Recht in Ordnung

Fabian Schrumpf, ordnungs- und personalpolitischer Sprecher der Essener CDU-Ratsfraktion. Foto: Archiv
Fabian Schrumpf, ordnungs- und personalpolitischer Sprecher der Essener CDU-Ratsfraktion. Foto: Archiv

Die Verbindung zwischen einer juristischen Vita und der Politik mag seit dem Fall der Essener Bundestagsabgeordneten Petra Hinz  Federn der Glaubwürdigkeit gelassen haben, ist – so bleibt zumindest zu hoffen – aber nur ein Einzelfall. Dass sich das umfangreiche Studium der Rechtswissenschaften bzw. die anschließende Tätigkeit als Jurist, das Familienleben und die Politik durchaus unter einen Hut bringen lassen, zeigt ein anderer Essener. Fabian Schrumpf: 33 Jahre, verheiratet und Familienvater, zugelassener Rechtsanwalt und seit 2012 im Rat der Stadt Essen.

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Vita Fabian Schrumpf (CDU)
  • geboren am 05.10.1982 in Duisburg, verheiratet, eine gemeinsame Tochter (*25.12.2014)
  • 2002 Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium, Essen-Kettwig
  • 2002–2003 Wehrdienst (6. Feldjägerbataillon 452)
  • 2003–2008 Studium der Rechtswissenschaften (Heinrich Heine Universität, Düsseldorf), 1. Juristisches Staatsexamen
  • 2009–2011 Referendariat beim Landgericht Essen, 2. Juristisches Staatsexamen seit April
  • 2011 Zulassung als Rechtsanwalt, tätig bei ebl esch&kramer rechtsanwälte
  • 2004–2011 Mitglied der BV IX; während dieser Zeit: Kreisvorsitzender der Jungen Union Essen, Sachkundiger Bürger im Jugendhilfeausschuss, Beisitzer im Landesvorstand der Jungen Union NRW seit 2011 Ortsvorsitzender der CDU Heisingen
  • seit 2012 im Rat der Stadt Essen; ordnungs- und personalpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion
  • seit 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats der EVV Verwertungs- und Betriebs GmbH
  • seit 2015 Stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Essen
  • seit 2015 Stellvertretendes Mitglied des Verwaltungsrats der Sparkasse Essen

[/su_pullquote]Seine Vita sei nachprüfbar, sagt Schrumpf in unserem Gespräch mit einem Schmunzeln. Abitur in Kettwig, Jurastudium in Düsseldorf, Referendariat am LG Essen, 1. und 2. Staatsexamen. Schon gegen Ende seines Studiums und auch während seiner Referendariatszeit war Schrumpf nebenher als juristischer Mitarbeiter in einer Kanzlei tätig; der Kanzlei, der er mit seiner Zulassung als Rechtsanwalt beitrat und für die er bis heute als solcher tätig ist. Daran hat sich auch nichts geändert, als er 2012 für Ute Baukelmann, die berufsbedingt ihr Mandat zurückgeben musste,  in den Stadtrat nachrückte. „Die politische Arbeit auf kommunaler Ebene macht man nicht des Geldes wegen. Es ist ein Ehrenamt“, betont Schrumpf noch einmal. Aber wie – und vor allem warum – ist er dann ins ‚Polit-Geschäft‘ gekommen?

„Ich gehe Dinge strukturiert an.“

Schrumpfs politischer Werdegang nahm seinen Anfang am Theodor-Heuss-Gymnasium in Kettwig. Damals begannen viele Mitschüler, sich für Politik zu interessieren. „Einige von ihnen gingen zur SPD“, erinnert sich der heute 33-Jährige, dessen Interesse, sich politisch zu engagieren, auch geweckt war. „Mit den Ideen der Sozialdemokraten konnte ich mich allerdings nicht so recht identifizieren, mit denen der Christdemokraten schon.“ Schrumpf trat der Jungen Union in Kettwig bei. Oder besser gesagt: Er belebte sie wieder. „In der Kettwiger JU war damals nicht wirklich viel los.“

Von da an ging der Jurist seinen politischen Weg durch die Essener CDU bis hin zum stellvertretenden Vorsitzenden der Essener CDU und zum ordnungs- und personalpolitischen Sprecher der Essener CDU-Ratsfraktion. Aber auch privat ging es weiter. Im August 2014 heiratete er seine Frau Christina. Noch im selben Jahr kam Töchterchen Marlene zur Welt. Familie, Politik, Juristerei – wie er das alles gemanagt bekommt, darauf hat Schrumpf eine ganz einfache Antwort: „Eine gute Selbstorganisation. Ich gehe Dinge strukturiert an.“

