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Donnerstag, 23. November 2017
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Mit 70 ist Schluss: Udo Bayer hat fertig – Abschied aus EBB-Fraktion und aus dem Stadtrat.

  • Udo Bayer: Nach Erreichen des 70. Lebensjahres ist Schluss.
  • Fraktionschef gibt den Vorsitz der EBB-Ratsfraktion ab.
  • Bayer wird ebenfalls sein Mandat im Rat der Stadt Essen niederlegen.
  • Entscheidung folgt auch ärztlichem Anraten.

„Wahlen sind keine reinen Kopfgeburt.“, „Wir müssen uns ohne Schönfärberei der Realität stellen“, „Armutseinwanderung – dauerhaft und massenhaft – lehnen wir ab!“, „Wer meint, im Bevölkerungsrückgang Chancen zu erkennen, der hält ein Plädoyer für ökonomischen Unsinn!“ – diese Zitate stammen allesamt aus einem Interview, das der INFORMER kurz vor der Kommunalwahl 2014 mit Udo Bayer führt. Der Fraktionschef des ESSENER BÜRGER BÜNDNIS (EBB) nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund. Doch nun soll Schluss sein im Stadtrat und in den Medien mit so markigen Aussprüchen wie „Die Essener Grünen betreiben eine Politik der wechselnden Mehrheiten.“, „Der Schwanz wackelt mit dem Hund.“ oder „Wer sich auf die in sich zerstrittene und unberechenbare Linke einlässt, lässt sich auf ein Abenteuer ein.“ Bayer verlässt die EBB-Ratsfraktion und den Rat der Stadt Essen.

Udo Bayer hatte das EBB 2014 als Spitzenkandidat in die Kommunalwahl geführt. Zugleich habe er aber immer betont, dass er für eine volle Amtsperiode des Rates nicht zur Verfügung stehen werde – zumal die laufende Ratsperiode eine kommunalverfassungsrechtliche Sondersituation darstellt und nicht fünf, sondern sechseinhalb Jahre dauert. Mit Blick auf die nächste Kommunalwahl werde er rechtzeitig sein Ratsmandat niederlegen und so dem ESSENER BÜRGER BÜNDNIS eine geordnete personelle Neuaufstellung für 2020 ermöglichen. „Im April werde ich 70 und Lebenszeit ist begrenzt und kostbar. Es ist für mich jetzt – auch dem dringenden Wunsch meiner Familie folgend – der richtige Zeitpunkt gekommen, mich zurückzuziehen und mein Leben ein Stück weit neu zu justieren“, so der scheidende Fraktionschef. „Alles hat bekanntlich seine Zeit. Ich möchte zukünftig erheblich mehr Zeit für meine Familie und damit auch für meine zwei wunderbaren Enkelinnen haben, die in Bonn beheimatet sind.“ Zudem sei seine Entscheidung aber auch der notwendigen Rücksicht auf meine Gesundheit geschuldet und „folgt auch ärztlichem Rat.“

Politisch sieht Bayer das ESSENER BÜRGER BÜNDNIS in einer guten Verfassung. Das EBB sei etabliert, gefestigt und inhaltlich gut aufgestellt. Es ist mit über 120 Mitgliedern die mitgliederstärkste kommunale Wählervereinigung an Rhein und Ruhr. Mit rd. 4,4 % der Wählerstimmen bei den Kommunalwahlen 2004 (4,7 %), 2009 (4,2 %) und 2014 (4,3 %) ist das ESSENER BÜRGER BÜNDNIS in den Großstädten über 500.000 Einwohnern hinter Stuttgart und Dresden die dritterfolgreichste kommunale Wählervereinigung republikweit. Udo Bayer: „Es gibt aber gewiss noch Luft nach oben. Unsere eigenen Erwartungen mit ‚5 plus X‘ haben sich bisher noch nicht erfüllt.“

Den organisatorischen Transformationsprozess beim EBB sieht Bayer auf einem guten Weg. Mit Peter Dieck habe man einen kompetenten Geschäftsführer bestellt, der sich engagiert einarbeite und sein Feld bestelle. Über die personelle Neuaufstellung der EBB-Ratsfraktion werde zeitnah in den EBB-Gremien zu beraten und zu entscheiden sein. Dieser demokratische Meinungsbildungsprozess müsse im Rahmen des anstehenden Generationswechsels von seinen Nachfolgern in eigener Verantwortung gestaltet werden, so Udo Bayer.

Die aus den Mitgliedern des Rates, der Bezirksvertretungen und der Ratsausschüsse bestehende 35-köpfige EBB-Fraktionsversammlung und der Vorstand des ESSENER BÜRGER BÜNDNIS haben Bayers Entscheidung am gestrigen Montag (13.03.2017) mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. EBB-Vorsitzende Brigitte Wawrowsky fasste die Auffassung der EBB-Gremien mit folgenden Worten zusammen: „Wir respektieren natürlich Udo Bayers Schritt. Leider konnten wir ihn nicht umstimmen. Sein Mandatsverzicht wiegt für das ESSENER BÜRGER BÜNDNIS schwer. Für seine unbestreitbaren politischen Leistungen bleibt das EBB Udo Bayer zu großem Dank verpflichtet.“

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