Raus aus dem Schatten, hin zum Erfolg! Die wahren Helden des Essener Sports (v.l.): Benni Hüsken (Deutscher Meister & Europa-Cup-Sieger), Isabelle Härle (Europa- und Weltmeisterin) und Moritz Hirschberg (Aufsteiger). Foto: Christoph Bubbe + SG Essen
Raus aus dem Schatten, hin zum Erfolg! Die wahren Helden des Essener Sports (v.l.): Benni Hüsken (Deutscher Meister & Europa-Cup-Sieger), Isabelle Härle (Europa- und Weltmeisterin) und Moritz Hirschberg (Aufsteiger). Foto: Christoph Bubbe + SG Essen

König Fußball mag in Essen die Herzen regieren und die Gespräche dominieren. Sie hingegen beherrschen den Wettkampf um Titel und Erfolge: die ‚Hidden Champions‘ des Essener Sports. Aufsteiger, Deutsche Meister, Europa- und Weltmeister – alle lassen sich in der Sportszene unserer Ruhrmetropole finden. Vorausgesetzt man schaut genau hin. Denn in einem Kampf sind die Leistungsträger aus Leidenschaft dann doch oft unterlegen: im Kampf um Sponsoren. Ein Beitrag von Lars Riedel.

Europameister, Weltmeister, Pokalsieger, Bundesligisten und Aufsteiger – nein, es geht ausnahmsweise einmal nicht um der Deutschen Nationalsport Nummer 1, es geht nicht um Fußball. Und schon gar nicht um Fußball aus Essen. Während die Damen der SGS Essen sehr gut in der 1. Bundesliga mithalten (Stand zum Redaktionsschluss: 3. Tabellenplatz), pflügt sich Rot-Weiss Essen noch immer durchs Mittelfeld der Regionalliga West. Nein, wenn es um Leistungsträger des Sports und Titel made in Essen geht, muss man sich in anderen Sportarten umsehen. Denn es gibt sie in unserer Ruhrmetropole, die ‚Hidden Champions‘ ihres Sports. So wie Isabelle Härle.

Die 28-jährige Schwimmerin springt für die SG Essen ins Becken – allerdings nur zum Training. Im Wettbewerb sind die 5 und 10 Kilometer im Freiwasser ihre Distanz. Zwar fehlten in diesem Jahr an der Copacabana über 10 km knapp 30 Sekunden zum olympischen Edelmetall, dafür holte sie aber über die 5-km-Distanz 2014 die Europameisterschaft. Ein Jahr später folgte in Kasan der WM-Titel.

Viel und harte Arbeit

Warum Schwimm-Weltmeisterin Isabelle Härle von der SG Essen den Vereinssport trotzdem nicht missen möchte.

Isabelle Härle schwimmt für die SG Essen. Die 28-Jährige holte Gold bei der Europameisterschaft 2014 und WM-Gold 2015. Nur das olympische Edelmetall verpasste sie um knappe 30 Sekunden. Foto: SG Essen
Isabelle Härle schwimmt für die SG Essen. Die 28-Jährige holte Gold bei der Europameisterschaft 2014 und WM-Gold 2015. Nur das olympische Edelmetall verpasste sie um knappe 30 Sekunden. Foto: SG Essen

Isabelle, hast Du selbst damit gerechnet, irgendwann einmal solche große Titel im Schwimmen abzuräumen?

Ich habe mit sechs Jahren – ja, ich war ein bisschen spät dran – einen Schwimmkurs gemacht. Dass ich selber irgendwann mal einen EM- oder WM-Titel mit nach Hause bringe, war so überhaupt nicht geplant. Meine Eltern wollten eigentlich nur, dass ich mich über Wasser halten kann.

Wie war es dann für Dich, tatsächlich auf dem Siegertreppchen zu stehen?

Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Wir trainieren so viel und so hart. Und wenn dann eine Goldmedaille dabei rausspringt, ist das das Tollste, was passieren kann.

Jenseits der Wettkämpfe, wie sieht Dein sportlicher Alltag aus? Bist Du auch im Training mit Begeisterung dabei?

