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Samstag, 24. June 2017
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Die Johanniter-Unfall-Hilfe: Im Einsatz für den Menschen

Til Schulte ist einer von aktuell rund 70 Freiwilligen im Sozialen Jahr (FSJ) bei den Johannitern im Regionalverband Essen. Foto: Vanessa Mels
Til Schulte ist einer von aktuell rund 70 Freiwilligen im Sozialen Jahr (FSJ) bei den Johannitern im Regionalverband Essen. Der 19-jährige aus Kupferdreh nutzt die Zeit bis zum Studium für eine qualitative rettungsdienstliche Ausbildung.

Von Pascal Hesse

Das ‚Freiwillige Soziale Jahr‘ (FSJ) bei den Johannitern ist oftmals der Einstieg in eine lange ehrenamtliche Tätigkeit im Verband. Alexander Sondermann, Til Schulte und Katharina Dehne lernen und arbeiten zusammen. Foto: Vanessa Mels

Das ‚Freiwillige Soziale Jahr‘ (FSJ) bei den Johannitern ist oftmals der Einstieg in eine lange ehrenamtliche Tätigkeit im Verband. Alexander Sondermann, Til Schulte und Katharina Dehne lernen und arbeiten zusammen. Foto: Vanessa Mels

Sie hat nicht mehr reagiert, kein Wort gesagt. Da mussten wir schnell ausrücken“, erinnert sich Til Schulte noch gut an die Alarmierung. Sie, das ist eine ältere Dame, die zuvor ihren Hausnotruf-Knopf gedrückt hatte, der um den Hals oder am Armband getragen werden kann. Schulte ist 19 Jahre alt und im ‚Freiwilligen Sozialen Jahr’ (FSJ) für die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) in Essen tätig. „Als ich eintraf, habe ich bemerkt, dass die Frau aus dem Bett gerutscht war. Sie benötigte meine Hilfe.“ Doch etwas ist anders als sonst. Eine Seniorin, die nach einem Sturz nicht mehr alleine hochkommt, „so etwas habe ich bei vier von fünf Einsätzen. Doch hier war Eile geboten.“

Til Schulte hat schnell realisiert, dass die Lage ernster ist und die ältere Frau medizinische Hilfe benötigt. „Einer ihrer Mundwinkel hing schief und sie hat verwaschen gesprochen.“ Schulte ist klar: Die Seniorin hat einen Schlaganfall erlitten. „Ich habe sofort den Rettungsdienst mit Notarzt über unsere Hausnotrufzentrale nachgefordert.“ Bis er eintrifft, untersucht Schulte die Dame neurologisch. „Das ist wichtig, damit die Rettungskräfte schnell handeln können“, so der junge Mann. Als der Rettungswagen vor Ort ist, soll die Dame zur Weiterbehandlung ins Krankenhaus gebracht werden, doch sie weigert sich vehement. „Gemeinsam mit dem Notarzt konnten wir sie schlussendlich doch überzeugen, dass es für sie besser ist, wenn sie in die Klinik mitkommt“, so der Kupferdreher. Mittlerweile kennt er sich aus, wenn es um das Thema Schlaganfall geht: „So etwas erkenne ich rasch, denn die Anzeichen dafür sind identisch, wenngleich sie nicht immer gleich ausgeprägt sind. Worauf ich achten muss, habe ich bei den Johannitern gelernt. Wissen, das ich jeden Tag aufs neue einsetze, um zu helfen.“

Am Anfang steht die gute Ausbildung

Schon zu seiner Schulzeit hat sich Til Schulte für alles interessiert, was mit dem Menschen und seiner Gesundheit, ja seinem Wohlergehen zu tun hat. „Seit ich acht Jahre alt bin, will ich Medizin studieren.“ Aus einer Medizinerfamilie stammt der junge Mann jedoch nicht. Am Gymnasium Werden hat er in der siebten Klasse als Schulsanitäter angefangen. „Wir hatten eine AG, eine Arbeitsgemeinschaft, in der es erst einmal darum ging, Grundwissen zu erwerben. Immer donnerstags nach der siebten Stunde haben wir anderthalb Stunden gelernt, was Schulsanitäter wissen müssen. Damals wie heute wird das von den Johannitern angeboten. So wurde ich Schulsanitäter – einer von aktuell gut 500 im gesamten Regionalverband der JUH“, erinnert sich der Kupferdreher. Nun überbrückt er die Zeit bis zum Medizinstudium – und das trotz eines wirklich hervorragenden Abiturzeugnisses. „Ich habe einen Notendurchschnitt von 1,6. Das ist okay, doch für Medizin muss man selbst damit noch ein wenig Wartezeit mitbringen.“ Notfallmedizin, da ist er sich sicher, soll der Schwerpunkt seines Studiums werden. „Daran kann ich natürlich inhaltlich ideal mit dem, was ich jetzt bei den Johannitern lerne und mache, anknüpfen.“

