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Mittwoch, 13. December 2017
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Einmal „Praktikum“ bitte!

Wer, außer den Betroffenen selbst, weiß schon, wie es hinter Tresen, Theken und Rezeptionen und in der Gastronomie zugeht? Die DEHOGA hat nun eine Initiative ins Leben gerufen, bei der sich Landtagsabgeordnete selbst ein Bild davon machen können. Im Rahmen der Initiative „Praktikant/-in gesucht“ hat nun am gestrigen Dienstag (21.11.2017) der FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Witzel als Erster den Selbstversuch gestartet. „Wir möchten Politikern das Gastgewerbe anhand von praktischen Beispielen in einem unserer Betriebe näherbringen“, sagte Thomas Kolaric, Geschäftsführer des DEHOGA Nordrhein e. V..

Nach dem vierstündigen Einsatz im Schlosshotel Hugenpoet in Essen-Kettwig wusste Ralf Witzel, wie man ein Hotelbett richtig bezieht, eine Hotelbuchung vornimmt und warum Gastronomie und Hotellerie so intensiv für neue Arbeitszeitenregelung streiten. „Es ist ein großartiger Praxistag in einem spannenden, herausfordernden und faszinierenden Arbeitsumfeld gewesen. Wahrscheinlich habe ich die umfangreichste und beste Einweisung, Anleitung und Betreuung bekommen, die ein Praktikant jemals erfahren hat. Ich habe ganz viele neue Eindrücke und Erfahrungen im Umgang mit Gästen und dem Hotelteam gesammelt, wie vielfältig die tagtäglichen Aufgaben in der Gastronomie und Hotellerie doch sind.“

Mehr Flexibilität

Kolaric warb im Rahmen der Initiative für die Forderung der DEHOGA, die bisherigen Regelungen nach europäischem Vorbild zu lockern: „Wir möchten zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Betrieben Arbeitszeitlösungen finden, die allen Beteiligten mehr Flexibilität und Optionen – z. B. für eine Vier-Tage-Woche bringen. Es geht nicht um Mehrarbeit, sondern „nur“ um eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit. Dafür brauchen wir einen anderen gesetzlichen Rahmen“, unterstrich Kolaric. Außerdem betonte er auch, dass er großes Verständnis für die Anliegen der Gastronomie- und Hotelbetriebe in Deutschland habe, dass Unternehmen von unnötiger Bürokratie befreit werden sollten und mehr Freiheiten bei der Arbeitszeitgestaltung brauchen. Auch FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Witzel ist der Meinung, dass Unternehmen von unnötiger Bürokratie, wie bei der minutengenauen Arbeitszeitdokumentation, befreit werden müssen. „Ferner brauchen sie mehr Freiheiten bei der Arbeitszeitgestaltung. Die Politik sollte die Betriebe erfolgreich arbeiten lassen und weniger mit sinnlosen Vorschriften behelligen“, so Witzel.

Schloßhotel Hugenpoet

Die Hoteldirektorin, Alexandra Schenk, freute sich über den Besuch: „Politische Gäste haben wir regelmäßig, aber als „Mitarbeiter“ natürlich selten. Ich hoffe, dass das „Praktikum“ in unserem Haus gezeigt hat, wie spannend und abwechslungsreich einerseits unsere Branche sein kann aber andererseits auch wie herausfordernd.“ Auch für Ralf Witzel endetete der Einsatz mit einem überzeugten Statement: „Der familiär geführte Betrieb wird von einem erstklassigen Team betreut, das sich wechselseitig unterstützt und jedem Teammitglied mit seinen Aufgaben die notwendige Wertschätzung entgegenbringt. Auch das macht das Schloß neben dem beeindruckenden Ambiente zu einem besonders angenehmen Arbeitsort. Außerdem ist die Ausbildungsleistung mit rund zwei Dutzend Lehrlingen vorbildlich“, erzählte Witzel.
Am Ende stand fest: Fachkräftemangel, starre Arbeitszeitregelungen und hohe bürokratische Anforderungen erfordern viel Aufwand. „Und den Wichtigsten wollen wir ja bei alledem nicht aus den Augen verlieren, nämlich den Gast“, sagte Schenk.


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