Schwimmen ist schon öfter mal ein bisschen langweilig. Aber ich mache das von klein auf und immer noch gerne. Man kann dabei teilweise für zwei Stunden mal den Kopf ausschalten. Wir haben zehnmal Wassertraining pro Woche. Morgens zwei Stunden, abends eine. Dazu kommen anderthalb Stunden Kraft- und danach noch einmal zwei Stunden Landtraining. Im Endeffekt sind wir also zwischen 25 und 30 Stunden nur mit Sport beschäftigt.

Abgesehen von den Titeln, was war der beste Moment bisher in Deiner Sportlerkarriere?

Dass ich mich für die olympischen Spiele qualifiziert habe. Daran teilzunehmen, war für mich der größte Traum.

Warum hast Du Dich eigentlich fürs Schwimmen als Leistungssport entschieden?

Wirklich entschieden fürs Schwimmen, ist ein bisschen übertrieben. Ich bin in einem kleinen Verein groß geworden. Ich wusste nicht, wieviel man dafür trainieren muss und was alles dahinter steckt. Angefangen mit dem Schwimmkurs, haben wir ein-, zwei-, dann drei- und viermal die Woche trainiert. Die Begeisterung kam erst so nach und nach. Dadurch dass ich auch immer irgendwie eine Medaille gewonnen habe, habe ich mir danach immer ein größeres Ziel gesetzt. Und so hat sich das entwickelt.

Isabelle Härles Sportlerkarriere begann mit einem Schwimmkurs im Alter von sechs Jahren. Foto: SG Essen
Isabelle Härles Sportlerkarriere begann mit einem Schwimmkurs im Alter von sechs Jahren. Foto: SG Essen

Wie ist es um die Förderung im Essener Schwimmsport bestellt?

Die Förderung, gerade in der SG Essen, ist super. Wir haben viele junge Talente. Wenn sie dabei bleiben und ordentlich trainieren, dann sieht es bei uns gar nicht schlecht aus. Sie müssen sich natürlich damit abfinden, dass sie keine Fußballer sind und Millionen verdienen werden und trotzdem für den Sport hart arbeiten müssen. Aber wenn ihnen das alles so bewusst ist, dann können sie es auch bis nach ganz oben schaffen.

Und beim Sponsoring? Es heißt ja so schön: Ohne Moos nix los.

Grundsätzlich würde ich sagen, mit Sponsoring tun sich alle Vereine und Verbände außerhalb vom Fußball sehr schwer. Das ist bei uns auch nicht anders. Wir freuen uns über jeden Sponsor, den wir kriegen, weil wir doch eine relativ große Mannschaft hier in Essen sind. Wenn wir mit 50 Mann für eine Woche z. B. zu den Deutschen Meisterschaften nach Berlin fahren, kostet das natürlich wahnsinnig viel Geld.

Welcher Stellenwert kommt aus Deiner Sicht dem Vereinssport gesellschaftlich zu?

Man muss sich schon klar darüber sein: Wenn man auf Leistungsniveau schwimmt, muss man echt viel dafür machen. Aber ich habe für mich durch den Sport auch sehr viel mitgenommen. Gefühlt würde ich sagen, ich war schon überall auf der Welt. Wir haben tolle Trainingslager gemacht, wir haben viele neue Leute kennengelernt. Das möchte ich nicht missen. Es gibt nichts besseres, als nebenher in einem Verein Sport zu treiben. Erstens bleibt man fit und zweitens tut es uns allen gut, was soziale Kompetenzen angeht.

 

Randsport im Rampenlicht

Es gibt Sportarten, von denen viele gar nicht wissen, dass sie in Essen gespielt werden – und zwar erfolgreich!

