Wo bitte ist der „Gefällt mir nicht“-Button?

Ein Gastbeitrag von Ulrich Beul

Es ist passiert: Donald Trump ist Präsident. Einen Essener hat es besonders gefreut: Andreas Hellmann, FDP-Politiker aus Essen. Im INFORMER-Gespräch beschrieb der Liberale uns die Gründe, weshalb er für Trump ist. Durchaus kontrovers. Was der bekennende Europäer und Essener CDU-Politiker Ulrich Beul dazu sagt, schreibt er jetzt in einem INFORMER-Gastbeitrag. Von Politiker zu Politiker…

Mein lieber Andreas Hellmann,

im Interview mit dem Informer gibst Du Deine Antwort auf die Frage, wie man denn gleichzeitig Trump-Fan und Liberaler sein könne. Dabei spart der (deutsche) Trump-Fan in Dir auch nicht mit Anklagen gegen Angela Merkel, Obama und natürlich die Europäische Union, vorgetragen in entsprechendem Stil.

Tja, im Informer gibt es keinen „Gefällt mir nicht“-Button, den ich jetzt vielleicht kopfschüttelnd klicken könnte. Würde ich aber auch gar nicht machen, denn ich kenne Dich ja als jemanden, der zwar gerne mal ‚einen raushaut‘ – sich aber auch Gedanken macht und politisch nicht selbstabgeschaltet ist, wie leider so manche anderen.

Deine Kritik an der Rolle des Staates, an unserem Freiheitsbegriff, auch an der Außenpolitik von Obama, an der praktischen Ausgestaltung der EU und daran, was wir für unsere Sicherheit tun halte ich auch für berechtigt.

Nur sehe ich eben im Gegensatz zu Dir ein gut funktionierendes gemeinsames Europa, besonders was die Sicherheit angeht, als die anzustrebende Lösung. Warum? Weil eine Gemeinschaft von 500 Millionen in unserer rauher gewordenen Welt bei den Großen nun mal deutlich besser mitspielen kann, und zwar in allen Feldern der Politik.Siehst Du anscheinend anders – ok.

Aber alles Dinge, über die man toll diskutieren kann. Ich glaube sogar, dass wir in einer ernst gemeinten, sachlichen Debatte z.B. über Europa den einen oder anderen überraschenden Lösungsvorschlag finden könnten. 

Schade finde ich dagegen, dass Du in Deinen Antworten so wenig konstruktiv an die Sache herangehst, und lieber diese verschwörungstheorieähnlichen Parolen von einer selbssüchtig-zerstörerischen ‚Elite‘ herunterbetest. Die kennen wir ja auch hierzulande gut – von der AfD oder Sahra Wagenknecht, die damit die große Entfremdung zwischen ‚der Elite‘ und dem Volk konstruieren, von der natürlich niemand anderes als sie uns retten wird. Klar.
Na gut, solche Sätze bringen Dir natürlich Aufmerksamkeit und knackige Überschriften.
Ansonsten spalten und entsachlichen aber sie nur – und entfernen uns damit deutlich von Lösungen.
Aber Lösungen sind es doch, was die Leute von der Politik erwarten. Ich glaube selbst die ‚Wutbürger‘, wenn der Schaum vor dem Mund mal getrocknet ist – und nichts anderes.

Und haben wir uns nicht auch deshalb irgendwann mal dafür entschieden, einen Großteil unserer Freizeit mit Politik zu verbringen, weil wir was verändern wollen –
ich meine: nicht nur davon reden, sondern wirklich was verändern?

Mach doch mit!

 

Zur Person: Ulrich Beul ist Mitglied im Essener Stadtrat und war bei der letzten Europawahl Kandidat für die Essener CDU. Beruflich arbeitet Beul als Ingenieur bei Siemens.

 

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