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Montag, 11. December 2017
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AfD-Angriff auf Sozi-Herzkammer: 140 Plakatwände mit Guido Reil

VON JÖRAN STEINSIEK UND PASCAL HESSE*

Die ‚Alternative für Deutschland‘ (AfD) will es bei der NRW-Landtagswahl wissen: In der einstigen SPD-Hochburg Essen wirbt sie flächendeckend mit ihrem Arbeiterklasse-Aushängeschild, dem Ex-Sozialdemokraten und Direktkandidaten Guido Reil. Er tourte in den verganenen Wochen und Monaten medienwirksam für Vorträge und zu Talkshow-Auftritten bundesweit durchs Land. Wie der INFORMER nun exklusiv erfuhr, spendiert die Partei ihrem Listen- und Direktkandidaten alleine in Essen bis zu 140 Großflächenplakte mit der Steiger-Folklore — eine Anspielung auf seinen Beruf. Denn Guido Reil ist Bergmann, bislang tätig im Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop.

Plakate schlagen in Essen mit etwa 56.000 Euro zu Buche


Foto: Jöran Steinsiek (INFORMER)

Angesprochen auf die Plakataktion gibt sich Guido Reil unwissend: „Ich weiß nicht genau, mit wie viele Großflächenplakate die Partei plant.“ AfD-Pressesprecher Michael Schwarzer ist da auskunftsfreudiger. Er bestätigt: Es seien etwa 120 bis 140 Plakate. Was die in der heißen Wahlkampfphase kurz vor der Wahl  groß angelegte Aktion kostet? Diese Frage kann oder mag Michael Schwarzer nicht beantworten. In Essen können derartige Plakate über die STRÖER Deutsche Städte Medien GmbH gebucht werden. Nicht jeder Standort ist für politische oder religiöse Themen zu haben und muss mindestens für zehn Tage gebucht werden. Ein Blick auf die Internetseite von STRÖER zeigt: Der günstigste in Frage kommende Standort in Essen kann vom 5. Mai an bis zur Landtagswahl für 9,60 Euro pro Tag gebucht werden; der teuerste kostet 79,30 Euro pro Tag. Legt man einen mittleren Betrag von 40 Euro Plakat und Tag zu Grunde, schlägt die Großflächen-Aktion der AfD alleine für die Essener Steiger-Plakate von Guido Reil mit rund 56.000 Euro zu Buche. Woher die notwendigen Mittel dafür kommen, will der INFORMER von Schwarzer erfahren. „Die Großflächenplakate werden hauptsächlich durch Spenden finanziert“, sagt der AfD-Sprecher.

NRW-weit würden überdies verschiedene Motive auf Großflächenfür die AfD werben, hier vor allem mit ihrem Spitzenkandidat Marcus Pretzell. Schweizer spricht von „einer deutlich vierstellige Zahl“ an Großflächenplakaten. Davon ausgehend, dass es am Ende landesweit lediglich 4000 Standorte sind, würden hier Kosten von 40 Euro pro Plakat und Tag im gleichen Zeitraum etwa 1,6 Millionen Euro aufrufen. Nähere Angaben zur Anzahl der Plakatstandorte und den Kosten will die AfD jedoch auf Nachfrage nicht machen.

Wahlkreis: Reil will SPD-Chef Kutschaty verhindern


Ab dem 5. Mai seien die AfD-Großflächenplakate in Essen gebucht, bestätigen Schweizer und Reil. Der AfD-Mann aus Essen will bei der Landtagswahl am 14. Mai unter allen umständen in das nächsten nordrhein-westfälische Landesparlament einziehen. Auf der Landesliste der NRW-AfD belegt Reil den eher aussichtslosen 26. Platz. Um ein Mandat zu erringen, müsste er den Wahlkreis direkt holen. Somit müsste Reil vor allem einen seiner alten Mitstreiter schlagen: Essens SPD-Chef und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, der ebenfalls im Landtagswahlkreis 65 (Essen I — Mülheim II)  antritt. Weitere Kandidaten sind Christiane Moos (CDU), Dr. Thorsten Drewes (Grüne), Klaus Gräber (FDP), Jasper Prigge (Die Linke), Siw Mammitzsch (DKP) und Christa Stark (MLPD). Zuletzt polarisierte Guido Reil erst am 1. Mai: Unter Polizeischutz nahm der AfD-Mann an der traditionellen Kundgebung der Gewerkschaften zum ‚Tag der Arbeit‘ in Essen teil — und wurde „als Nazi und Rassist beschimpft, so der Politiker. Am Ende musste eine hinzugerufene Hundertschaft der Polizei eingreifen und für Ruhe sorgen.


*Anmerkung der Redaktion: Pascal Hesse ist unabhängig von seiner Tätigkeit als Redakteur des INFORMER ebenso als angestellter Bundespressesprecher der Piratenpartei Deutschland in Berlin tätig. Die Redaktion achtet auf die strikte redaktionelle Trennung beider Tätigkeiten.

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