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Mittwoch, 18. October 2017
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Die Frage der richtigen Entscheidung

Vor einigen Jahren manövrierte scih Martina Nierfeld selbts in ein Burnout. Heute hilft sie als Life- und Business-Coach Menschen, ihre eigene Life-Work-Balance zu finden. Foto: Christoph Bubbe

„Ich habe immer das getan, was ich zu diesem Zeitpunkt für richtig hielt. Deshalb ist mein Lebenslauf auch komplett bunt“, so reflektiert Martina Nierfeld ihr eigenes Leben. Und mit Reflexion kennt sich die gebürtige Essenerin aus. Nierfeld arbeitet als zertifizierte Business-, Stress- und Life-Coach. Doch auch sie musste lernen, dass sich nicht immer das als richtig herausstellt, was man akut für richtig hält. „Eine wichtige Lektion“, wie die charmante Lebenstrainerin selbst sagt. Eine Lektion, die sie allerdings geradewegs in einen Burnout führte. 2009 entschloss sich Nierfeld daher zu einem kompletten, beruflichen Cut – erneut eine Entscheidung, die sie für richtig hielt, die sich aber auch Stand heute als richtig erwiesen hat.

Das Berufsleben von Martina Nierfeld begann wie das von vielen anderen. Am Ende der Schullaufbahn stand die Entscheidung: Lehre und Geld verdienen oder Studium. Nierfeld entschied sich für die Ausbildung, erlernte und arbeitete in dem Beruf der Reiseverkehrskauffrau bis ihr Sohn zur Welt kam. Wieder zurück im Job bildete sie sich weiter zur Europasekretärin und arbeitete als Vorstandsassistentin bei der RAG. Es folgte die Anstellung bei einem weltmarktführenden Konzern der Brandschutzindustrie – und damit der Beginn eines kräftezehrenden Prozesses. „Mit dieser doppelten Belastung aus beruflicher Verantwortung und Familie begann ich, mich selber in ein Burnout zu manövrieren.“ Nierfeld verlor zunehmend an Gewicht, magerte runter auf 45 Kilo. „Hätte man mich gefragt, hätte ich gesagt: ‚Klar, es ist ein bisschen stressig zurzeit. Und natürlich habe ich gemerkt, dass ich auch schlanker geworden bin. Aber ansonsten alles gut.‘ Ich habe mich nicht wie in einem Burnout gefühlt. Dabei war ich längst echt fertig mit der Welt.“ Nierfeld verließ zunehmend die Kraft. „Mit zwei Einkaufstüten stellte sich mir schon die Frage, wie ich diese jetzt in die erste Etage tragen soll.“ Also ließ sie sich von mehreren Ärzten durchchecken. Im Uni-Klinikum Essen wurde schließlich – mehr durch Zufall, während einer OP – eine Blutarmut, eine sogenannte Anämie festgestellt. „Der Arzt sagte mir, dass ich vier bis fünf Wochen später umgekippt und nicht mehr aufgewacht wäre“, erinnert sich die heute 45-Jährige.

Der Schlüssel ist die Selbstreflexion

In dieser Situation traf Martina Nierfeld eine Entscheidung. Eine weitere berufliche Station hatte sie aus dem Ruhrgebiet in den Westerwald geführt. „Dort kannte ich kaum jemanden, ich war dort sehr einsam. Das kam noch hinzu, ich hatte im Westerwald kein wirkliches soziales Umfeld.“ Also zog sie die Reißleine, kündigte den Job und ging zurück nach Essen. Den so wiedergewonnenen Freiraum ließ sie aber alles andere als ungenutzt. „Ich hatte mich schon immer für die Psyche der Menschen interessiert.“ Auch aus ihrer eigenen Erfahrung heraus angetrieben hatte Nierfeld bereits im Westerwald mit einem Fernstudium zu Angst- und Panikstörungen und Stressmanagement begonnen. Nun entschloss sie sich, eine Ausbildung zum Anti-Stress- und Life-Coach zu machen. „Ich sagte mir: ‚Okay, bei dir selbst ist es gerade mal noch gut gegangen. Bei anderen ist das vielleicht nicht so.‘ Vor allem auf die ersten Anzeichen sollte man achten, bevor man ganz den Boden unter den Füßen verliert.“

Martina Nierfeld nimmt sich auch regelmäßig selbst Auszeiten vom Alltag – wie hier auf der Klangwoge. Denn jeder Mensch braucht auch Entspannungsphasen. Foto: Christoph Bubbe

Martina Nierfeld nimmt sich auch regelmäßig selbst Auszeiten vom Alltag – wie hier
auf der Klangwoge. Denn jeder Mensch braucht auch Entspannungsphasen. Foto: Christoph Bubbe

In dieser Ausbildung zum Life-Coach erkannte Martina Nierfeld vor allem eines: Arbeit und Privates lassen sich nicht trennen wie schwarz und weiß. „Das eine tangiert auch immer irgendwie das andere. Also habe ich noch eine zusätzliche Ausbildung zum Business-Coach angeschlossen und habe mich bei der IHK dazu auch zertifizieren lassen.“ Heute hilft Nierfeld anderen Menschen, zu sich selbst zu finden und sich selbst zu reflektieren. Bei einigen geht es dabei um die Lebenssituation im Allgemeinen, bei anderen um ganz konkrete Entscheidungsfindungen. Im Fokus steht dabei aber immer eine Frage, deren Antwort es herauszufinden gilt: Was brauchst du für dich? „Nehmen wir das ganz konkrete Beispiel eines Umzugs aus beruflichen Gründen. Da stellen sich viele Fragen: Wie wichtig ist dir das soziale Umfeld? Einige können mit einem Umzug ins Unbekannte gut leben, andere wiederum nicht. Wie wichtig ist dir finanzielle Sicherheit? Kannst du beruflichen Ortswechsel auch ablehnen? Hängt davon wirklich dein Job ab? Und welche Alternativen gibt es? Dabei schaue ich mir sehr genau die Persönlichkeit meines Klienten und die derzeitige Situation an, in der er sich befindet. Wo will er genau hin? Was bremst ihn eventuell aus, was hemmt ihn?“

„Wenn man erfolgreich sein will, braucht man einen klaren Geist.“

Achtsamkeit für sich selbst und Entspannungsphasen, die jeder Mensch braucht – alles Dinge, die Martina Nierfeld selbst vor einigen Jahren aus den Augen verloren hatte und für die sie nun durch ihre eigene Erfahrung und durch ihre Ausbildung sensibilisiert ist. Heute hilft sie anderen dabei, genau darauf zu achten. „Wer beruflich und privat erfolgreich sein will, der braucht einen klaren Geist. Nur mit einem klaren Geist und einem reflektierten Blick auf sich selbst trifft man letztlich auch die richtigen Entscheidungen. Denn ob eine Entscheidung, ein Weg richtig ist oder nicht, das ist so individuell wie man selbst.“

Ein Beitrag von Lars Riedel

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