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Samstag, 18. November 2017
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Im Fall der Fälle schnell zur Stelle – die Johanniter

Mit dem Auto ist Jaqueline Hoti schnell bei Hausnotruf-Teilnehmern vor Ort, wenn diese Hilfe benötigen. Bei akuten Notfällen wird parallel auch der Rettungsdienst und – wenn nötig – zudem ein Notarzt alarmiert. Foto: Vanessa Mels

Eine ältere Dame ist zuhause in ihrer Wohnung. Seit vielen Jahren lebt sie dort alleine, sorgt sich selbst um ihre Einkäufe und den Haushalt. Sie ist mit 75 Jahren noch immer vital. Ihre Kinder wohnen weit entfernt an der Stadtgrenze, die Nachbarn sind, wie so oft, verreist. Niemand sonst ist im Haus zugegen. In einem unachtsamen Moment gerät die ältere Frau ins Stolpern, fällt über den Teppich und stürzt auf den harten Fußboden. Ob sie sich etwas gebrochen hat, weiß sie nicht. Doch ihre Hüfte schmerzt und aus eigener Kraft kommt die ansonsten rüstige Dame nicht mehr hoch. Sie kann sich nicht bewegen, gerät in Panik, weiß nicht, was sie tun soll. Alles Rufen und Klopfen hilft nichts. Viele Stunden liegt sie alleine im Flur. Sie hat Durst, ihre Kräfte schwinden immer mehr. Allmählich wird sie müde, ist erschöpft. Keine Hilfe ist in Sicht. – Das Beispiel ist fiktiv, doch so oder so ähnlich ergeht es Senioren im Stadtgebiet immer wieder. Damit die älteren Damen und Herren sicher sein können, dass im Fall der Fälle schnell jemand zur Stelle ist und ihnen hilft, gibt es die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) – mit ihrem Hausnotruf-Dienst (HND). Jaqueline Hoti war ein Jahr lang im Hausnotruf der Johanniter tätig. Dem INFORMER hat die 20-Jährige erzählt, was sie in dieser Zeit erlebt und gesehen hat.

Der Hausnotruf gibt älteren Menschen ein Stück Selbstständigkeit zurück. Benötigen Sie Hilfe, drücken sie einen Notruf-Knopf. Und gut ausgebildete Rettungsdienstler wie Jaqueline Hoti sind schnell an Ort und Stelle. Foto: Vanessa Mels

Der Hausnotruf gibt älteren Menschen ein Stück Selbstständigkeit zurück. Benötigen Sie Hilfe, drücken sie einen Notruf-Knopf. Und gut ausgebildete Rettungsdienstler wie Jaqueline Hoti sind schnell an Ort und Stelle. Foto: Vanessa Mels

„Immer wenn ich in der Wohnung eines Hausnotruf-Teilnehmers angekommen bin, habe ich mir erst einmal einen Überblick über die gesamte Lage verschafft. Meistens waren die Teilnehmer nur gestürzt, ohne dass Schlimmeres passiert war. So konnte ich ihnen schnell helfen. Denn nicht immer ist gleich etwas gebrochen“, erinnert sich Hoti. Nach ihrem Abitur hat die heutige Studentin (Französisch- und Betriebswirtschaftslehre) bei den Johannitern angefangen. Zunächst lernte sie im JUH-eigenen Bildungsinstitut an der Henricistraße, wie Erste Hilfe überhaupt funktioniert. Und was alles zu beachten ist, welcher Handgriff wann angebracht und welches Hilfsmittel wann das richtige ist. Durch ihre Ausbildung zum Rettungshelfer, vermittelte medizinische Grundkenntnisse und die intensive Einarbeitung sei sie auf den Hausnotruf-Dienst sehr gut vorbereitet gewesen. „Eine qualifizierte Ausbildung hat einen sehr hohen Stellenwert bei der Johanniter-Unfall-Hilfe. Wenn ich in eine unerwartete Situation gerate, kann ich immer auf meine Kenntnisse zurückgreifen und weiß dann sofort, was zu tun ist. Das ist noch heute so“, betont Hoti. Durch die rettungsdienstliche Ausbildung sei sie im Alltag viel aufmerksamer unterwegs.

Notfälle richten sich nicht nach der Stechuhr

Die Einsatzkräfte der Johanniter stehen Tag und Nacht bereit, um im Notfall Hilfe zu leisten – und zwar 365 Tage im Jahr. Gearbeitet wird im Schichtdienst. Alle, die im Einsatz bei Hausnotrufen tätig sind, haben wie Hoti eine rettungsdienstliche Ausbildung abgeschlossen. Mit speziell auf die Bedürfnisse des Hausnotrufs ausgerüsteten Einsatzfahrzeugen sind sie so möglichst schnell bei dem notrufenden Teilnehmer vor Ort. Damit sie erfahren, dass etwas mit einem Hausnotruf-Teilnehmer nicht stimmt, gibt es ein ausgeklügeltes Hausnotruf-System.

