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Mittwoch, 13. December 2017
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Bangen um Arbeitsplätze auf dem Welterbe Zollverein

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ‚Butterzeit‘ auf Zollverein droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Die Verantwortung dafür sieht Norbert Brauckmann bei der Stiftung Zollverein und ihrem Vorstandsvorsitzenden Hermann Marth. Foto: INFORMER
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ‚Butterzeit‘ auf Zollverein droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Die Verantwortung dafür sieht Norbert Brauckmann bei der Stiftung Zollverein und ihrem Vorstandsvorsitzenden Hermann Marth. Die Stiftung Zollverein steht nun vor Gericht und in der Kritik.

Von Pascal Hesse

Norbert Brauckmann, Geschäftsführer der 'Butterzeit'. Foto: INFORMER

Norbert Brauckmann, Geschäftsführer der ‚Butterzeit‘. Foto: INFORMER

Norbert Brauckmann ist sauer. Seit Jahren fühlt er sich von der Stiftung Zollverein getriezt. Er ist Mieter auf dem Areal des UNESCO-Welterbes ‚Zeche Zollverein‘ und betreibt dort das Bistro ‚Butterzeit‘. Vor wenigen Jahren hat man ihm einen Zaun um seinen Biergarten und Imbisswagen gebaut, als nebenan die Gourmetmeile „Metropole Ruhr“ mit hochpreisigen Speisen zum Verweilen einlud. Seine Rabatte an Reisegruppen, die bei ihm einkehren, veröffentliche die Stiftung nicht, beklagt der Gastronom. Alles nicht förderlich fürs Geschäft, aber auch nicht kriegsentscheidend. Doch nun geht es um alles für den Unternehmer, denn in der Küche seiner ‚Butterzeit‘ gibt es keine Lüftung mit Zuluft und Abluft. Diese wird aber von der Berufsgenossenschaft gefordert, um die Mitarbeiter zu schützen. Rüstet Brauckmann nicht nach, droht ihm die Berufsgenossenschaft den Laden stillzulegen. Doch so gerne er auch handeln würde: Die Stiftung Zollverein macht ihm erneut einen Strich durch die Rechnung.

Hermann Marth (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein). Foto: RAG Montan Immobilien Immobilien

Hermann Marth, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein. Foto: RAG Montan Immobilien

Denn eigentlich hat Brauckmann einen Anspruch auf eine sogenannte ‚raumlufttechnische Anlage‘. „So steht‘s nämlich in der Baugenehmigung, die Teil des Mietvertrags ist. Die Stiftung Zollverein hat sich seinerzeit vertraglich dazu verpflichtet, eine entsprechende Lüftung einzubauen“, sagt Brauckmann. Getan habe sie dies jedoch nicht. Nun stehen drei Festangestellte und rund 20 Arbeitsplätze von Aushilfen auf dem Spiel – Arbeitsplätze, die durch Zuschüsse des Landes in die Stiftungsarbeit eigentlich am Standort Zollverein entstehen sollen. Es herrscht dicke Luft, nicht nur in der Küche. Die Stiftung Zollverein und ihr Vorsitzender Hermann Marth bleiben stur. Warum ist unklar, da die Stiftung doch durchaus ein Interesse an einer gastronomischen Versorgung der Besucher haben sollte. Obwohl sich Brauckmann durch seinen gültigen Mietvertrag mit der Stiftung im Recht sieht, muss er vor Landgericht Essen klagen, um eine Stilllegung seines Betriebs zu verhindern. In der Verhandlung am 17. Oktober gibt Gabriele Heidner, Leiterin Standortentwicklung und -betrieb der Stiftung Zollverein, zu, dass die vertraglich zugesicherte Lüftung fehlt: „Es besteht Einigkeit darüber, dass keine raumlufttechnische Anlage vorhanden ist.“ Auf Rückfrage des Gerichts bestätigt sie dies noch einmal. Doch warum hält sich die Stiftung Zollverein nicht an ihren Vertrag mit dem Mieter? Brauckmann vermutet im Gericht eine Immobilienspekulation auf Zollverein. „Mit meiner Butterzeit stehe ich einer neuen Gastronomie in Halle 4 wohl im Wege. Wenn man meinen Betrieb stilllegen will, baut man einfach keine Lüftung ein. Und das Problem ist gelöst“, so Brauckmann. Er brauche nur Zuluft und Abluft, nicht mehr als zwei Löcher, und bietet sogar an die Kosten selbst zu tragen. „Das muss ich eigentlich nicht, aber wenn es dann schneller geht. Meine Existenz ist schließlich gefährdet.“ Doch die Stiftung bleibe bislang stur.

In der Verhandlung wird deutlich, dass die Stiftung offenbar besorgt ist, Brauckmann würde künftig vermehrt Pommes und andere fettige Speisen anbieten. Bislang nutzt er dafür eine Heißluftfritteuse. „Das ist merkwürdig, denn noch vor einigen Jahren hat mich die Stiftung dazu gedrängt Pommes in mein Sortiment aufzunehmen. Sonst hätte man mir einen Caterer vor den Biergarten gestellt. Ich kann die Logik dahinter leider nicht erkennen“, so Brauckmann. Am 21. November rechnet er mit einem Urteil vor dem Landgericht Essen.

(AZ 5 O 145/16)

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