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Mittwoch, 23. August 2017
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Flüchtlingsunterkünfte: Immobilieninvestor Peter Jänsch stellt sich Vorwürfen

Dieser Vorwurf bewegt sogar den publizitätsscheuen Unternehmer Dr. Peter Jänsch, in die Offensive zu gehen: „46 Millionen Euro Miete für leerstehende Flüchtlingsunterkünfte“. So war es mehrfach in der Presse – auch im Informer – zu lesen. Korrekt ist das allerdings nicht. Denn die Miete beträgt nicht 46 Millionen, sondern 30 Millionen Euro, und die Abwesenheit von Flüchtlingen im Kloster Schuir ist lediglich einem Umbau geschuldet: In naher Zukunft soll es eine dauerhafte Vollbelegung geben. Im Interview spricht Jänsch nicht nur über die tatsächliche Faktenlage, sondern erklärt, wofür er Verantwortung übernimmt – und wofür nicht.

EIN INTERVIEW MIT MARIE ILLNER

Unser Gespräch bedeutet für Sie einen Schritt in die Öffentlichkeit. Warum hielten Sie sich bislang heraus und wieso nun der Wandel?

Meine Zurückhaltung gegenüber der Presse in den vergangenen Jahren hat familiäre Gründe. Ich wäre auch aktuell nicht in die Öffentlichkeit gegangen, wenn nicht fehlerhafte Presseberichte über Flüchtlingsprojekte, die ich mit der öffentlichen Hand gemacht habe, erschienen wären. Ich habe klar den Eindruck, dass dadurch bei Menschen die mich nicht persönlich kennen, ein falsches Bild entsteht. Ich stehe daher auf und sage: Das ist falsch! Tue ich das nicht, wird weitergeschrieben, dass 30 Millionen im Opti-Park für Leerstand versenkt werden.

Der Vorwurf, Stadt und Land müssten 46 Millionen Euro Miete an Sie für die Objekte Opti-Park und Kloster Schuir zahlen, stieß Ihnen sauer auf. Wieso?

Kritische Fragen, klare Antworten: INFORMER-Journalistin Marie Illner im Interview mit Dr. Peter Jänsch. Der Investor gewährte einen umfangreichen Einblick in seine Vertrags-Korrespondenz und Vertrags-Dokumente.

Das ist inhaltlich und von den Summen her falsch. Ja, der Opti-Park steht leer, das Land entschied sich aber bewusst für die Nutzung als Stand-by-Einrichtung. Die Mietkosten für die Laufzeit dieser zur Zeit leer- aber bereitstehenden Einheit sind mit 13,5 Millionen Euro zu beziffern und nicht mit 30 Mio. Euro. 16,5 Mio. Abweichung ist wohl ein Unterschied bei dem man aufstehen darf und sagen: Das ist falsch! Das Kloster Schuir macht unter der Überschrift ‚Leerstand‘ keinen Sinn. Es steht nicht ungenutzt leer und verursacht Mietkosten. Es be ndet sich im Umbau und die Stadt zahlt noch keine Miete. Wenn das Kloster nach umfangreicher Sanierung im April an die Stadt übergeben wird, fallen Mieten von 960.000 Euro p. a. an, in 15,5 Jahren also rund 15 Millionen Euro. Zusätzlich fallen belegungsabhängige Betriebskosten an, in die ich aber keinen kompletten Einblick habe. Zusammengefasst fallen in der Gesamtlaufzeit 13,5 Mio. Euro für Opti-Park und 15 Mio. Euro für das Kloster also 28,5 Mio. Euro an Miete an – nicht 46 Millionen Euro. Der größere Teil entfällt auf ein in Zukunft vollbelegtes und genutztes Kloster. Ich wehre mich gegen Aussagen auf Stammtischniveau: „Es sitzen keine Dummköpfe bei Stadt und Land, die einen Vertrag unterschrieben haben und es gibt auch keinen der sich ins Fäustchen lacht, weil er seine Immobilien zu überteuerten Preisen vermieten konnte“. Die Quadratmetermietpreise – 8,85 Euro für das Kloster und 6,95 Euro Grundmiete plus einer Investitionsmiete von 2,20 Euro für den Opti-Park – liegen im normalen Bereich. Ich erziele keinen Übergewinn damit. Ich kann Verantwortung dafür übernehmen, keinen zu übervorteilen und Leistungen pünktlich zu erbringen. Ich kann keine Verantwortung dafür übernehmen, wie die Nutzung durch Stadt und Land nachher aussieht und ob sie nachhaltig sinnvoll ist.

Was entgegnen Sie denjenigen, die kritisieren, Sie würden aus der Flüchtlingsbewegung Profit schlagen, indem Sie ein leerstehendes Objekt wie das Kloster an die Stadt vermieten? 

