Vernetzen:
Donnerstag, 22. June 2017
StartseiteStadtgesprächStadion Essen: Ex-GVE-Chef Hillebrand, ein Mann der (zu) kurzen Dienstwege

Stadion Essen: Ex-GVE-Chef Hillebrand, ein Mann der (zu) kurzen Dienstwege

Andreas Hillebrand: Bei der Stadioneröffnung Mitte 2012 saß er als GVE-Chef noch fest im Sattel. (Foto: Christoph Bubbe)
  • Stadttochter GVE und Unternehmensberatung Roland Berger haben gemeinsame Kostenaufarbeitung abgeschlossen.
  • Anhaltspunkte für ein vertragswidriges Verhalten von Roland Berger bestünden nicht.
  • Kritik am Vorgehen des damaligen GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand.

Von Lars Riedel

Im Umfeld des Stadionneubaus hatte der vormalige GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand die Dienste der Unternehmensberatung Roland Berger in Anspruch genommen, ohne dies nachvollziehbar zu dokumentieren. Lang genug hat es gedauert. Schon Mitte 2015 wurden die vermeintlich exorbitanten Beratungskosten bekannt und zum städtischen Aufreger rund um den sogenannten Stadionskandal. Laut Informationen der Westdeutschen Allgemeinen wurden die Papiere zur Beauftragung von Roland Berger bereits am 23. September 2009 unterzeichnet. Doch die Verträge waren schlicht nicht auffindbar.

Selbst als das Rechnungsprüfungsamt (RPA) eingeschaltet wurde, blieb die Beauftragung der Unternehmensberatung weiterhin nebulös. Obwohl die GVE an 13 Beratungs-Firmen über 115 Rechnungsbelege fast 4,8 Millionen Euro auszahlte, wurden „zu keinem dieser Belege Verträge, Vereinbarungen, Angebote oder Leistungsbeschreibungen vorgelegt, aus denen Beratungsgegenstand, Stundensätze etc. hervorgehen“, hieß es im Abschlussbericht der Rechnungsprüfer.

Und auch die angekündigte Hilfsbereitschaft zur Aufklärung seitens Roland Bergers ließ lang auf sich warten. „Man hat uns vor mehreren Wochen schon umfassende Unterstützung zugesagt“, erklärte bereits Mitte 2015 Dirk Miklikowski, der kurz zuvor die GVE-Geschäftsführung übernommen hatte. Doch der zugesagte Vertrag kam nicht. „Ich halte ein solches Verhalten für skandalös“, zeigte sich Miklikowski damals sichtlich verärgert.

Abschlussbericht: Grundlagen nachvollziehbar, Hillebrands Vorgehen nicht

GVE-Aufsichtsratschefin Barbara Rörig bei der Stadioneröffnung 2012. (Foto: Christoph Bubbe)

Lang hat es gedauter, nun aber – rund eindreiviertel Jahre später – hat Roland Berger freiwillig den Aufsichtsrat und die neue Geschäftsführung der städtischen Grundstücksverwaltung GVE bei der internen Aufarbeitung unterstützt. Dies letztlich auch aufgrund der unter neuer Führung der GVE eingeschalteten Rechtsanwaltskanzlei GÖRG (Essen). „Wir wollten Klarheit, welche Leistung Roland Berger über die Jahre rund um das Stadion Essen erbracht hat. Dass ein solcher Bau nicht ohne externe Unterstützung entsteht, ist klar. Jedoch hat die Summe, die in ihrer Gesamtheit erst durch die Prüfung des Aufsichtsrates ermittelt wurde, uns dazu bewogen, eine Transparenzprüfung anzustrengen“, so Frau Barbara Rörig, CDU-Ratsfrau und derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der GVE. Dieser Prozess sei jetzt abgeschlossen.

Heute berichteten die Anwälte der Kanzlei GÖRG, Dr. Helmut Balthasar und Dr. Richard Gerlach, der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat der GVE über die Ergebnisse ihrer Transparenzprüfung. Danach konnten die vertraglichen Grundlagen der Beauftragung nachvollzogen werden. Gleiches gilt für Art und Umfang der Beratungsleistungen. Das Honorarvolumen in Höhe von insgesamt rund 3,3 Mio. Euro für die Jahre 2008 bis 2010 lasse sich im Wesentlichen drei Komplexen zuordnen: Wirtschaftliche Effizienz des Stadionneubaus, Vermarktung des Stadions und die Nutzung durch Rot-Weiss-Essen sowie der im April 2009 angestoßenen Erarbeitung eines Stadtenwicklungskonzeptes ‚Urbane Belebung‘.

Kritik übten die GÖRG-Anwälte im Rahmen ihrer Abschlusspräsentation jedoch an der mangelnden Unterrichtung des Aufsichtsrates durch den damaligen GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand. Er hatte die Zahlung der 3,3 Mio. Euro seinerzeit veranlasst hat. Doch weder die Beauftragung als solche, noch die Breite der Themen durfte vom Geschäftsführer alleine entschieden werden.

print

Kommentare