Vernetzen:
Mittwoch, 18. October 2017
StartseitePanoramaU19 aus Vogelheim wirbt für das Miteinander der Kulturen

U19 aus Vogelheim wirbt für das Miteinander der Kulturen

Junge Menschen die gemeinsam ein Ziel verfolgen: die U19 des Vogelheimer SV. (Foto: Christoph Bubbe)

 

Als erste deutsche Fußballmannschaft laufen die A-Junioren des VSV mit dem Logo der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft auf.

Ein Beitrag von Lars Riedel

Im September mussten sich die A-Junioren des Vogelheimer Sportvereins (VSV) in einem packenden Spiel um den Kreis­pokal letztlich im Elfmeterschießen der U19 vom ESC Rellinghausen geschlagen geben. Damit könnte diese Meldung auch schon zu Ende sein. Aber nicht nur auf dem Platz lieferten die jungen Kicker des VSV einen starken Auftritt ab. Erstmalig setzten sie auch ein deutlich sichtbares Zeichen für das friedliche Miteinander der Kulturen. Im Beisein von Rudolf Jelinek, 1. Bürgermeister der Stadt Essen, der Bundestagsabgeordneten Jutta Eckenbach sowie den Essener Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU Rainer Marschan und Jörg Uhlenbruch erhielten die jungen Spieler kurz vor Anpfiff ihre neuen Trikots. Das Besondere dabei: Sie zieren das Logo der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft (DAGeV). „Damit werden die A-Junioren künftig bei Heim- und Auswärtsspielen zeigen, dass die Freundschaft zwischen verschiedenen Kulturen keine Grenzen kennt“, so DAGeV-Präsident Elias Omar.

Hatten allen Grund zur guten Laune: Die Verantwortlichen des Vereins, der Mannschaft, des Essener Sportbundes, der DAGeV und der Essener Politik bei der offizielle Vorstellung der neuen Trikots und Bälle. (Foto: Christoph Bubbe)

Der Vogelheimer SV verfügt über elf Jugend-, drei Senioren- und zwei Altherrenmannschaften. Damit zählt der VSV zu den Großvereinen im Essener Norden. „Schon aufgrund der Struktur des Stadtteils ist in unserem Verein der Mitgliederanteil mit Migrationshintergrund groß“, erklärte VSV-Geschäftsführer Markus Brinkmeier vor der offiziellen Trikot-Übergabe. „Etwa 75 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche mit einem Migrationshintergrund. Fast ein Viertel von ihnen sind zudem auch nicht in unserem Land geboren – darunter viele aus Afghanistan, Schwarzafrika, Syrien und Bosnien.“ Dem Vereinsleben schadet es nicht, bereichert es eher.

Mannschaftssport als Brückenbauer

„Gerade die jüngeren Generationen machen uns Älteren oft vor, wie leicht es eigentlich ist, über ein festgefahrenes Weltbild hinwegzusehen“, findet DAGeV-Präsident Elias Omar. Er selbst kam 1989 im Alter von 14 Jahren ohne die Familie von Afghanistan nach Deutschland und fand ebenfalls einen Anker im Vereinssport. „Bei mir war es allerdings nicht König Fußball, sonderen der Handball.“

DAGeV-Präsident Elias Omar. (Foto: Christoph Bubbe)

Heute steht Omar als Gründungsmitglied und Präsident der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft vor – kurz DAGeV. Mit Sitz in Essen, Berlin und Kabul sowie einer Repräsentanz in Masar-e Scharif setzt sich der gemeinnützige Verein für die Entwicklungshilfe in Afghanistan sowie für die Schaffung und den Ausbau bilateraler Beziehungen zwischen Deutschland und Afghanistan ein. Vor allem will er die menschlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschen und Afghanen festigen und weiterentwickeln.

