Der Dicke mit der Bombe

Nordkorea will als Atommacht anerkannt werden

Mit dem offenbar erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe hat Nordkorea den Druck auf die internationale Staatenwelt erhöht, das Regime in Pjöngjang als Kernwaffenstaat anzuerkennen. Noch im Januar 2016 bezweifelten Fachleute die Behauptung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, bereits eine mit Tritium angereicherte Wasserstoffbombe mit der vielfachen Sprengkraft einer Atombombe gezündet zu haben. Jetzt brüstet sich der pausbäckige Diktator stolz im Kreis seiner Raketen-Experten auf einem Foto, das angeblich den Sprengkopf der Bombe zeigt.

Um die vom UNO-Sicherheitsrat verbotenen Atom- und Raketentests schert sich das abgeschottete Regime im Norden der koreanischen Halbinsel keinen Deut. Voller Hohn und mit martialischen Parolen provoziert es nicht nur die etablierten Atommächte USA und China. Nordkorea heizt auch das Wettrüsten am gefährlichsten Brandherd der Weltpolitik an. Besonders in Südkorea und Japan schrillen die Alarmglocken und beflügeln die Diskussion um eine atomare Aufrüstung. Vorerst kündigen die Regierungen in Seoul und Tokio die Modernisierung ihrer Raketenabwehr und den Kauf des amerikanischen Thaad-Systems an, um den Provokationen des Regimes in Pjöngjang begegnen zu können.

Nach den erfolgreichen Tests seiner Hwasong-14- Raketen verfügt Nordkorea früher als von westlichen Geheimdiensten erwartet jetzt über Interkontinentalraketen (ICBM). Und es ist nur eine Frage der Zeit, bevor die Nuklearsprengköpfe auf den ICBM so verkleinert und abgeschirmt werden können, um die glühende Hitze des Wiedereintritts in die Atmosphäre und mögliche Abwehrmaßnahmen überstehen. Damit lägen Los Angeles, Chicago oder Washington in Reichweite Nordkoreas.

Kim Jong-un, der Dicke mit der Bombe, ist ein kühl kalkulierender Stratege. Anders als der von seinen Bauchgefühlen geleitete US-Präsident Donald Trump verfolgt er ein klares Ziel: Der dritte Spross der Kim-Dynastie will das Überleben seines Regimes sichern, als Atommacht unangreifbar werden und darüber auf Augenhöhe exklusiv mit den USA verhandeln. Statt auf einen Regimewechsel in Pjöngjang zu spekulieren und auf die Wirkung immer schärferer Sanktionen zu hoffen, müssen die USA, Südkorea, Japan, Russland und China eine Strategie entwickeln, um mit der nuklearen Bedrohung Nordkoreas umzugehen. Zu glauben, der mächtige Nachbar und Handelspartner China könne (und wolle) das Kim-Regime stürzen, bleiben eine Illusion. Es hat wohl vergebliche Versuche aus Peking gegeben, einen Regimesturz in Pjöngjang herbeizuführen. Doch Chinas eisiges Verhältnis zu seinem sperrigen Nachbarn wird längst von den Beziehungen zu den USA geleitet: Das Reich der Mitte hat die Sanktionsschraube angezogen, sucht aber zugleich den amerikanischen Einfluss in Asien einzuhegen.

Neben den Sanktionen bedarf es deshalb einer Verhandlungsstrategie ohne einseitige
Zugeständnisse. Die Staatengemeinschaft wird vorerst mit der Atommacht Nordkorea leben müssen.
Ein Regimewechsel dort wird nicht von außen, sondern nur von innen kommen.

Richard Kiessler

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