Steuern wir auf eine Immobilienblase zu?

Volker Behr, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen Foto: Sven Lorenz, Essen
Volker Behr, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen Foto: Sven Lorenz, Essen

Wer sich für den Kauf einer Immobilie interessiert, den beschäftigen viele Fragen. Wie entwickelt sich der Wohnungsbau im Ruhrgebiet? Lohnt sich der Kauf einer Immobilie? Werden die Preise weiter steigen? Einige Antworten darauf liefert Volker Behr, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen. Beim Pressegespräch präsentiert der Sparkassenchef die aktuelle Zahlen zum Essener Immobilienmarkt.

Demnach gibt es interessante Prognosen zur Entwicklung des Wohnungsbau in Deutschland, die das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln aufgestellt hat. Das IW prognostiziert bis 2020 einen durchschnittlichen Baubedarf von bis zu 300.000 Wohnungen pro Jahr. Die aktuelle Bautätigkeit liegt aber nur bei rund 245.000 Wohnungen. Der höhere Bedarf kommt unter anderem durch den demographischen Wandel in Folge der Zuwanderungen und der zu geringen Bautätigkeiten in den Vorjahren zustande. „In den deutschen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München ist die Situation besonders herausfordernd. Im Ruhrgebiet hingegen werden im Schnitt fast genauso viele Baugenehmigungen erteilt, wie es der Baubedarfsplan vorsieht. Eine Gefahr, dass es hier zu erheblichen Preisbewegungen kommt, ist nicht erkennbar“, erklärt Volker Behr.

In den Jahren 2010–2015 wurden in Essen fast 20.000 Immobilien verkauft. Käufer zahlten hierfür rund 4,5 Mrd. Euro. „Auf Basis der Zahlen von 2010 stieg die Anzahl der abgeschlossenen Kaufverträge 2015 um 22% an. Bei diesen Zahlen macht der Begriff ‚Boom‘ schnell die Runde. Anhand des Durchschnittspreises lässt sich ablesen, in welche Richtung sich der Markt bewegt hat. Vergleicht man den Durchschnittspreis im Jahr 2010 von 204.000 € mit dem für 2015 berechneten Wert von 224.000 €, wird deutlich, dass der von uns auch schon in den Vorjahren beschriebene leichte Aufwärtstrend weitgehend stabil bleibt. Die Gefahr einer Blasenbildung ist nicht zu erkennen, dafür hätte das Kaufpreisvolumen deutlich stärker steigen müssen“, so Behr.

In den letzen fünf Jahren ein leichter Preisanstieg von 2%

Von 2010 bis 2015 stiegen die Immobilienpreise in Essen im Schnitt um rund 2% im Jahr an. „Diese Betrachtung ist aber lediglich ein erster Indikator, denn die Qualität der Häuser, die neu oder gebraucht auf dem Markt kommen, unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Unseres Erachtens werden wir auch in den nächsten Jahren im Durchschnitt keine preislichen Ausreißer erleben, wenn die Anzahl der neuen Objekte nicht sprunghaft ansteigt – was nicht zu erkennen ist.“

Es bleibt aber das Problem des fehlenden Baulandes, denn der Wunsch, eine eigene Immobilie in Essen zu erwerben, ist sehr hoch. Besonders stark ist die Nachfrage in Rüttenscheid und im Essener Süden. Preise von bis 4.000 €/qm können in Stadtteilen wie Bredeney, Kettwig, oder Werden erzielt werden. Günter Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassen Immobilientochter, konnte mit seinem Team im vergangenen Jahr 461 Objekte erfolgreich vermitteln. „Das Plus von 13% für 2015 im Vergleich zum Vorjahr, lässt erkennen, dass ‚Betongold‘ nicht aus der Mode kommt. Das Kaufpreisvolumen von 104 Millionen Euro nach 90 Millionen im Vorjahr, bestätigt diese Einschätzung“, so Behr.

Im ersten Halbjahr 2016 hat das S-Immobilien-Center bereits rund 200 Objekte vermitteln können. Ob die Rekordwerte der vergangenen Jahre mit über 400 Objekten erreicht werden kann, wird die Zukunft zeigen. „Ein Engpassfaktor bleiben verfügbare Objekte, die Finanzierung der Projekte stellt in der Regel kein Problem dar. Die Käufer profitieren weiter von den sehr niedrigen Zinsen.“

Diesen Beitrag teilen

Keine Inhalte gefunden

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Wörter richtig geschrieben sind
  • Probieren Sie andere Suchbegriffe.