Für die Landtagswahl hat sich der Jurist ein weiteres Ziel gesetzt: Er hat sich um die CDU-Landtagskandidatur im Essener Süden beworben. Die Entscheidung dazu fällt am 10. September. Sollte er dann 2017 ins Landesparlament einziehen, wäre Schrumpf damit Berufspolitiker. Dann würde die Arbeit in der Kanzlei zum ‚Nebenjob‘. „So ganz aufhören möchte ich nicht. Natürlich ist das Landtagsmandat eine große Verantwortung und kommt an erster Stelle. Aber ich möchte auch den Anschluss in meinem Beruf halten. Wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Politik ist mir wichtig.“ Dass manch anderer sich von Anfang an voll auf das Berufsbild ‚Politiker‘ fokussiert: für Schrumpf nicht nachvollziehbar. „Natürlich gibt es reine Parteikarrieren. Aber das entspricht nicht meinen Vorstellungen. Ich finde es wichtig, dass man zur Politik auch nichtpolitische Erfahrungen mitbringt.“

„Eine Statistik allein bringt nicht mehr Sicherheit.“

Seine juristischen Erfahrungen kann der Politiker gerade derzeit gut gebrauchen. „Statistisch betrachtet ist Essen einer der sichersten Großstädte“, sagt Schrumpf in seiner Funktion als ordnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Doch: „Eine Statistik beruhigt nicht, wenn man Angst hat.“ In Essen herrsche ein „diffuses Unsicherheitsgefühl“. Verwahrloste Wege, vermüllte Parks nach Grill-Aktionen, die Trinkerszene am Eingang zur Stadt, das offene Dealen am Rheinischen Platz, Auto- und Wohnungseinbrüche – „Und Vorfälle wie der Anschlag auf den Sikh-Tempel oder die gewaltätigen Auseinandersetzungen der Kurdisch-Libanesischen-Clans tun ihr Übriges dazu. Es enststeht das Gefühl, es kümmere sich keiner, und der Eindruck, Essen verkommt.“

Um der steigenden Zahl der Einbrüche Herr zu werden, müsse man – neben mehr Polizei und verstärkter grenzüberschreitender Ermittlung – den Fokus auch auf präventive Sicherheitsaspekte legen. „Das fängt schon beim Planen von neuen Gebäuden und der Gestaltung von Bauflächen an. Wenn z. B. eine dichte Baumreihe direkt am Haus steht, kann das zwar schön aussehen, bietet aber auch Einbrechern eine gute Deckung.“ Ganz wichtig sei vor allem aber auch, die Aufmerksamkeit unter den Bürgern zu sensibilisieren – z. B. durch Nachbarschaftsfeste.

Für Fabian Schrumpf ist die Akte "Alkoholverbot auf dem Willy-Brandt-Platz" noch nicht vom Tisch. Foto: Lars Riedel
Für Fabian Schrumpf ist die Akte „Alkoholverbot auf dem Willy-Brandt-Platz“ noch nicht vom Tisch. Foto: Lars Riedel

Diffiziler – nicht zuletzt auch wegen der rechtlichen Durchsetzbarkeit  eines Alkoholverbots – wird es da schon im Umgang mit der Trinkerszene. „Für mich ist die Akte ‚Alkoholverbot am Willy-Brandt-Platz‘ nach wie vor auf dem Tisch“, sagt Schrumpf. „Wir sind keine Verbotspartei. Und ein Verbot kann auch immer nur das letzte Mittel sein, wenn nichts anderes mehr hilft.“ Doch selbst wenn es ein Alkoholverbot gäbe, wer sollte dieses auch umsetzen? „Der Rat beschließt. Die Umsetzung obliegt der Verwaltung. In diesem Fall, wie auch bei anderen Kontrollen, dem kommunalen Ordnungsdienst.“ Und genau hier liegt für Schrumpf eines der größten Defizite: „Wir haben nur zwölf Stellen im Ordnungsdienst. Davon sind derzeit nur elf besetzt und immer zwei für den Innendienst vorgesehen. Wenn Sie jetzt zwei Mitarbeiter zur Durchsetzung in der Innenstadt fest postieren, bleiben noch sieben für das restliche Stadtgebiet. Zum Vergleich: In Düsseldorf zählt der Ordnungsdienst annähernd 100 Mitarbeiter.“ Nun ist die Haushaltslage der Rheinstadt auch eine andere, das ist natürlich auch Fabian Schrumpf bewusst. Aber geschehen müsse etwas: „Wenn wir durch Sicherheitsmaßnahmen, etwa bei dem Einsatz eines zusätzlichen Blitz-Fahrzeugs, Einnahmen haben, erwarte ich, dass diese auch eins zu eins wieder in die Sicherheit fließen. Und zwar in die Doppelstreifen von Polizei und Ordnungsdienst.“ Der kommunale Ordnungsdienst müsse mehr personelle Präsenz zeigen, um Ordnungsdelikte zu ahnden und zu vermeiden, aber auch einfach um gesehen zu werden, damit das Sicherheitsempfinden der Bürger in Essen wieder wächst. Denn, da ist sich Schrumpf sicher: „Wir haben Probleme in Essen – aber keine unlösbaren.“

Ein Beitrag von Lars Riedel

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