 

Benni Hüsken stürmt für die SHC Rockets Essen. Die Rockets holten allein in den vergangenen zwei Jahren sechs nationale und internationale Titel im Skaterhockey. Foto: Christoph Bubbe
Benni Hüsken stürmt für die SHC Rockets Essen. Die Rockets holten allein in den vergangenen zwei Jahren sechs nationale und internationale Titel im Skaterhockey. Foto: Christoph Bubbe

Der Deutsche Meister siegt auch in Europa

Im Gespräch mit dem Skaterhockey-Club Rockets Essen

Es begann 1985: Ein paar Jungs wollen Hockey spielen – auf Rollschuhen. Damit sie das auf dem Schulhof des Maria-Wächtler-Gymnasiums auch dürfen, gründen sie eine Interessengemeinschaft. Thomas Böttcher war einer dieser Jungs. Die Rollschuhe wurden mit der Zeit gegen Inline-Skates getauscht und aus der Gemeinschaft wurde ein Verein – der wahrscheinlich erfolgreichste in Essen: 1. Bundesliga und drei deutsche sowie drei internationale Titel in zwei Jahren. Böttcher mischt in der ersten Mannschaft nicht mehr auf der Rollbahn mit, wohl aber als 1. Vorsitzender der SHC Rocktes Essen. Und die blasen mächtig zur Attacke, trainiert vom deutsch-kanadischen Eishockey-Trainer des Herner EV, Frank-Petrozza.  

Frank, Du als professioneller Trainer, was zeichnet die Rockets als Verein aus?

Frank Petrozza, von Berufs wegen Eishockey-Trainer des Herner EV, trainiert ehrenamtlich auch die SHC Rockets aus Essen. Foto: Christoph Bubbe
Frank Petrozza, von Berufs wegen Eishockey-Trainer des Herner EV, trainiert ehrenamtlich auch die SHC Rockets aus Essen. Foto: Christoph Bubbe

Frank: Es ist ein Verein mit familiärer Atmosphäre. Und das ist sehr wichtig. Alle bei uns machen das, was sie tun ehrenamtlich und aus Spaß an der Sache. Dafür, dass wir sportlich dennoch so erfolgreich sind, zolle ich allen Beteiligten Respekt.

Wie wichtig ist dennoch der sportliche Erfolg?

Frank: Sehr wichtig. Ich bin zu 100 % bei der Sache. Wenn ich nicht gewinnen will, ist es besser, ich bleibe Zuhause. Die Jungs arbeiten hart in der Halle und müssen viel trainieren, zweimal in der Woche. Die haben es auch nicht einfach. Aber sie machen es gern. Und als Trainer bin ich nichts besseres, sondern Teil der Mannschaft. Und die will für ihre harte Arbeit natürlich belohnt werden. Das entspricht auch meinem Charakter als Trainer: Die Wining-Attitude. Wir trainieren hart, wir spielen konzentriert – und danach können wir zusammen Spaß haben. Wir sind eine Familie. Und eine Familie bleibt zusammen, kämpft zusammen und weint auch manchmal zusammen. Und wenn es keinen Grund zum Weinen gibt, haben wir zusammen Spaß.

Thomas Böttcher legte 1985 den Grundstein für den Skaterhockey-Club Rockets. Bis heute ist er der 1. Vorsitzende des Vereins. Foto: Christoph Bubbe
Thomas Böttcher legte 1985 den Grundstein für den Skaterhockey-Club Rockets. Bis heute ist er der 1. Vorsitzende des Vereins. Foto: Christoph Bubbe

Thomas: Das ist es auch, was die Rockets eben auszeichnet: dieses Familiäre.  Bei uns bekommt keiner Geld. Alle kommen da hin, weil es Bock macht und sich alle untereinander super verstehen. Zum Teil spielen unsere Jungs schon 15 Jahre bei uns.

Im Gegensatz zum Eishockey, ist Skaterhockey definitiv eine Randsportart. Frank, wie viele Zuschauer kommen in die Eissporthalle? Thomas, wie viele zu den Spielen der Rockets?

Frank: Beim HEV waren es im letzten Jahr so dreizehnhundert pro Spiel.

Thomas: Bei uns sind es so im Schnitt 250 bis 300.

Frank: Das macht aber keinen Unterschied. Natürlich würde ich gerne ein paar Leute mehr in der Halle sehen. Aber auch so ist die Stimmung bombig.