Der Hausnotruf-Dienst:  Sicherheit geht vor

Die Johanniter betreuen im Hausnotruf im Regionalverband Essen, zu dem auch Mülheim und Bottrop zählen, inzwischen rund 5.700 ältere Menschen. Die Qualität dieses Dienstes ist seit 2003 vom TÜV zertifiziert. Beim Hausnotruf-Dienst (HND) der Johanniter-Unfall-Hilfe wird in Notfällen nicht einfach nur versucht, Nachbarn oder Bezugspersonen zu erreichen. Tag und Nacht stehen speziell ausgebildete Helfer bereit, die im Notfall mit eigenen, dafür bereitstehenden und ausgerüsteten Fahrzeugen zum notrufenden Teilnehmer hinausfahren. Und das rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.
Die Johanniter in Essen verfügen über eine eigene Hausnotruf-Zentrale. Sicher verplombt und in gesicherten Behältnissen gelagert, befinden sich hier die Wohnungsschlüssel der Hausnotruf-Teilnehmer. So können die Johanniter schnell in die Wohnung der notrufenden Person, wenn diese gefallen ist und nicht mehr selbst die Tür öffnen kann. Mehrmals täglich werden die Schlüssel kontrolliert und jede Benutzung protokolliert. Nur im Einsatzfall wird dieser Schlüssel entnommen und danach direkt wieder versiegelt und sicher in der Leitstelle aufbewahrt.
Weitere Informationen über den Hausnotruf-Dienst bei der Johanniter-Unfall-Hilfe gibt es telefonisch unter 0201 / 89 646 – 126 sowie auf www.johanniter.de/essen.

Das Hausnotruf-System der Johanniter funktioniert wie folgt: Bei allen Teilnehmern wird eine Basisstation ans Telefon angeschlossen, über die im Notfall per Knopfdruck ein Alarm ausgelöst werden kann. In diesem Falle wählen die Geräte die Einsatzleitstelle an und werden dort automatisch elektronisch identifiziert. Zur Standardausrüstung beim Hausnotruf-Dienst gehört ebenso ein wasserdichter, mobiler Funksender, den der Teilnehmer als Halskette oder Armband bei sich trägt und der ihm ermöglicht, an jedem Ort im Haus Alarm auszulösen. Für weiteren Schutz sorgt eine im Notrufgerät eingebaute Sicherheitsuhr. Vergisst der Teilnehmer, diese turnusmäßig zu betätigen, oder ist er nach einem Unfall im Haus nicht mehr in der Lage dazu, löst das Gerät nach Ablauf einer einprogrammierten Zeit automatisch einen Alarm aus. Die Installation des Hausnotruf-Systems in den eigenen vier Wänden ist schnell abgeschlossen und der Teilnehmer aufgeschaltet. Dafür hat er dann die Sicherheit, dass im Fall der Fälle qualifizierte Hilfe kommt, wenn er sie braucht.

Immer mit dabei hat Jaqueline Hoti ihren Rettungsrucksack. Darin ist alles enthalten, was sie benötigt, um ‚Erste-Hilfe’ zu leisten. Foto: Vanessa Mels

Immer mit dabei hat Jaqueline Hoti ihren Rettungsrucksack. Darin ist alles enthalten, was sie benötigt, um ‚Erste-Hilfe’ zu leisten. Foto: Vanessa Mels

Angehörige müssen sich keine Sorgen machen

Ist etwas passiert, benötigt ein Teilnehmer Hilfe, drückt er ganz einfach auf den Knopf an der Station oder an seinem mobilen Funksender. Sofort wird eine Verbindung zur Hausnotruf-Zentrale aufgebaut. Geht in der Leitstelle der Johanniter ein Notruf ein, findet ein diensthabender Mitarbeiter der Zentrale in einer Alarmmaske neben den Daten zum Notrufenden direkt auch eventuell relevante Erkrankungen oder Allergien des Teilnehmers. Über eine Sprechverbindung nimmt er Kontakt zur betroffenen Person auf und klärt ab, welche Art von Hilfe notwendig ist. Bei akuten Notfällen wird parallel auch der Rettungsdienst und – wenn nötig – zudem ein Notarzt alarmiert. „Ich kann jedem älteren oder erkrankten Menschen den Hausnotruf-Dienst nur ans Herz legen, weil er Sicherheit gibt, die man ohne dieses Gerät nicht hätte. Außerdem lässt der Hausnotruf dem Menschen ein Stück Selbstständigkeit, die einem im Alter oft genommen wird“, macht Jaqueline Hoti deutlich. Bei den Johannitern sei man durch das qualifizierte Personal in guten Händen. Hoti: „Die Angehörigen müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie mal nicht da sind.“

„Ich war immer gerne im Hausnotruf unterwegs. Und dann für die Erstversorgung zuständig. Man übernimmt viel Verantwortung, aber bisher ist bei meinen Fahrten zum Glück immer alles gut gegangen“, so Hoti. Den direkten Kontakt mit den Menschen habe sie dabei immer sehr geschätzt: „Ihre unglaublich große Dankbarkeit zu erfahren, ist toll, denn das erwartet man nicht. Das, was wir leisten, ist für uns selbst nicht viel, für sie ist es die halbe Welt.“ Die Zeit bei den Johannitern und im Hausnotruf habe sie zu einem viel offeneren Menschen gemacht. „Das hat auch meine Eigenverantwortung und mein Selbstbewusstsein gestärkt, denn dadurch, dass man vor Ort eigene Entscheidungen treffen und die Situation einschätzen muss, habe ich viel dazu gelernt.“

Obgleich sich Jaqueline Hoti weiterhin ehrenamtlich bei den Sicherheitswachen und im Hausnotruf-Dienst der Johanniter engagiert, beginnt im November doch eine ganz neue Zeit für sie: „Dann fange ich neben dem Studium meine Ausbildung als Rettungssanitäterin an. Das wird sicher noch einmal viel intensiver, aber den direkten Draht zu den älteren Damen und Herren will ich auch in dieser Zeit nicht missen.“ Dem Hausnotruf-Dienst will Jaqueline Hoti weiterhin die Treue halten.

Ein Beitrag von Pascal Hesse

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