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Samstag, 18. November 2017
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Buddhistische Hassprediger – Kein Ende der Gewalt in Myanmar

Die überraschende  Stippvisite der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in der Unruheregion Rakhine lässt den Exodus der verfolgten muslimischen Minderheit aus Myanmar nicht versiegen. Als die De-facto-Regierungschefin letzte Woche im Hubschrauber zwei niedergebrannte Dörfer aufsuchte und sich mit Vertretern der Rohingya traf,  vermochte sie außer wohlmeinenden Worten zum Wiederaufbau keine Lösung für den von Gewaltexzessen begleiteten Konflikt anzubieten. Der enge Spielraum, über den die einstige Ikone für Demokratie und Menschenrechte verfügt, offenbart ihre Machtlosigkeit: Nach wie vor haben in Myanmar die Generäle das Sagen, die nach dem formalen Ende der Militärdiktatur die Massentötungen, Vergewaltigungen und Brandschatzungen im westlichen Bundesstaat Rakhine dulden und den bislang über 600 000 geflohenen Rohingyas die Rückkehr verbieten.

Seit Ende August die brutale Offensive begann, fliehen die muslimischen Familien zumeist in kleinen Holzbooten über den Grenzfluss Naf  ins benachbarte Bangladesch. Dort hausen die Flüchtlinge in überfüllten Camps unter erbärmlichen Bedingungen. Es hilft den Menschen nicht, dass Zeid Raad al-Hussein, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, über dieses „Musterbeispiel einer ethnischen Säuberung“ Klage führt. Das Problem der ethnischen und religiösen Vielfalt  ist ein Erbe der kolonialen Vergangenheit, als das frühere Birma bis 1937 ein Teil Britisch-Indiens war. Seither rührt sich für die staatenlose Minderheit der Rohingyas keine Hand.

Man mag sich fragen, warum in Myanmar die sonst für ihre Friedfertigkeit gerühmte Mehrheit der Buddhisten die Minderheit der Muslime so grausam verfolgt. Vergebens verurteilt der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Buddhisten, die Hetze seiner  Glaubensbrüder in Myanmar und stellt Buddha „auf die Seite der Muslime.“ Doch die Mehrheit der Mönche in ihren orangenfarbenen Roben folgt den Parolen der Ma Ba Tha-Bewegung, die unter ihrem Hassprediger Wirathu die „Reinheit in Rasse und Religion“ propagiert und der muslimischen Minderheit unterstellt, in Myanmar ein Kalifat errichten zu wollen.

Wie in anderen Religionen ist auch die Lehre Buddhas durchaus auf Missionierung angelegt, um im nächsten Leben eine höhere Stufe zu erklimmen. Aber die Erweiterung des spirituellen Territoriums muss gewaltfrei durch kluge Politik erstritten werden. In Myanmar ist ein Ende der Gewalt, ein Ende von Tod und Vertreibung nicht in Sicht.

In der vergangenen Woche haben 58 Menschenrechtsorganisationen und Religionsverbände den amerikanischen Kongress aufgefordert, mit Sanktionen auf die gewaltsame Vertreibung der Rohingyas zu antworten. Und der „Lady“, wie Aung San Suu Kyi einst genannt wurde, möchten manche den Nobelpreis aberkennen, weil sie viel zu lange geschwiegen und ihre moralische Autorität verloren hat.

Richard Kiessler        05.11.2017

 

 

 

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