Apropos Halle: Wo spielt Ihr eigentlich heute? Bestimmt nicht mehr am Maria-Wächtler-Gymnasium?

Thomas: Das ist ja etwas, womit viele Vereine zu kämpfen haben, die eben keinen ‚klassischen‘ Sport wie z. B. Fußball ausüben: die Frage, wo können wir spielen? Sie bekommen nicht mal eben ein neues Stadion gebaut oder einen mit Kunstrasen sanierten Platz. Als Rockets haben wir jahrelang in weniger geeigneten Mehrzwecksporthallen trainiert und gespielt. Aber auch anderen Vereinen geht es da nicht anders. Sie müssen zum Teil auch sehen, wo sie ganz wörtlich genommen bleiben. Klar ist mir natürlich auch bewusst, dass nicht jeder Verein und nicht jede Sportart ihre eigene Spielstätte bekommen kann. Daher bin ich auch der Stadt Essen dankbar, dass wir 2005 tatsächlich eine Halle an der Raumerstraße in Frohnhausen bekommen haben – eine nackte Halle, ohne Isolierung, ohne geeigneten Boden, ohne Umkleiden und so weiter. Und da sind wir wieder bei dem, was unser Vereinsleben ausmacht: der familiäre Zusammenhalt. Wir haben alles in Eigenregie übernommen. Jeder hat mit angepackt. Selbt jetzt noch, wenn ich sage, ich brauche 20 Leute, die nach einem Spiel die Halle aufräumen und Ordnung schaffen, dann weiß ich, am Tag darauf sind 20 Leute da.

[su_pullquote align=“right“]

Comment-SteinsiekWenn‘s um Leistung geht

Ein Kommentar von Jöran Steinsiek

Es gab Zeiten, da war selbst der Aufstieg von Rot-Weiss Essen in die Bundesliga schon so gut wie beschlossene Sache – zumindest auf dem Papier. Und niemand geringeres als die Stadt Essen wollte in einem subventionierten fünf Jahresplan den sportlichen Erfolg organisieren. Wie es gelaufen ist, brauche ich hier nicht erwähnen. Nur soviel: RWE ist nach wie vor nur Mittelmaß in Liga 4. Umso beeindruckender ist das, was sich in vielen anderen Sportarten in Essen in der letzten Zeit getan hat. Deutsche Meister, Europa- oder Weltmeister – Essen hat auch sportlich viel Prominenz zu bieten. Anders als im Fußball winken hier aber meist nicht die Geldscheine. Und während ein Fußballer selten über vier Trainingseinheiten die Woche kommt, bringen nicht wenige Athleten in den sogenannten Randsportarten Höchstleistungen. Leider häufig ohne die Unterstützung, die sie eigentlich verdienen. Nicht selten bringen sie neben einem Haufen von privaten Entbehrungen auch noch eigenes Geld mit. Und gerade dort, wo keine Kohle ist, sollte wenigstens eines nicht fehlen: Anerkennung![/su_pullquote]Gibt es eine Wechselwirkung zwischen den Essner Rockets und dem Herner EV?

Frank: Ein paar vom Herner-Eishockey-Nachwuchs haben bei den Rockets angefangen. Andersherum spielen auch ein paar der Eishockey-Spieler vom HEV bei den Rockets. Und für mich ist das klasse, da ich so auch mit den Spielern zusammen sein kann, wenn der Eishockey-Betrieb in die Saisonpause geht.

Nachwuchs ist ein gutes Stichwort. Wie sieht es da bei den Rockets aus?

Thomas: Generell wird es immer schwieriger für alle Vereine, den Nachwuchs für ihren Sport zu begeistern. Und gerade die Basisarbeit mit den ganz jungen Kindern ist sehr zeitaufwendig. Dennoch ist die Nachwuchsarbeit natürlich sehr wichtig. Wir sprechen mit den Schulen und fahren sie ab, um unseren Sport vorzustellen und den Kids näher zu bringen. In unserer Laufschule sind fast 40 Kinder ab vier Jahren. Übrigens ist auch Frankie über den Nachwuchs zu uns gekommen. Sein Sohn hat in einer unserer Juniorenmannschaften begonnen und Frankie hat sie trainiert – bis ich ihn fragte, ob er sich nicht vorstellen könnte, unser Bundesliga-Team zu trainieren.

