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Samstag, 18. November 2017
StartseitePanoramaKommentar: Die Ära Welling – nicht alles so goldig, wie es heute glänzt.

Kommentar: Die Ära Welling – nicht alles so goldig, wie es heute glänzt.

Der Doc nimmt seinen Hut. Der Verein, die Medien und auch nicht wenige der Haupttribünen-Fans loben seine Arbeit aus über sieben Jahre rot-weisser Geschäftsführerschaft. Und es stimmt: Dass ein RWE-Präsi den Verein verlässt, ohne dabei einen neuen Schuldenberg zu hinterlassen, hat an der Hafenstraße Seltenheitswert. Dafür gebührt einem scheidenden Geschäftsführer eigentlich kein Dank, es ist sein Job. Und dennoch ist man als RWE-Fan geneigt zu sagen: Danke Welling, dass Du es nicht wie Deine Vorgänger gemacht hast.

Auf der sportlichen Seite der Bilanz sieht es da jedoch anders aus. Für einen Fan der Buchhaltung mag allein eine schwarze Null bei dem ex-insolventen Verein Anlass zur Freude sein; dem gemeinen Fan von Rot-Weiss Essen reicht das nicht. Das mag unfair klingen. Aber der Erfolg eines Sportvereins misst sich eben nicht nur am Vereinskonto, sondern eben auch am sportlichen Ergebnis. Für die Liga-Reform, die aus der Regionalliga eine Spielklase ohne große Aufstiegsmöglichkeiten machte, kann Michael Welling nichts. Um das Argument der sogenannten ‚Schweineliga‘ ins Feld zu führen, müsste man jedoch zumindest um den Ligatitel mitspielen. Dass man hingegen mittlerweile nur noch am unteren Rand des Tabellen-Mittelfelds herumkrebst, liegt weit unter den eigenen Ansprüchen. Ursächlich dafür sind nicht zuletzt auch die schlechten Personalentscheidungen. Und diese muss sich ein Geschäftsführer durchaus anrechnen lassen. Vier Trainer hat man in den vergangenen sieben Jahren an der Hafenstraße verschlissen. Der aktuellen Nummer 5 bleibt Glück zu wünschen. Bei den Sportdirektoren sieht es nicht viel anders aus. Alle wurden immer voller Euphorie begrüßt, bis man wieder am Boden der Tatsachen angekommen war – teilweise sogar vor Gericht.

Vom immer wieder proklamierten Slogan ‚Zusammen Hoch 3‘ blieb letztlich nur noch ein ‚Hoch 2‘. Denn den gemeinen, zugegeben manchmal recht grobkernigen Fan, der in der Kurve steht, den hat Welling schon lang verloren. Dass er unverbesserlichen Chaoten Parolie bietet, ist richtig. Aber nicht jeder auf der ‚Alten West‘ ist mit diesen Chaoten gleichzusetzen. Vielmehr sind es genau diese Fans – und eben leider nicht die Mannschaft – , die Woche für Woche, bei Heimspielen wie auswärts, den ‚Mythos Hafenstraße‘ lebendig werden lassen. Einen ‚Mythos‘, dessen Welling sich in Kampagnen gerne bediente, es an Sensibilität gegenüber jenen Fans aber zunehmend mangeln lies. Ihr Frust resultiert aus dem permanenten sportlichen Misserfolg und ist durchaus berechtigt.

Aus welchen Gründen auch immer Welling sich genau zum jetzigen Zeitpunkt von der Hafenstraße verabschiedet, es bleibt zu hoffen, dass er bei seiner letzten Personalie ein besseres Händchen als in den Jahren zuvor hatte. Denn an der Suche nach dem neuen ‚Vereinsboss‘, Marcus Uhlig, war der Doc ebenfalls beteiligt.

Ein Kommentar von Lars Riedel

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