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Mittwoch, 13. December 2017
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Ein letzter Wunsch – und was wäre Deiner?

von Sümeyye Algan

Das Essener Herzensprojekt Wünschewagen wird drei Jahre alt. Für den Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Ruhr e. V. Anlass, zum ersten Mal seit Gründung des Projekts zu einer Weihnachtsgala einzuladen.

„Leben und Sterben. Beides gehört zusammen. Genau das wollen wir heute Abend in guter Weise miteinander verbinden.“ Mit diesen Worten begrüßte gestern (25.11.) ASB Präsident und Schirmherr Franz Müntefering die Gäste der Gala und stellte fest: „So wahr das bekannte Widerwort aus dem Sauerland „Ich muss nichts außer Sterben“ auch ist, es ist niemals egal w i e Menschen sterben.“ Müntefering lobte die Arbeit des Projekts Wünschewagen und betonte bei seiner Rede die Bedeutung des Projekts.

Von Israel, über die Niederlande nach Deutschland

Im Winter 2011 fährt Ralf Steiner nach Israel und sieht einen Rettungswagen, der anders aussieht als alle anderen. Er recherchiert und erfährt vom `Wish Ambulance´, deren Ursprung in Holland liegt. In Rotterdam nimmt er Kontakt mit den Initiatoren auf. Die Idee für den Wünschewagen in Deutschland wird geboren.

Während einer Tagung entsteht der Wunsch das Projekt in die Tat umzusetzen. Nach dem niederländischem Vorbild legt Ralf Steiner, stellvertretender Vorsitzender der ASB Ruhr, die Idee auf den Tisch. „Ich will nicht behaupten, dass ich sofort hellauf begeistert war aber wir haben dann sehr gut geplant und sehen heute die Früchte dieser Arbeit“, erinnert sich Dirk Heidenblut, Bundestagsabgeordnter und langjähriger Geschäftsführer des ASB Ruhr.

Bevor es mit dem Projekt losgeht, werden Hospize und Pflegeheime in Essen und Umgebung besucht. Die Resonanz ist durchweg positiv. Die erste Fahrt erfüllt einem kranken Großvater den letzten Wunsch, bei der Kommunion seiner Enkeltochter dabei zu sein. Das wird der Anfang dieser Herzenssache, denn Einrichtungen dieser Art beherbergen noch viele Menschen mit kurzer Lebenserwartung. Dabei ist es unerheblich ob die kurze Lebenserwartung durch ein hohes Alter oder durch eine unheilbare Krankheit verursacht wird. Auch Patienten aus Kinderhospizen die einen allerletzten Wunsch erfüllt haben möchten. „Leider melden sich viele unserer Patienten viel zu spät und die Chance auf Realisierung der Wünsche riskieren.

Die Idee ist und bleibt unbezahlbar. „Unsere Fahrgäste werden von qualifizierten Helfern gefahren und begleitet. Auf jeder Fahrt ist eine Krankenschwester und ein Sanitäter mit dabei, die den Fahrgast an einen gewünschten Ort fährt“, so die verantwortliche ASB-Geschäftsführerin Annika Schulze Aquack. Das Projekt wird ehrenamtlich getragen und finanzierte sich bisher aus eigenen Mitteln und Spenden. Doch um die Wünsche zu erfüllen braucht es mittlerweile mehr, denn in Deutschland sterben in jeder Stunde etwa 100 Menschen.

„Die heutige Veranstaltung soll dazu dienen, ideelle und vor allem finanzielle Unterstützer zu finden. Wenn unsere holländischen Kollegen für ihre Fahrgäste während eines Spiels in einem Stadion anrufen, dann stehen ihnen die Tore offen. Genau das wünschen wir uns in Deutschland für unsere Patienten auch“, erzählt Schulze Aquack.

Auf Unterstützer angewiesen

Für die gelernte Krankenschwester und Betriebswirtin Nazan Aynur, die das Projekt von Anfang an hauptamtlich betreut, ist die Sache klar: „Für unser Projekt ist es einfach wichtig, dass wir viele Unternehmen erreichen. Die meisten von ihnen veranstalten im Rahmen der unternehmerischen Sozialverantwortung viel Charity und werden mit Anfragen natürlich überhäuft. Was wir uns wünschen sind Dauerspender, so dass wir eine langfristige Unterstützung für das Projekt bekommen können.“
Der ASB beschäftigt in der Verwaltung für das Projekt zwei Hauptamtliche. Die anderen Mitarbeiter sind ehrenamtlich am Projekt beteiligt. „Wir halten das Hauptamt sehr klein, damit keine hohen Personalkosten entstehen, sondern alles in die Wunschorganisation, Wartung und Pflege der Wagen und evtl. sogar in die Anschaffung eines dritten Wünschewagens fließen kann.“

Bundesweiter Einsatz

Die Nachfrage ist hoch. Zweimal täglich ist der Wagen unterwegs. „Manchmal auch dreimal, aber dann müssen wir auf eine der Fahrzeige aus der normalen Flotte zurückgreifen. Aber am Ende steht der Wunsch unseres Gastes im Vordergrund“, stellt Aynur mit einem Lächeln fest und fügt hinzu: „Unternehmen können sich auf unserer Internetseite mit ihrem Logo platzieren. Außerdem bieten wir offizielle Spendenübergaben mit einem symbolischen Scheck an und auf unseren verschiedenen Social Media Kanälen werden unsere Spender und Sponsoren genannt“, erklärt Aynur.

Mit knapp 18.000 Followern auf Facebook hat das Projekt eine gute Reichweite. Ein Hamburger Bestattungsunternehmen ist ebenfalls Kooperationspartner. Es ist für alle Wünschewagen deutschlandweit im Einsatz. „Bisher ist es zwar noch nicht passiert aber für den Fall der Fälle, wenn einer unserer Fahrgäste auf dem Weg versterben sollte, sind wir durch die Unterstützung abgsichert. Denn für eine Überführung haben wir keine Befugnis. Deshalb ist diese Kooperation für uns so enorm wichtig.“ Die Kosten der Überführung trägt das Bestattungsunternehmen.

Für die mittlerweile in 13 Bundesländern umgebauten Krankenwagen, die als Wünschewagen auf den Straßen unterwegs sind, kann es nicht genug Unterstützung geben. Für die dauerhafte Unterstützung durch Spender hat der ASB nun einen Förderverein gegründet und freut sich über Beträge jeder Höhe.

 

 

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