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Montag, 11. December 2017
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Asylheim: Genossen erheben erneut Vorwürfe gegen Gabriel

Der Lokalpolitiker und Asylheim-Vermieter Arndt Gabriel steht abermals in der Kritik. Nach der SPD-Ratsfraktion feuert nun ein Ortsverein gegen den Ratsherrn. Er sei unkooperativ und lasse seine übrigen Mieter, Aktive einer Kulturinitiative, mit zahlreichen Problemen im Regen stehen. Die Genossen wollen die Existenz der Initiative nicht noch weiter gefährdet wissen und fordern Gabriel auf, umgehend zu handeln.

Von Pascal Hesse*

Für den Chef der ‚w-sale Immobilien GmbH‘ und Lokalpolitiker Arndt Gabriel spitzt sich die Situation immer mehr zu: Zieht er die w-sale-Immobilie an der Münchener Straße nicht in Kürze leer, kann er seinen Vertrag gegenüber der Stadt Essen nicht erfüllen. Diese will im Gebäudekomplex eine Flüchtlingsunterkunft für 450 Personen zu errichten. Laut Medienberichten ist sie jedoch nunmehr daran interessiert, den Vertrag vorzeitig zu lösen. Gabriels Geschäftsgebaren brachte ihn innerparteilich ins Abseits. Der Ratsherr flog sogar aus der SPD-Fraktion.

In einem aktuellen Schreiben des SPD-Ortsvereins (OV) Holsterhausen, das der Redaktion vorliegt, geht der Vorsitzende Benno Justfelder mit dem Genossen schwer ins Gericht. „Wir Sozialdemokraten sind sehr erzürnt über Ihr Verhalten als Vermieter der Immobilien in der Münchener Straße, die zu Flüchtlingsunterkünften umgebaut werden“, schreibt Justfelder, seit 45 Jahre Mitglied der SPD. Anders als üblich, verzichtet er auf das Duzen unter Genossen und siezt Arndt Gabriel durchgängig.

Justfelder berichtet vom Besuch einer Kulturinitiative in der Münchener Straße: „Die Organisatoren berichteten von ihren Schwierigkeiten mit ihrem Vermieter im Hinblick auf die Nutzungsmöglichkeiten für Musik- und Tanzproben und -kurse bei gleichzeitiger Umbautätigkeit des Hauses zur Nutzung als Flüchtlingsunterkunft.“ Die Immobilie gehört Gabriels w-sale. Bei der nicht näher benannten Initiative handelt es sich um das ‚Casa Pelodum‘, ein interkulturelles Begegnungszentrum für Musik-, Tanz- und Kunst-Begeisterte sowie Brasilien-Interessierte. Das Künstlerkollektiv, bestehend unter anderem aus Absolventen und Dozenten der Folkwang Musikschule und der Folkwang Hochschule, belegt die ganze obere Etage, erreichbar über den Eingang an der Gewerbehofstraße 10. „Es ist für mich sehr schwierig, mich dazu zu äußern“, macht Ina da Silva, die Koordinatorin der Initiative, nach zahlreichen Kontaktversuchen telefonisch klar. Sie wirkt eingeschüchtert und ängstlich.

„Sehr deutliche Kritik“ an dem Vermieter und Ratsherrn

„Die Situation seit über einem Jahr ist schwierig genug für uns; wir möchten sie nicht noch verschlimmern“, betont die gebürtige Münchenerin. Gemeinsam mit ihrem Mann Danilo hat sie die Initiative über viele Jahre mühevoll aufgebaut. „Wir brauchen einen Arbeitsplatz und Stabilität für alle unsere Künstler und dafür kämpfen wir seit über einem Jahr“, sagt sie verhalten. Über Repressalien und Schikanen, von der ihre Initiative betroffen sein soll, mag sie nicht reden. Da Silva: „Dazu sage ich nichts.“

Die Nutzer des Gebäudekomplex‘ hätten sich, so schreibt Benno Justfelder weiter in seinem Brief, mit der neuen Situation arrangiert – etwa mit Angeboten für Flüchtlinge. So wird gelebte Integration in die Gemeinschaft des Stadtteils ermöglicht. Justfelder: „Die Nutzer (…) hofften auf eine Zusage Ihrerseits [Anm. d. Redaktion: gemeint ist Gabriel], dass sie in ein naheliegendes Gebäude in der Schederhofstraße umziehen könnten.“ Bei einem weiteren Besuch von Genossen sei davon allerdings keine Rede mehr gewesen. So habe man „sehr deutliche Kritik“ an dem Vermieter und Ratsherrn von den im Haus Aktiven zu hören bekommen. Der bisherige Gebäudekomplex sei nur noch eingeschränkt zugänglich, ein Umzug in das nahestehende Gebäude aufgrund angeblich fehlender Renovierungsarbeiten kaum möglich.

Wurden Strom, Wasser und Internet abgestellt?

SPD-Ratsherr Arndt Gabriel.

Chef der ‚w-sale-Immobilien GmbH‘ ist Arndt Gabriel.

Wie aus dem Künstlerumfeld zu hören ist, sollen im Gebäudekomplex Schlösser ausgetauscht, Strom, Wasser und das Internet zeitweise abgestellt worden seien. Wer dafür verantwortlich ist, sei unklar. Justfelder wirft Gabriel vor, auf Zeit zu spielen und kein Interesse daran zu haben, eine angemessene Lösung herbeizuführen: „Wir hingegen haben ein hohes Interesse, diese einzige kleine Kulturinitiative im Stadtbezirk zu erhalten.“ Seit dem Abriss des Jugendzentrums in der Papestraße fehle es dem Essener Westen an einer Kultureinrichtung, wie sie in anderen Stadtteilen zu finden sei. Der OV-Vorsitzende wird noch deutlicher und fordert Gabriel auf, sofortig tätig zu werden, um den Schaden für alle Beteiligten nicht noch weiter auszuweiten. „Wir fordern Sie auf, Ihre Zusagen einzuhalten und die Existenz der Kulturinitiative nicht noch weiter zu gefährden. Sollten Sie sich weiterhin unkooperativ verhalten, die Initiative angesichts des Schadens kapitulieren (…), wäre wieder einmal bewiesen, dass sich Ihr Geschäftsgebaren nicht mit sozialdemokratischen Werten vereinbaren lässt“, so Justfelder.

In einem Antwortschreiben Gabriels an den Ortsverein, das dem INFORMER vorliegt, bittet er Justfelder darum, „schutzwürdigende Interessen“ zu berücksichtigen. Auf die vorgebrachten Vorwürfe geht er in diesem Schreiben nicht ein.

 

*Anmerkung der Redaktion: Pascal Hesse ist unabhängig von seiner Tätigkeit als Redakteur des INFORMER ebenso als angestellter Bundespressesprecher der Piratenpartei Deutschland in Berlin tätig. Die Redaktion achtet auf die strikte redaktionelle Trennung beider Tätigkeiten.
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