Rückt Til Schulte zum Einsatz im Hausnotruf aus, hat er seinen Rettungsrucksack stets mit dabei. Foto: Vanessa Mels

Rückt Til Schulte zum Einsatz im Hausnotruf aus, hat er seinen Rettungsrucksack stets mit dabei. Foto: Vanessa Mels

Seit Oktober fährt der 19-Jährige Einsätze für die Johanniter, anfangs stets in Begleitung erfahrener Kollegen, heute weitgehend autark. Um das FSJ hat er sich beworben. Aktuell gibt es bei den Johannitern wieder freie Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr.  „Ich hatte parallel eine Alternative zur Ausbildung als Krankenpfleger. Doch da habe ich abgesagt, denn ich wollte nicht eine Lehre mittendrin abbrechen“, sagt Schulte. Das FSJ dauert hingegen nur ein Jahr. Es kann aber auf bis zu 18 Monate verlängert werden. Am Anfang steht eine rettungsdienstliche Ausbildung, dann erfolgt die Prüfung zum Rettungshelfer NRW. „Dann erfolgt der praktische Teil der Ausbildung als dritter Mann auf dem Krankenwagen und Rettungswagen.“ Darüber hinaus gibt es eine Qualitätsmanagement- und Dienstanweisungsschulung, wo die generellen Abläufe und Verfahrensweisen geschult werden sowie eine Ortskenntnis-Schulung. Schulte: „Wir lernen die Hauptstraßen und wichtige Nebenstraßen in Essen, die Autobahnen und Autobahnkreuze in Nordrhein-Westfalen auswendig, eben alles, was wichtig ist, um sich im Einsatz zu orientieren.“ Während manch einer für diese Ortskenntnis-Schulung schon mal etwas länger benötigt, hat Schulte sie in drei Tagen geschafft. „Mir ist das sehr leichtgefallen.“

Als er sein FSJ beginnt, ist er nicht alleine. „Als ich bei den Johannitern angefangen habe, war ich im Rettungshelferkurs einer von acht FSJ‘lern. Bis auf zwei, die im Krankentransportdienst tätig sind, sind alle anderen wie ich beim PKW-Einsatzdienst. Wir hätten uns aber ebenso im Jugendbereich der Johanniter oder in der Leitstelle einbringen können. Dort laufen alle Drähte der Organisation zusammen“, weiß Schulte. Die anderen seien etwa im gleichen Alter, der älteste ist 24 Jahre alt. „Es ist eine junge und vor allem engagierte Truppe.“ Zu Beginn habe er viele neue Erfahrungen gemacht. „Der Transportdienst war sehr aufregend, doch das legt sich irgendwann und dann setzt Routine ein – natürlich auf einem professionellen Niveau. Schließlich transportieren wir Eiliges und dringend Benötigtes: Blutkonserven, Blutproben oder Organe.“

Für die Ortskenntnis-Schulung hat Til Schulte nur drei Tage gebraucht. Foto: Vanessa Mels

Für die Ortskenntnis-Schulung hat Til Schulte nur drei Tage gebraucht. Foto: Vanessa Mels

