Wachstum trotz Niedrigzins: Da steppt der Behr!

Sparkasse Essen, 27 Januar 2017, Bilanzpressekonferenz Foto: Sven Lorenz, Essen

Sparkassenchef Volker Behr zog Bilanz: NullzinsPolitik frustriert, Doch der Spareifer bleibt ungetrübt.

Von Lars Riedel (Foto: Sven Lorenz)

Lange dümpelte die Inflationsrate nahe Null. Der Einkauf wurde für die Verbraucher kaum teurer. Das ändert sich nun. Die Inflation ist zum Jahreswechsel auf den höchsten Stand seit 2013 geklettert. Gen Null bewegt sich nur noch die Zinspolitik der Zentralbanken – und frustriert die Anleger und Sparer. So die Rahmenbedingungen, unter denen Sparkassenchef Volker Behr kürzlich Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr zog. Dennoch: Lange Gesichter zieht man bei der Sparkasse Essen nicht.

„Zufrieden“, mit diesem Wort blickte Vorstandsvorsitzender Behr mit seinen Kollegen Stefan Lukai und Oliver Bohnenkamp auf 2016 zurück. Die Bilanzsum­me stieg um 102,7 Mio. Euro auf über 8,1 Mrd. Euro an. Die Kundeneinlagen wuchsen um 169,6 Mio. auf über 6,1 Mrd. Euro und auch bei den Ausleihungen an Kunden bilanzierte die Sparkasse Essen ein Plus von 92,6 Mio. Euro. „Ein solides Wachstum“, bilanzierte Behr, das man im Jahr des 175sten Jubiläums der Sparkasse vor allem einer regen Nachfrage im privaten und gewerblichen Kreditgeschäft sowie einem ungetrübten Spar­eifer der Essener Privatkunden zu verdanken habe.

Quelle: Sparkasse Essen

Spareifer in Zeiten der Nullzinspolitik der Zentralbanken? Der Anstieg der Spareinlagen von 4,1 % auf 4,6  Mrd. Euro überrascht auch den langjährigen Bänker  – Behr ist seit 1982 bei der Sparkasse tätig – ein wenig: „Man müsste meinen, bei der derzeitigen Zinslage sparen die Menschen gar nicht mehr. Doch es ist so.“ Gut für die Sparkasse, sie bekommt Geldeinlagen, für die sie fast keine Zinsen bezahlen muss. Doch wie jede Medaille hat auch diese eine Kehrseite: „Fast zinslose Spareinlagen – eigentlich schön für eine Bank. Doch immer mehr ehemals hochverzinsliche Verträge und Anlagen werden fällig. Und gleichwertigen und risikolosen Ersatz können wir unseren Kunden auch im längerfristigen Bereich nicht anbieten.“

Warten auf die Zinswende

Die Nullzinspolitik der Notenbanken belaste die Sparer durchaus. Immer mehr Kunden wollen ihr Geld flexibel und liquide anlegen. Primär als Tagesgeld. „Sie wollen bereit sein, wenn die Zinswende endlich kommen sollte oder sich eine günstige Investitionsmöglichkeit ergibt – z. B. der Kauf einer Immobilie“, sagte Behr.

Ähnlich wie die privaten Kunden legten auch die Firmenkunden und institutionellen Anleger größeren Wert auf kürzere Laufzeiten und Flexibilität. Deshalb wurden Sicht- und Termineinlagen präferiert. Ein Plus von rund zehn Mio. Euro bilanzierte die Sparkasse bei den Pfandbriefen, deren Gesamtbestand auf 180,1 Mio. Euro anstieg. Insgesamt erhöhten sich die Einlagen der Firmenkunden/institutionellen Anleger um 78,6 Mio. auf fast 1,1 Mrd. Euro und zeigten damit ein Plus von 7,7 %.

Quelle: Deutsche Bundesbank (2016), IT NRW (2016)

Deutsche Aktienkultur vs. Realzinsfalle

Die Sparkasse Essen weise in ihren Beratungsgesprächen zunehmend auf die Gefahren der ‚Realzinsfalle‘ hin. Vereinfacht ausgedrückt kann die wieder ansteigende Inflation (Anm. d. Red.: Ziel der Europäischen Zentralbank: 2 %) bei fortgeführter Niedrigzinspolitik einen immer größeren Verlust verursachen. Übersteigt die Inflationsrate die Vergütung durch Zinszahlungen, schnappt die ‚Realzinsfalle‘ zu. Vor diesem Hintergrund empfahl der Sparkassen-Vorstand den Kunden, mit den Beratern die eigene Risikobereitschaft und –tragfähigkeit zu erörtern und auf dieser Basis regelmäßig in Wertpapiere oder Fonds zu investieren. „Die Aktienkultur ist in Deutschland nicht so etabliert wie in den USA. Aber sie wächst“, so Behr. Der Vorstand verwies darauf, dass selbst die auf Nachhaltigkeit ausgerichteten 330 bei der Sparkasse betreuten Stiftungen zunehmend Teile ihres Vermögens in Wertpapieren anlegen. Ein Beispiel, dem zu folgen sich durchaus auch für den ein oder anderen Privatanleger rechnen könnte.

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