Das ist – entschuldigen Sie bitte – UNSINN! Um daraus Profit zu schlagen, müsste ich mehr durch die Vermietung als Flüchtlingsunterkunft verdienen, als durch andere Nutzungen. Als Alternativen für das Kloster gab es Angebote an mich für eine Demenzklinik und für ein Internat. Ich hätte unterschiedliche Renovierungskosten gehabt und danach den Mietpreis kalkuliert. Aber viel teurer wäre das sicher nicht geworden und die mir angebotene Miete war vergleichbar und sogar noch langfristiger gesichert. Man kann und darf bei allen Geschäften nachfragen: Hat die Stadt ihre Entscheidung das Kloster zu mieten möglicherweise unter zeitlichem Druck getroffen und/oder weil es einfacher war, mit mir Geschäfte zu machen? Sicher, die Stadt und auch das Land kennt mich bereits als Vermieter, weiss, dass ich verlässlich bin, die nanziellen Mittel habe und auch bei Problemen nicht weglaufe, sondern durchziehe, was zur fristgerechten Fertigstellung notwendig ist. Trotzdem: Leicht gemacht haben sich weder Stadt noch Land die Anmietung. Ich habe deren Betriebswirten meine Kalkulation vor Unterschrift der Verträge offengelegt und mit den geplanten und durch Fachleute der Mieter gegengeprüften Gesamtkosten, ergab sich eine Rendite von 3 % im Kloster und 4% im OPTI Park, bei den von mir angebotenen Mietpreisen.

Sie geben an, dass Sie wirtschaftlich denken und nach wirtschaftlichen Motiven handeln würden. Können Sie sich einen Fall vorstellen, in dem Sie bei einem Immobilienangebot moralische Grenzen überschreiten würden?

Ich bin finanziell und politisch unabhängig und kann es für mich ausschließen. Diejenigen, die ein Geschäft gegen unsere christlichen und/ oder marktwirtschaftlichen Werte nur wegen des kurzfristigen Profits machen, sind anders sozialisiert als ich. Es gibt vier Dinge die ich bei Investitionen – in genau dieser Reihenfolge – betrachte. Alle vier sollten, die ersten drei müssen erfüllt sein. 1. Macht es Sinn? 2. Macht es Stark? 3. Rechnet es sich? 4. Macht es Spaß?

Macht die ländliche Lage des Klosters Sinn?

Ich baue am Kloster entlang des Schuirwegs einen gesicherten, beleuchteten und mit Fuss- gängerampel versehenen Fußweg. Damit ist die nächste Bushaltestelle zu Schulen und zur Innenstadt gefahrlos innerhalb von 5 Minuten erreichbar. Dieser Ausbau liegt nicht in meiner vertraglichen Verp ichtung, aber macht Sinn. Da die Kosten in Höhe von 150.000 Euro von der Stadt –mangels eines Budgets- nicht aufgebracht werden konnten, habe ich entschieden der Stadt Weg und Ampel zu spenden.

Wie erklären Sie sich Stimmen in der Bevöl- kerung, die sich wundern, wieso es stets Sie sind, der die Immobiliendeals bekommt?

Ich bin es nicht immer. Es gibt viele Immobiliengeschäfte, die in und von der Stadt gemacht werden. Ich bin gewiss nicht der „Stadt Essen“ Vermieter. Unter meinen Projekten gibt es repräsentative Gebäude, etwa Philharmonie und Weststadthallen, an denen man sieht, dass ich kontinuierlich mit der Stadt zusammengearbeitet habe. Aber dazwischen liegen viele Projekte von mir, die nichts mit Stadt/Land als Mieter zu tun haben. Im Fall des Opti-Parks, war es beispielsweise nie geplant, dass die Nutzung etwas mit Stadt/Land zu tun haben sollte.

Wie kam denn die Anmietung des Opti-Parks seitens des Landes zustande?

2013 starteten die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Liegenschaft– einem Fonds. Ich hatte nicht sofort mehrere Ideen für die Nutzung. Der OPTI Park besteht aus 7 Bauteilen mit über 20.000 qm Nutz äche. Die Gebäude 1 -3 sind und waren nicht an das Land für Flüchtlinge vermietet. In der Presse sind daher oft nur Gebäude 4-7 gemeint. Als 2014 der Ankauf konkreter wurde, überlegte ich, was ich mit dem Objekt machen könnte. Die ersten Pläne waren, ein Autohaus für Toyota oder moderne Bürogebäude zu bauen, was aber durch zeitintensive Verhandlungen oder Zuschläge an anderen Standorten nicht zustande kam. Im September 2014 stellte ich über einen Zeitungsartikel fest, dass -mit Genehmigung des Verkäufers- Flüchtlinge einziehen sollen. Ich fragte: Wie soll ich das Objekt abreißen, wenn Flüchtlinge einziehen? Dadurch wurde der Kaufpreis günstiger, aber die Verhandlungen mit potentiellen Mietern nicht einfacher. Nach dem Kauf im Mai 2015 –als die Flüchtlinge schon provisorisch untergebracht waren- ging ich auf die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde zu. Ich habe uns als neue Eigentümer vorgestellt und erklärt, dass es schwierig ist, die leeren Flächen von 8.500qm mit der Asylunterkunft in der Liegenschaft zu vereinbaren.