Beim Hausnotruf sei kein Einsatz wie der andere. Heißt es mal wieder „Sicherheitsuhr“, sprich hat ein Senior die Taste an seinem Hausnotrufgerät nicht in einem vorher festgelegten Zeitraum gedrückt, wird zunächst versucht ihn über eine Sprechverbindung über das Hausnotrufgerät und telefonisch zu erreichen. Reagiert er nicht, rücken Kräfte wie Til Schulte aus. „Wir schauen persönlich vorbei und gucken, ob alles okay ist. Sind die älteren Herrschaften gestürzt, helfen wir ihnen auf, messen ihren Blutdruck und reden ihnen gut zu.“ Doch das reiche nicht immer. „Wenn mal jemand vermeintlich nur gefallen ist, gilt es zu schauen, ob nicht noch mehr passiert ist. Da müssen wir schon mitdenken. Nur so kann im Zweifel eine akute Erkrankung, etwa ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, frühzeitig bemerkt werden.“
Die Johanniter und ebenso Til Schulte stellen in ihrer Arbeit stets den Menschen in den Mittelpunkt. „Es geht immer darum die Person, die akut Hilfe benötigt, bestmöglich zu versorgen“, so der junge Mann. Wie das geht, habe man ihm in der qualifizierten und TÜV-zertifizierten Ausbildung bei den Johannitern vermittelt. „Ich mag da etwas aus der Reihe fallen, da ich bereits über medizinisches Vorwissen verfügte, als ich hier angefangen habe“, bemerkt Schulte. An der Universität Duisburg-Essen hat er ein sogenanntes Frühstudium Medizin in der Unfallchirurgie absolviert. Dazu kommen ein Schülerbetriebspraktikum in der Unfallchirurgie und ein dreimonatiges Pflegepraktikum in der Psychiatrie. „Aber keine Sorge, das wird für ein FSJ nicht vorausgesetzt. Aber es hilft enorm.“ Während seine Mitschüler den Stoff in Biologie gepaukt haben, „habe ich Bücher über die Anatomie und Biochemie des Menschen gelesen, neben der Schule“, sagt er. Das sei ihm so zugeflogen, obwohl er Biologie nur im Grundkurs besucht habe, Note 1,0. „Meine Leistungskurse waren hingegen Chemie und Erdkunde.“

Til Schulte ist einer von aktuell rund 70 Freiwilligen im Sozialen Jahr (FSJ) bei den Johannitern im Regionalverband Essen. Foto: Vanessa Mels

Til Schulte ist einer von aktuell rund 70 Freiwilligen im Sozialen Jahr (FSJ) bei den Johannitern im Regionalverband Essen. Foto: Vanessa Mels

Schulte empfindet seine Aufgabe bei den Johannitern als eine sehr verantwortungsvolle. „Wenn wir gerufen werden, ist schließlich meistens etwas nicht in Ordnung und jemand benötigt meine Hilfe.“ Eigenverantwortliches Arbeiten zähle im FSJ ebenso dazu, wie die Arbeit im Team. Im kommenden Oktober ist das Freiwillige Soziale Jahr für Til Schulte bereits wieder vorbei. „Verlängern möchte ich wahrscheinlich nicht, da ich hoffentlich meinen Studienplatz nun bekommen werde“, sagt er. Den Johannitern möchte er aber dennoch erhalten bleiben: „Ich habe hier wirklich gute Leute kennengelernt. Ich will ehrenamtlich neben dem Studium weitermachen, das steht bereits jetzt fest.“ Bis dahin steht noch eine wichtige Prüfung für den 19-Jährigen an, die zum Rettungssanitäter. Sie beinhaltet ein Krankenhaus- und ein Rettungswachen-Praktikum. Einen Lehrgang zum Einsatz im Katastrophenschutz will er ebenso besuchen. Schulte: „Wenn ich damit fertig bin, ist das eine sehr gute Basis für mein Medizinstudium.“

FSJ oder BFD? – Zwei Modelle, ein Prinzip

Ob man sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) entscheidet, hängt im Prinzip nur vom Alter ab. Während das FSJ bis zum 27. Lebensjahr möglich ist, unterliegt der BFD keiner Altersbeschränkung. Ausbildung und Dauer sind gleich. Ein Führerschein der Klasse B ist erforderlich. Bei beiden Diensten steht den Freiwilligen, die mindestens die Vollzeitschulpflicht vollendet haben müssen, Geld nach den allgemein gültigen Kostensätzen und, bei Voraussetzung, auch ein Kindergeldanspruch zu. Der Einstieg ist zu mehreren Terminen im Jahr möglich. Wer Medizin studieren möchte, kann sich die Zeit bei den Johannitern sogar anrechnen lassen.
Weitere Informationen gibt es unter (0201) 89646-107, info.essen@johanniter.de und auf www.johanniter.de/essen.

Bei Interesse: Kurzbewerbung senden an bewerbung.essen@johanniter.de.

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