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Mittwoch, 23. August 2017
StartseiteGesundheitZwei-Klassen-Medizin bei Rückenschmerzen? Studie zeigt: Private und gesetzlich Versicherte haben ähnliche Chancen.

Zwei-Klassen-Medizin bei Rückenschmerzen? Studie zeigt: Private und gesetzlich Versicherte haben ähnliche Chancen.

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, für das es eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten gibt. Sie reichen von der Akupunktur bis hin zur OP. Welche Methode jeweils den größten Erfolg verspricht, das sollte der behandelnde Arzt in Absprache mit seinem Patienten klären. Fast alles, was medizinisch geboten scheint, wird von der Krankenkasse bezahlt. Das gilt sowohl für die gesetzlichen Kassen als auch für private Krankenversicherungen. Dennoch: Haben gesetzlich Krankenversicherte die gleichen Chancen, einen gesunden Rücken zu bekommen bzw. zu behalten, wie privat Versicherte? Eine wissenschaftliche Studie von FPZ: Deutschland den Rücken stärken sagt ja und erteilt der vielzitierten Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland – zumindest in diesem Segment der medizinischen Behandlung – eine Absage.

Für die Behandlung von Krankheiten, und damit auch von Rückenschmerzen, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung viele Kosten. Dazu zählen unter anderem Medikamente, eine ärztliche Behandlung beim niedergelassenen Arzt und im Krankenhaus und sogenannte Heilmittel. Auf welche Leistung man Anspruch hat, hängt davon ab, ob die Maßnahmen „notwendig, ausreichend und zweckmäßig“ sind, die Rückenschmerzen zu therapieren. Darüber hinaus müssen die Maßnahmen wirtschaftlich erfolgen. Die Kassen dürfen also nicht unnötig teure Leistungen übernehmen.

Andere Regeln in puncto Kostenübernahme …

Auf bestimmte Behandlungen haben jedoch alle gesetzlich Versicherten einen Anspruch. Dazu zählen bei Rückenschmerzen Arzneimittel, Operationen und Heilmittel wie Krankengymnastik, Chirotherapie, medizinische Bäder, Wärme- und Elektrotherapie oder Massagen. Diese Heilmittel dienen dazu, Rückenschmerzen zu lindern und Verschlechterungen zu vermeiden. Die Maßnahmen muss aber immer ein Arzt verordnen. Außerdem zahlen die Kassen nur solche Heilmittel, deren therapeutischer Nutzen erwiesen ist. Und volljährige Patienten müssen zudem – ähnlich wie bei Arzneimitteln – einen gewissen Teil der Kosten übernehmen. Die Zuzahlung beträgt zehn Prozent der Kosten des Heilmittels. Hinzu kommen zehn Euro je Verordnung. Diese kann mehrere Anwendungen umfassen und gilt für 14 Tage.

Für privat Versicherte gelten andere Regeln. Sie sind maßgeblich davon abhängig, was der Vertrag mit der privaten Krankenversicherung abdeckt. Da die Bedingungen der Versicherer insbesondere bei den Privaten sehr verschieden sind, sollte der Patient das Kleingedruckte studieren, ehe er es mit einer vielleicht eher zu exotischen Behandlungsmethode versucht.

… aber keine Unterschiede beim Behandlungserfolg.

Ob man nun aber privat oder gesetzlich krankenversichert ist, wirkt sich auf den Behandlungserfolg indes nicht aus. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle FPZ-Studie. Mit ihren kooperierenden Ärzten, Rückenzentren und Kostenträgern bildet die FPZ mit Zentralsitz in Köln ein bundesweites Netzwerk der Rückenexperten. Das Unternehmen erforscht, entwickelt und vermarktet wirksame Präventions- und Therapieprogramme zur individuellen Verbesserung der durch Bewegungsmangel verursachten Funktionsverluste und zur Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit Rückenschmerzen.

Für die Untersuchung zu ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler bundesweit erhobene Daten von 16.141 Patienten aus den Jahren 2010 bis 2015 aus mehr als 200 deutschen Rückenzentren ausgewertet. Die Vergleichbarkeit der beiden untersuchten Patientengruppen PKV (Private Krankenversicherung) und GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) wurde zusätzlich gewährleistet, weil für die Erhebung nur diejenigen Patienten berücksichtigt wurden, die aufgrund fachärztlicher Verordnung an der Therapie teilgenommen haben.

Die Studie zeige eindeutig, dass bei einer standardisierten Behandlung die Chance auf Behandlungserfolg nicht von der Versicherungsform abhängig ist. Während Privatversicherte eine längere Behandlung bekommen und aufgrund des weniger restriktiven Modells mit der eigenen ‚Disziplin‘ zu kämpfen haben, führt die Stringenz durch die weisungsgebundene Anwendung bei gesetzlich Versicherten zu leicht besseren Therapieresultaten. So erreichen beide Gruppen, trotz unterschiedlicher Ausgangslage am Ende ein vergleichbares Ergebnis. Zumal es nämlich privat versicherten Patienten in der Regel zu Beginn der Therapie nicht ganz so schlecht geht wie gesetzlich Versicherten. Im Schnitt leiden übrigens beide Probandengruppen vor Aufnahme der FPZ Therapie rund neun Jahre an Rücken- bzw. ca. sieben Jahre an Nackenbeschwerden.

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