„Ich bin finanziell und politisch unabängig“

Ich war nicht an der Verlängerung des Mietverhältnisses interessiert, aber bereit, es für eine begrenzte Übergangszeit zu dulden. Im Oktober hätte geräumt werden müssen, aber wegen des kommenden Winters und des Neubaus am KUTEL, in das die Menschen umziehen sollten, habe ich auf Bitten von Stadt/Land Zeit für einen geordneten Umzug bis zum Frühjahr gegeben und deut- lich gemacht : Eigentlich möchte ich, dass ihr spätestens im Frühjahr auszieht, denn es gibt andere Pläne. Wollt ihr nicht ausziehen, müsst ihr auch den übrigen Leerstand in den von Euch genutzten Gebäuden mieten, denn den kann ich so nicht vermieten. Das funktioniert weder für eine ZUE noch für uns. Mein Angebot im Mai 2015 war ein 10-Jahresvertrag zu 6,95 Euro Grundmiete für die gesamten Bauteile 4 bis 7, mit der Bereitschaft, nicht Verpflichtung, 

 zum Bau von Mensa, Duschhaus, Renovierung der Einheiten, für eine Investitionsmiete von 2,20 Euro pro qm. Die Bezirksregierung hat das Angebot –nach ausreichender Prüf- und Bedenkzeit – im September 2015 unterschrieben.

Bestehen Ihrerseits Verbindungen in Politik /Verwaltung, die abseits eines wirtschaftlichen Wettkampfes bei dem Zuschlag mancher Deals behilflich sind?

Nein, die bestehen nicht.

Sie bezeichnen die Anmietung des Klosters seitens der Stadt als ökonomisch und politisch vernünftige Entscheidung. Weshalb?

Politisch, weil man im Essener Süden eine dauerhafte Einheit der Stadt politisch gewollt hat. Wenn man
das auf der Ebene der Politik – im Rahmen der gerechteren Lastenverteilung zwischen Nord und Süd möchte, macht die Anmietung des Klosters zweifellos Sinn. Bezüglich des Ökonomischen: Städte haben institutionenökonomi- sche Nachteile, unterliegen einem Regelwerk im Sinne der öffentlichen Hand. Regeln zur Vergabe von Bauleistungen, bilden ein starres Korsett. Wenn die Stadt 3 Angebote hat, muss sie das Billigste nehmen. Ich kann dem günstigsten Anbieter sagen: Sie sind noch zu teuer, wenn Sie es nicht preiswer- ter anbieten, suche ich mir einen Vierten, Fünften. Eine Verwaltung ist nicht optimal geeignet, um wirtschaftliche Tätigkeiten auszuüben. Besonders bei Umbauvorhaben: Bauen im Bestand erfordert schnelle Entscheidungen. Bei Unvorhergesehenem entscheiden städtische Bauabteilungen rückgedeckt über Ratssitzungen mit Vorlagen und Sachverständigen, was Zeit kostet und sehr hinderlich sein kann.

Konkret: Wie ist es beim Kloster?

Entweder: Die Stadt kauft das Kloster für 4 Mio. Euro und baut für mind. 8 Mio. Euro um. Neben dieser
Investition von 12 Mio. muss man für Unterhaltung der nächsten 15 Jahre etwa 1,5 Mio. und 2,7 Mio. Euro für Zinsen kalkulieren. Diesen 16,2 Mio. Euro stehen Mietkoten von 15 Mio. Euro gegenüber. Es bleibt die Frage: Was kann die Stadt nach 15 Jah- ren mit dem Objekt tun? Braucht sie eine komplette Abschreibung des Geländes ? Gibt es Leerstand mit Instandhaltungskosten? Werden weitere Nutzungen durch Landschaftsschutz eingeschränkt? Oder: Der Stadt sind es die 3 %, die ich planmässig p.a. verdiene, wert, dass ich Risiko für Umbau und Unterhaltung übernehme und alles vorfinanziere. Was die nachhaltige Nutzung angeht, fragte ich vorab: Sind Sie sicher, dass die Stadt das Kloster bei sinkenden Flüchtlingszahlen solange braucht? Die Antwort: Wir haben viele abgängige Einheiten, die uns in den letzten 15 Jahren teuer zu stehen kamen. Die werden wir dafür aufgeben, um in einer größeren Einheit bessere Leistungen zu günstigeren Preisen zu erbringen.

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