Nach Petra Hinz-Rücktritt: Was jetzt geklärt werden muss!

Stellen Sie sich vor: Sie sind einem Trickbetrüger auf den Leim gegangen. Worüber werden Sie sich mehr ärgern? Über den Schaden oder möglicherweise über Ihre eigene Naivität, von so jemandem übers Ohr gehauen worden zu sein?

So in etwa lässt sich nicht nur die augenblickliche Gefühlslage vieler Essener Sozialdemokraten, sondern auch zahlreicher Wähler beschreiben, die einst Petra Hinz den Weg in den Bundestag ebneten. „Es fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube“, beschrieb mir ein langjähriges SPD-Mitglied ihre Empfindungen kurz nach der Veröffentlichung. Ginge es nur um die Befindlichkeit in der Körpermitte, dann wäre spätestens mit dem Rücktritt und der Niederlegung ihres Bundestagsmandats die Geschichte erzählt und fertig. Was allerdings noch nicht beantwortet wurde ist die Frage, wer alles von dieser Hochstaplerei der Petra Hinz wusste. Unsere bisherigen Recherchen lassen schon jetzt Schlimmeres erahnen. Ist die SPD in Essen über die Jahre zu einem Laden der schmutzigen Abhängigkeiten verkommen? Wussten politische Weggefährten von der Lebenslüge und nutzten es in entscheidenden Momenten für ihre eigenen Karriereziele?

Wer sich diese Fragen stellt, muss tief eintauchen in die Herzkammer der Essener Sozialdemokratie, um zu verstehen, wie sie tickt. Gerade dann, wenn es um Mehrheiten, Zweckbündnisse und Karrieren geht. Petra Hinz und ihr politischer Ziehvater Otto Reschke spielten hier in all den Jahren eine wichtige Rolle. Sie besaßen eine Hausmacht. Waren auf Parteitagen gut für 30- bis 40-Prozent der Delegiertenstimmen. Wer an einer parteiinternen Mehrheit basteln wollte, kam daran kaum vorbei. Die Lebenslüge – sie bekam mit dem Aufstieg in den Bundestag neues Gewicht. War es ein Aufstieg zum Preis der Abhängigkeit? Was heute feststeht: Petra Hinz war erpressbar. Wurde sie erpresst? Vieles lässt sich jetzt mit anderen Augen betrachten. Und gerade als SPD Mitglied kann es nur ein Ziel geben: Glaubwürdigkeit zurückgewinnen! Der Verdacht, dass letztlich solche Abhängigkeiten über politische Karrieren in Essen entschieden haben, wiegt schwer und muss schnell aufgeklärt werden. Auch wenn die Wahrheit weh tut. Sonst leidet letztlich nicht nur die SPD, es leidet die Demokratie.

 

Ein Kommentar von Jöran Steinsiek

Feedback an: joeran.steinsiek (at) informer-magazine.de

 

 

 

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