Vernetzen:
Montag, 11. December 2017
StartseitePolitikUNTER POLITIKERN: Fabian Schrumpf – Der junge Familienvater

UNTER POLITIKERN: Fabian Schrumpf – Der junge Familienvater

Mit gerade einmal 35 Jahren gehört Fabian Schrumpf zu den jüngsten Kandidaten der Landtagswahl. Sich selbst beschreibt er als Familienvater. Wie junge Familie und Politik zusammenpassen, hat er hinter den Kulissen verraten. 
 
VON MARIE ILLNER UND JÖRAN STEINSIEK (FOTO)
Schon bevor ich Fabian Schrumpf am Lucas in Essen Kupferdreh treffe, lächelt er mir an der Autobahnabfahrt entgegen. Ein Riesenplakat, 3-4 Meter hoch, auf dem er leicht staatsmännisch im Anzug posiert, hat er da platziert. „Ich wollte mal was besonders machen“, gibt er wenige Minuten später zu und lächelt sympathisch. Genau wie auf dem Plakat trägt er einen Anzug, ein weißes Hemd mit Manschettenknöpfen und eine blaue Krawatte. Fabian Schrumpf ist nervös, reibt sich seine Hände und hält Ausschau nach einem großen Bus. „Armin Laschet kommt gleich, aber ich weiß nicht, ob der Wahlkampfbus unter der Brücke durchpasst“, sagt er. Auf dem Kopfsteinpflaster vor dem alten Bahnhof läuft er ein bisschen auf und ab, begrüßt ankommende Gäste, die sich in Trauben zusammen finden und ebenfalls auf Laschets Ankunft warten. „Welches Profil würdest du dir selbst geben?“, frage ich Schrumpf nebenbei. „Der junge Familienvater“, antwortet der 35-Jährige und lächelt wieder. Dass er mit erst 35 für den Landtag kandidiert, gefalle nicht allen Menschen. „Da habe ich schon mal doofe Kommentare bekommen, oder etwas hinter meinem Rücken gehört“, erzählt er. Den Stolz hört man aus seiner Stimme, sobald er über seine Familie spricht. „Meine Tochter Marlene ist jetzt zweieinhalb, die nächste ist schon unterwegs. Errechneter Geburtstermin ist drei Wochen nach der Landtagswahl“, erzählt Schrumpf mit strahlenden Augen. Marlene zeige bei Autofahrten immer auf seine Plakate und rufe „Papa!“. Das Strahlen in seinen Augen schwindet ein wenig, als er sagt: „Marlene soll aber wissen, dass es ihren Papa nicht nur auf dem Plakat gibt“. Er versuche seine hochschwangere Frau so gut es gehe zu unterstützen. „Ich bringe die Kleine zum Beispiel morgens in den Kindergarten“.
 
Wichtigste Themen: Sicherheit und Sauberkeit
 
 Der Platz vorm Lucas füllt sich weiter. Es ist ein freundlicher Frühlingsabend, aber die Sonnenstrahlen wärmen noch nicht. „Du blutest “, sage ich und deute auf  seine rechte Hand. „Oh, das muss vom Plakate-Aufhängen kommen“, sagt er und wischt sich das Blut ab. „Ich will mein Team ja auch tatkräftig unterstützen“, erklärt er dabei. Ich möchte wissen, was seine wichtigsten politischen Themen sind. „Sicherheit und Sauberkeit“, antwortet mir Schrumpf wie aus der Pistole geschossen auf eine Frage, die ihm bestimmt nicht zum ersten Mal gestellt wird. „Erst neulich wurden bei uns in der Straße mehrere Autos aufgebrochen und Lenkräder samt Airbags gestohlen“, berichtet er. „Das muss doch ein komisches Gefühl sein, sich ins Auto zu setzen und ins Leere zu greifen, oder?“, fragt er und hält weiter Ausschau nach dem Bus. „Aber das kommt gleich auch in meiner Rede vor, also nicht weitersagen“, lacht er. „Wie bist du eigentlich zur CDU gekommen?“, interessiert mich. „Wir waren ein ziemlich politischer Jahrgang. Viele meiner Mitschüler sind irgendwann zur SPD gegangen, weil ich aber schon immer etwas konservativer war, habe ich die Junge Union Kettwig mit einem Freund wieder gegründet“, erklärt Schrumpf. Sein Wahlkampfleiter Nils kommt mit einer Kamera um den Hals auf uns zu. „Was ist Fabian Schrumpf so für ein Typ?“, frage ich ihn. „Er ist locker. Ich erinnere mich noch, wie er Vorsitzender der JU war, als ich mit 14 eintrat“, antwortet er und grinst Schrumpf an. Der hält noch immer Ausschau nach dem Bus. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt“, sagt er jetzt auch selbst. „Wie hast du dich denn auf die Themen für die Landtagswahl vorbereitet?“ bohre ich weiter. „Viel Radio hören. Das ist wichtig“, meint Schrumpf. In das Thema Medienpolitik habe er sich erst einmal einarbeiten müssen, von Sendelizenzen habe er im vorab keine Ahnung gehabt. 
 
