancengleichheit am Arbeitsmarkt – ist das im 21. Jahrhundert überhaupt noch ein Thema?

Riße: Ein sehr wichtiges und wachsendes sogar. Sie dürfen meine Funktion jetzt nicht mit der einer Gleichstellungsbeauftragten zwischen Männern und Frauen verwechseln. Ich befasse mich mit sämtlichen Themen rund um die Chancengleichheit für Kundinnen und Kunden der Arbeitsagentur Essen. Ich halte regelmäßig Informationsveranstaltungen gezielt für Frauen – aber auch für Männer –, die nach der Familienzeit, sei es weil sie Kinder erzogen oder sich um zu pflegende Angehörige gekümmert haben, wieder den Berufseinstieg schaffen wollen. Das sind zwar über 90 Prozent Frauen, aber auch Männer sind natürlich herzlich eingeladen, zu uns zu kommen.

Worüber informieren Sie bei diesen Veranstaltungen konkret?

Riße: Ich informiere über Fördermöglichkeiten, Chancen und wie die Arbeitsagentur unterstüzten kann, um den Wiedereinstieg zu schaffen. Hinterher bekommen die Teilnehmer bei Interesse auch einen Arbeitsvermittler zugeteilt, der dann nochmal ganz konkrete Entscheidungen trifft – z. B. über Weiterbildungsmöglichkeiten. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, dass wir Arbeitgeberzuschüsse zahlen. Und ein ganz wichtiges Thema: die Teilzeitausbildung.

Bei der Arbeitsagentur Essen vor Ort informierte sich Redakteur Lars Riedel bei Inge Riße u. a. über die Möglichkeiten der Teilzeitausbildung. Foto: Christoph Bubbe
Bei der Arbeitsagentur Essen vor Ort informierte sich Redakteur Lars Riedel bei Inge Riße u. a. über die Möglichkeiten der Teilzeitausbildung. Foto: Christoph Bubbe

Für wen kommt eine Teilzeitausbildung denn überhaupt in Frage?

Riße: Meistens sind es junge Frauen, die eine Teilzeitausbildung absolvieren. Es können aber genauso gut junge Männer sein. In der Regel also junge Mütter bzw. Väter. Manchmal sind es aber auch Menschen, die Angehörige gepflegt haben oder die in ihrem ursprünglich erlernten Beruf nicht mehr arbeiten können. Auch hier ist eine Ausbildung in Teilzeit denkbar.

 

 

Tipps für den Wiedereinstieg in den Beruf

Erste Informationen, um den Wiedereinstieg zu unterstützen, erfahren Interessierte jeden ersten Mittwoch im Monat bei der Agentur für Arbeit Essen. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr und dauert ca. zwei bis zweieinhalb Stunden. Normalerweise findet sie in Raum 0.900 oder 0.910 im Erdgeschoß statt (Aushang beachten). Die nächsten Info-Veranstaltungen finden statt am: 6. Juli, 3. August und 7. September. Für telefonische Auskünfte steht Inge Riße am 13. Juli, 10. August und 12. Oktober jeweils von 8.30 bis 12 Uhr zur Verfügung. Telefondurchwahl: 181 66 00.

 

 

Auf der einen Seite wird unsere Gesellschaft immer älter und damit auch pflegebedürftiger. Auf der anderen scheint die Anzahl der jungen Mütter zuzunehmen. Demzufolge müsste es doch Teilzeitangebote en masse geben, oder?

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Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Essen

Im Juni waren in Essen 2.955 junge Menschen unter 25 Jahre arbeitslos gemeldet, 12 mehr als im Mai (+0,4%) und 276 weniger als vor einem Jahr (-8,5%). Mit 2.430 Personen entfällt das Gros auf das JobCenter (-6 zum Vormonat und -157 zum Vorjahresmonat). 525 junge Frauen und Männer wurden von der Agentur für Arbeit betreut, 18 mehr als im Mai aber 119 weniger als vor Jahresfrist.[/su_pullquote]Riße: Tatsächlich ist es nicht so. Bisher werden nur wenige Ausbildungen in Teilzeit abgeschlossen – etwa 0,2 Prozent der Ausbildungsverträge laut Angabe des Statistischen Bundesamts. Es ist also eine sehr geringe Anzahl. Wir hoffen aber, dass durch unsere Öffentlichkeitsarbeit mehr Ausbildungssuchende und auch mehr Arbeitgeber auf diese Möglichkeit hingewiesen werden.

Wie genau darf man sich denn eine Ausbildung in Teilzeit vorstellen?