Frank: Es ist so wichtig gerade für Kinder, in einem Sportverein aktiv zu sein. Mit dem Sport lernt man Disziplin. Und man lernt auch zu verlieren. (lacht) Schöner ist natürlich das Gewinnen.

In der Bundesliga klappt das ja auch. Die Herrenmannschaft ist ziemlich erfolgreich unterwegs.

Frank: Das erste Jahr war allerdings ein Lehrjahr für mich. Da haben wir gar nichts gewonnen. Dennoch: In diesem Jahr habe ich selbst viel gelernt. Dann kamen die ersten Siege, die ersten Titel. Und jetzt sind wir amtierender Deutscher Meister.

Thomas: Es waren insgesamt sechs Titel in den vergangenen zwei Jahren: erstmalig die Deutsche Meisterschaft, zweimal holten wir den Deutschen Pokal, einmal den Europapokal der Landesmeister und zweimal den Europa-Cup der Pokalsieger. Damit dürften die Rockets Essens sportlich erfolgreichster Verein sein. Und wenn Ende Oktober die deutsche Nationalmannschaft zur EM als Titelverteidiger nach Kroation fährt, sind auch zwei unserer Spieler im Aufgebot. Wir haben auch einen Junioren-Nationalspieler in unseren Reihen. Mit unserem Nachwuchs und der Tatsache, dass unsere Spieler in Herrenbundesliga im Schnitt erst 23, 24 Jahre alt sind, sind wir ein Team mit Perspektiven.

Sehen das die Sponsoren denn auch so?

Thomas: Wir sind froh, dass wir mit der Wohnbau eG einen wirklich tollen Hauptsponsor gefunden haben. Dennoch ist es jedes Jahr aufs Neue schwer, Sponsoren zu finden. Wer in Essen an Sportsponsoring denkt, denkt häufig primär an Rot-Weiss. RWE ist der größte Sportverein und es ist Fußball. Aber auch wir haben fast 400 Mitglieder. Wir haben sportlichen Erfolg. Und wir spielen deutschland- und europaweit. Wir haben einen Etat von 36 bis 38.ooo Euro pro Jahr. Um den müssen wir jedes Jahr echt kämpfen. Und wie schon gesagt, unsere Spieler bekommen von uns kein Geld. Allein die Auswärtsfahrten hingegen schlagen richtig zu Buche. Wir müssen nicht mal eben ums Eck, wir fahren quer durch die Republik und weiter. Der Europa-Cup der Landesmeister im August hat z. B. in Lugano in der Schweiz stattgefunden. Ich bin ganz ehrlich: Natürlich bin ich von unserem sportlichen Erfolg begeister. Aber wenn wir unseren Etat einmal nicht zusammenbekommen sollten, werden wir in dem Jahr nicht in der 1. Bundesliga spielen. Dieses finanzielle Risiko gehe ich nicht ein. Aber ich habe auch den Ehrgeiz, es nicht dazu kommen zu lassen. Bisher hat es geklappt und ich werde auch für die nächste Saison wieder die Ärmel hochkrempeln und Klinken putzen.

 

Stürmer Benni Hüsken (Foto: Christoph Bubbe)
Stürmer Benni Hüsken (Foto: Christoph Bubbe)

Fünf Fragen an Rockets-Stürmer Benni Hüsken

Wie kamst Du zum Skaterhockey?

Mit 10 Jahren war ich begeisterter Fan der Revier Löwen Oberhausen (Anm. d. Red.: damals noch DEL/Eishockey). Da Oberhausen keine Nachwuchsarbeit bzw. eine Eishalle in der Umgebung hatte, spielte ich Skaterhockey. Nachdem aber etliche Autospiegel auf Supermarktplätzen zu Bruch gingen, wechselte ich zu einem Oberhausener Verein. Nach ein paar Jahren dann zu den Rockets Essen, dank Thomas Böttcher.