Laschets Tipp: So viele Hände wie möglich schütteln
 
Kurz nachdem Schrumpf noch einen Blick auf die Uhr wirft, fährt der Bus von Laschet vor. CDUler, JUler, Kandidaten, Besucher und Fotografen bewegen sich karawanenartig darauf zu. In einem anderen Land als Deutschland könnte das Szenario einer Lieferung der nächsten Nahrungsrationen ins Kriegsgebiet entsprechen. In die Menschenmenge tritt nun Armin Laschet. Er trägt einen Anzug, ein weißes Hemd und eine blaue Krawatte – genau wie Schrumpf. In Begleitung der Zuschauer steuert Laschet auf den Kulinarischen Bahnhof zu. Die Plätze füllen sich schnell, die Atmosphäre ist hitzig und laut. Die meisten sind aufgeregt: Weil sie gleich eine Rede halten, weil sie Armin Laschet zum ersten Mal sehen, weil sie keinen Platz bekommen haben oder weil sie noch einen weiteren Termin im Nacken haben. Schrumpf sitzt an seinem Platz und probiert verschiedene Sitzpositionen aus. Ich sehe, wie er tief durchatmet. Armin Laschet setzt sich neben ihn. „Herr Laschet, welchen Tipp können Sie Herrn Schrumpf als so jungem Kandidaten geben?“ frage ich ihn im Trubel. Laschet lächelt zunächst einmal nur zurück. „Ich war selbst erst 32, als ich zum ersten Mal für den Bundestag kandidiert habe“, beginnt er. „Also mein wichtigster Tipp jedenfalls: So viele Menschen wie möglich treffen. So viele Hände wie möglich schütteln“, führt er aus. Schrumpf hört aufmerksam zu. Dann nimmt die laute Geräuschkulisse zu einem Hintergrundgemurmel ab, einer der ersten Redner tritt ans Pult und spricht ein Begrüßungswort. Schrumpf verfolgt konzentriert das Geschehen, zwinkert mir aber zwischendurch zu.  Als er kurze Zeit später selbst ans Rednerpult tritt meine ich zu sehen, wie seine Hände leicht zittern. 
 
Deutschaufsatz statt Kampfansage
 
„Der Essener Süden liegt mir am Herzen. Er ist meine Heimat“, beginnt er seine Rede. „Ich stehe hier, weil ich gerne Verantwortung übernehmen möchte“, fährt er fort. Das klingt nicht nach Kampfansage, sondern nach Deutschaufsatz, aber Schrumpf wirkt offen und herzlich dabei. Seine anfängliche Nervosität weicht zunehmender Sicherheit. Für sein Diebstahl-Beispiel mit geklauten Lenkrädern erntet er Beifall. Nach seiner Rede setzt er sich wieder. Laschet erhebt sich, wirft einen Blick auf einen kleinen Notizzettel und beginnt über die Essener Wirtschaft zu sprechen. Auch wenn der Klassenunterschied zwischen den beiden Reden auffällt, findet sich schnell eine Gemeinsamkeit: „Ich musste heute um 5 Uhr aufstehen, wir sind um 6:30 in Düsseldorf losgefahren. Ganz schön anstrengend“, plaudert Laschet. Schrumpf schiebt ihm ein Wasserglas rüber. Er hat mir vorher erzählt, dass er um 19:30 Uhr bei einer Podiumsdiksussion in Essen Werden sein muss. Der Stress scheint auf mich abgefärbt zu haben, ich drehe mein Handgelenk, um das Ziffernblatt meiner Uhr sehen zu können: 19:15 Uhr. Schrumpf hört immer noch Laschet zu. Direkt nachdem er seinen Schlusssatz gesprochen hat und den Raum verlässt, springt auch Schrumpf auf. Vor dem Lucas reißt er sich seine blaue Krawatte ab und poltert hektisch über den Asphalt. „Ich muss in zehn Minuten bei der Podiumsdiskussion sein!“, ruft er und lüftet sein Jackett. Für ein letztes Foto mit Laschet lächelt er in die Kamera, dann springt er mit Wahlkampfleiter Nils ins Auto. Ich fahre hinterher, vor uns rast das Auto der CDU und hält sich gerade noch an die Verkehrsregeln. In der Aula des Mariengymnasiums, in der die Podiumsdiskussion stattfindet, scheint der Stress äußerlich verflogen zu sein.. Der Moderator fragt etwas zur Integration in NRW, Schrumpf ist schnell im Thema. Er spricht über mehr Verbindlichkeit und seine Ideen, wie Integration gefördert werden kann. Während die anderen Kandidaten antworten, macht er sich Notizen, blättert durch Unterlagen. Auch im Themenkomplex „Strukturwandel im Ruhrgebiet“ kann er mit Hintergrundwissen punkten. Schrumpf antwortet, geht auf Kritik ein, macht sich Notizen, hört zu. Und blickt auf die Uhr. Ob er sich fragt, ob Marlene schon schläft?
print

Kommentare

Teilen