Riße: Die Arbeitszeit in der Teilzeitausbildung muss mindestens 20 Stunden in der Woche betragen, inklusive der Berufsschule. Besser noch 25 Stunden oder mehr. Es gibt ja immer auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zu verkürzen oder zu verlängern. Wenn die Arbeitszeit halbiert wird, muss man fast schon damit rechnen, dass sich die Ausbildung verlängern wird. Bei 25 Stunden in der Woche ist das schon nicht mehr so zwingend. Wenn jemand entsprechend motiviert ist, einen guten Schulabschluss hat und die Voraussetzungen mitbringt, kann diese Person sogar noch verkürzen.

Familie und Beruf – diese Herausforderung ist ja nicht neu. Bemerken Sie da schon ein Umdenken bei den Arbeitgebern oder findet das noch viel zu wenig statt?

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Ausbildungsmarkt in Essen

Insgesamt haben sich seit Beginn des Berichtsjahres am 1. Oktober 2015 3.399 Bewerber/innen für Ausbildungsstellen bei der Berufsberatung in Essen gemeldet, 27 mehr als im Vorjahr. Davon sind aktuell bereits 2.185 mit einer Ausbildungsstelle, einem Studienplatz oder einer sonstigen Alternative versorgt. Als unversorgt gelten noch 1.214 Bewerber/innen, fünf weniger als im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt.

Demgegenüber wurden dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Essen insgesamt 3.077 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, 172 weniger als vor Jahresfrist. Hinzu kommen noch 220 außerbetriebliche Ausbildungsstellen (+ 31), so dass sich ein Gesamtangebot von 3.079 Ausbildungsstellen ergibt. Unbesetzt sind aktuell noch 1.100 Ausbildungsstellen, 224 weniger als im Juni 2015.[/su_pullquote]Riße: Ein Bewusstsein dafür ist schon bei immer mehr Arbeitgebern vorhanden. Aber wenn es um die tatsächliche Umsetzung im Betrieb, wenn es dann um Entscheidungen geht, um Geld und um Sicherheiten, die man abdecken möchte, dann haben junge Menschen mit Familienverantwortung doch noch das Nachsehen. Und häufig ist es immer noch so – gerade in puncto Ausbildung –, dass es den Müttern zum Nachteil ausgelegt wird, Kinder zu haben. Es gibt aber auch immer mehr Arbeitgeber, die als familienfreundliche Betriebe zertifiziert werden – und das unterstützen wir auch.

Nun ist die Teilzeitausbildung vor allem etwas für junge Menschen. Was ist mit denjenigen, die bereits eine abgeschlossene Ausbildung haben und nun – z. B. nach der Elternzeit – zurück ins Berufsleben wollen, nur vielleicht nicht in ihren alten Job?

Riße: Es ist möglich, noch eine zweite Ausbildung zu absolvieren, auch in Teilzeit. In der Regel würden wir das aber in Form einer Umschulung vorschlagen, weil das nochmal etwas schneller geht. Aber auch eine reguläre zweite Ausbildung ist möglich.

Ein Beitrag von Lars Riedel

 

Weitere Informationen:

Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt

Die Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt ist seit 1998 Leitlinie der Geschäftspolitik der Bundesagentur für Arbeit. Der Auftrag leitet sich aus zahlreichen gesetzlichen Regelungen sowie Vorgaben der Europäischen Union ab. Dieser gesetzliche Auftrag wird durch die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt unterstützt.

Aufgaben der Beauftragten für Chancengleichheit (BCA):

Die BCA repräsentiert die Agentur für Arbeit Essen in den übergeordneten Fragen der Frauenförderung, Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

  • Dazu berät und unterstützt sie Arbeitgeber/-innen, Arbeitnehmer/-innen sowie deren Organisationen zu diesem Thema.
  • Sie informiert über den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase und über die Situationen von Frauen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.
  • Die BCA arbeitet mit den kommunalen und öffentlichen Stellen, Kirchen, Unternehmen, Verbänden, Kammern, Vereinen und Netzwerken im Essen zusammen. Sie zeigt Benachteiligungen auf und hilft, die berufliche Situation von Frauen und Mädchen zu verbessern.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf:

Die Bundesagentur für Arbeit ist wiederholt für ihre vorbildliche auf Chancengleichheit von Frauen und Männern ausgerichtete Personalpolitik mit dem Zertifikat „Total E-quality“ ausgezeichnet worden.

Die Agentur für Arbeit Essen setzt selbst eine breite Palette flexibler Angebote um, damit die Beschäftigten Familie und Beruf vereinbaren können. Der Katalog der familienfreundlichen Strukturen reicht von flexiblen Arbeitszeitmodellen bis hin zum strukturierten Wiedereinsteiger/innen-Modell.

Damit auch weitere Betriebe von dieser erfolgreichen Personalpolitik profitieren können, informiert und berät die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt auch gerne Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen.

Quelle: Agentur für Arbeit Essen

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