Hast Du selbst damit gerechnet, irgendwann mal so erfolgreich diesen Sport auszuüben?

Ich hatte natürlich Träume und habe sehr hart trainiert, um diese mal zu erreichen. Aber dass ich mit 26 Jahren alle möglichen Titel in dieser Sportart inkl. Sportler des Jahres in Essen 2014 erreichen durfte, ist schon ganz angenehm. Zurücklehen und genießen ist aber nicht so meins, weiter geht’s!  

Was macht in Deinen Augen das Skater-Hockey zu einem besonderen Sport?

Im Vergleich zum Eishockey haben wir beim Skaterhockey kleinere Spielflächen. Dadurch wird das Spiel sehr schnell und es ergeben sich natürlich mehr Torchancen. Das Körperspiel kommt wie beim Eishockey dabei auch nicht zu kurz. Für den Zuschauer einfach sehr attraktiv mit großer Spannung anzuschauen. Skaterhockey ist eine sehr beeindruckende Sportart, hier wird von Kopf bis Fuß alles abverlangt. Es ist schwer, das alles wiederzugeben, besser wäre: Einfach mal vorbeikommen und sich überzeugen lassen.

Welches Trainingspensum steckt dahinter?

In den letzten Jahren bin ich eigentlich täglich aktiv, ob Training mit der Mannschaft oder beim Gewichte stemmen im Fitness-Studio. Ohne die Grundlagen Ausdauer und Kraft wird man beim Skaterhockey auf diesem sehr hohen Niveau nicht erfolgreich sein.   

Was sind Deine persönlichen Ziele, was willst Du sportlich noch erreichen?

Ich möchte noch gerne ein paar Jahre ganz oben spielen und das Beste mit meiner Mannschaft herausholen. Außerdem will ich die SHC Rockets zu einer noch bekannteren Sportgröße machen, da wir unbedingt noch Unterstützung im Sponsoring benötigen, um weiterhin die Sportstadt Essen so gut präsentieren zu können.

 

Moritz Hirschberg ist in der letzten Saison mit dem GRC Essen aufgestiegen. Foto: Christoph Bubbe
Moritz Hirschberg ist in der letzten Saison mit dem GRC Essen aufgestiegen. Foto: Christoph Bubbe

Die Aufsteiger

Der Grashof Rugbyclub: In neun Jahren von der Schul-AG in die 2. Liga

Ein ambitionierter Sportlehrer mit einem Faible für Rugby und eine Gruppe Schüler: Das waren 2007 die Anfänge des GRC. Das Grashof Gymnasium trägt man mittlerweile nur noch aus ideellen Gründen im Namen. Die Affinität der Essener zum Rugby wuchs. Und auch die hier Lebenden aus anderen Ländern, in denen das Wort Rugby groß geschrieben wird, nehmen das Angebot des Clubsports dankbar an. In der letzten Saison dann der große Erfolg: Aufstieg in die 2. Liga.

Nachdem man immer wieder den Trainingsplatz wechseln musste – Rugby-Spieler scheinen auf Grünflächen nicht gern gesehen zu sein – hat der GRC nun an der Bezirkssportanlage Überruhr seine Heimat gefunden. Leicht zu erkennen an den großen Rugby-Toren, die der Verein aus eigener Kraft dort installierte. Hier fightet auch der 22-jährige Moritz Hirschberg als stellvertretender Team-Captain um das Rugby-Ei.

Schon das Training erfordert beim Rugby vollen Körpereinsatz. Foto: Christoph Bubbe
Schon das Training erfordert beim Rugby vollen Körpereinsatz. Foto: Christoph Bubbe

Rugby ist in Deutschland eine eher untypische Sportart. Moritz, wie bist Du dazu gekommen?

Ich habe mit 13 Jahren angefangen Rugby zu spielen, also schon ganz zu Beginn des heutigen Vereins. Ich selber war nicht Schüler am Grashof, aber ein Freund von mir. Also bin ich mal mit zum Training und habe mich sofort mit dem Rugby-Fieber angesteckt. Und seit dem bin ich dabei.