Vor diesem Hintergrund entstand auch die Idee, mit dem Logo der DAGeV für das friedliche Miteinander unter den Kulturen beim Lieblingssport Nr. 1 in Deutschland zu „werben“. „Besonders im Mannschaftssport zeigt sich, dass ein gemeinsames Ziel wichtiger ist als die Herkunft des Einzelnen“, so Omar. Mit dem Vogelheimer SV und dessen Ausstatter, der Firma FossFour, fanden sich auch schnell offene Ohren für diese Aktion. Und so laufen die A-Junioren des VSV künftig bei Heim- und Auswärtsspielen mit dem DAGeV-Logo auf der Brust auf und kicken mit Bällen, die ebenfalls das Logo der Gesellschaft tragen.

Bürgermeister Jelinek: eine „vorbildliche Arbeit“

Als „vorbildlich“ lobte Bürgermeister Rudolf Jelinek die Arbeit der DAGeV wie auch des Vogelheimer SV in seiner Ansprache zur Trikot-Übergabe. Auch die Aktion, mit dem Logo für interkulturellen Austausch zu werben, stieß beim 1. Bürgermeister der Stadt Essen auf Begeisterung. Häufig sei es gerade die Arbeit im Kleinen, die zu einem toleranten Miteinander beitrage. „Mal gewinnt man, mal verliert man beim Fußball wie auch in jedem anderen Sport. Aber immer spielt man miteinander.“ Zuspruch fand die Initiative der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft außerdem bei den Gästen aus Politik und Sport, die extra an die Sportanlage Lichtenhorst kamen. Neben den Essener Fraktionschefs Rainer Marschan (SPD) und Jörg Uhlenbruch (CDU) verfolgten auch Nils Grunau vom Essener Sportbund ESPO und die zu diesem Zeitpunkt amtierende Bundestags­abgeordnete und CDU-Direktkandidatin im Essener Norden Jutta Eckenbach die Übergabe der neuen Ausrüstung an die jungen Sportler.

Sie setzen sich ein für Toleranz und Integration: Die Fußballer des VSV und die Vertreter der Essener Politik. (Foto: Christoph Bubbe)

Vogelheim ist ein Anfang

Bleibt noch die Frage: Warum Vogelheim, warum der Vogelheimer SV? „Die Afghanen gehören zu den 15 größten Gruppen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Essen. Hinzu kommen jene, die mittlerweile einen deutschen Pass haben“, erläutert Elias Omar. „Wie hoch genau der Anteil der Bürger mit afghanischen Wurzeln im Stadtteil Vogelheim ist, kann ich gar nicht genau sagen. Aber darum geht es auch gar nicht. Wichtig ist uns, ganz allgemein auf die Existenz von Organisationen aufmerksam zu machen, die sich wie die DAGeV für ein gegenseitiges Verständnis, ein friedliches Miteinander und den kulturellen Austausch stark machen.“ Daher hofft der DAGeV-Präsident auch, dass diese Form der Öffentlichkeitsarbeit Nachahmer in anderen interkulturellen Organisationen findet. „Vielleicht ist dies ja der Anfang einer neuen Art, wechselseitiges Verständnis zu entwickeln.“ Die DAGeV werde diesen Weg auf jeden Fall weiter verfolgen.

 

WEITERE VEREINE ALS SYMBOLTRÄGER GESUCHT!
Die Deutsch-Afghanische Gesellschaft sucht gemeinsam mit dem Ausstatter FossFour weitere Vereine, die mit dem Logo der DAGeV ein Zeichen setzen wollen. Wenn auch Ihr Verein – ob Fußball oder eine andere Mannschaftssportart – für das friedliche Miteinander zwischen den Kulturen werben wollen, können Sie sich um ein Trikot-Sponsoring durch die DAGeV bewerben.

Schreiben Sie einfach kurz, wie sich Ihr Verein sich für die Integration und den Austausch der Kulturen einsetzt. Ihre Email senden Sie an info@dagev.org.

print

Kommentare