Aber woher kommt die Faszination für ausgerechnet diesen Sport?

Ich war nie der Begabteste im Fußball. Ein bisschen Kicken, ja. Das hat auch Spaß gemacht, wurde aber nie wirklich mein Sport. Dann habe ich viel ausprobiert. Handball, Hockey – es war nie das dabei, bei dem ich gesagt hätte: Das ist es! Am Rugby hat mir sofort das Körperliche gefallen, dass man sich komplett auspowert. Nach 80 Minuten Spiel ist man wirklich total am Ende. Man weiß, was man getan hat. Und meistens tun einem noch ein, zwei Tage danach die Knochen weh. Außerdem: Fußball spielt irgendwie jeder. Mit Rugby hat man immer was zu erzählen.

Der Scrum – oder auf deutsch das Gedränge – gehört zu den Standardsituationen des Rugbysports. Foto: Christoph Bubbe
Der Scrum – oder auf deutsch das Gedränge – gehört zu den Standardsituationen des Rugbysports. Foto: Christoph Bubbe

Wieviel Vereinsleben, wieviel  nichtsportlicher Einsatz steckt in Eurem Club?

Menschlich ist das ein großer Zusammenhalt. Man lernt die Leute kennen – auch viele aus den verschiedensten Nationen. Wir hatten und haben Spieler aus England, Irland, Neuseeland, Bosnien, Serbien. Einmal rund um den Globus – und man versteht sich, auch wenn man nicht die Sprache spricht, weil es halt so ein körperlicher Sport ist. Den Großteil der Arbeit im Verein macht aber unser Präsident, der Frank Haberland. Ohne ihn hätten wir den Platz nicht, keine Sponsoren und vieles andere nicht. Als Spieler bekommt man von dieser Arbeit an sich nicht soviel mit.

Also zum Sportlichen: Wie trainingsintensiv ist dieser Sport?

Wir haben zweimal in der Woche zwei Stunden Training. Und dann hat man gegebenenfalls am Samstag oder Sonntag noch ein Spiel. Dadurch dass es ein so körperintensiver Sport ist, kann man sich natürlich auch relativ leicht verletzen, wenn man nicht körperlich fit ist. Deshalb empfiehlt es sich, an den trainingsfreien Tagen – besser noch an allen Tagen – zu laufen oder ins Fitnessstudio zu gehen und sich selber körperlich auf einem guten Level zu halten.

Lars Riedel (r.) im Gespräch mit dem stellvertretender GRC-Capitain Moritz Hirschberg. Der INFORMER-Redakteur berichtete schon über Essens Rugbyclub, als dieser noch eine Schul-AG war. Foto: Christoph Bubbe
Lars Riedel (r.) im Gespräch mit dem stellvertretender GRC-Capitain Moritz Hirschberg. Der INFORMER-Redakteur berichtete schon über Essens Rugbyclub, als dieser noch eine Schul-AG war. Foto: Christoph Bubbe

Körperintensiv sagst Du, andere würden sagen brutal.

(lacht) Das sagte meine Mutter auch damals. Es ist halt kein Sport, bei dem man mit Samthandschuhen angefasst wird. Wenn man etwas falsch macht, dann tut‘s halt weh. Aber es ist ein Sport für Jedermann – egal ob klein oder groß, dick oder dünn, jung oder alt. Ich selbst war zu Anfang noch ein sehr, sehr schlanker Typ, überhaupt nicht durchtrainiert. Aber was mir an Kraft fehlte, habe ich durch Schnelligkeit wieder wett gemacht.

Diesen Beitrag teilen

Allgemein

Gutes tun mit bester Laune

Brost-Vorstand zog beim Stiftungstag auf Zeche Zollverein eine überaus positive Bilanz der geförderten Projekte 2018  Die Sonne senkte

Keine Inhalte gefunden

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Wörter richtig geschrieben sind
  • Probieren Sie andere Suchbegriffe.