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Samstag, 18. November 2017
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Gefährliche Sprachlosigkeit – Die neue atomare Hochrüstung bedroht Europa

 

Sie wollen den versprengten Resten der  Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ den Garaus machen und sehen „keine militärische Lösung“ für das Blutvergießen im syrischen Bürgerkrieg. Der amerikanische und der russische Präsident billigten  eine vorbereitete Erklärung ihrer Außenminister, beließen es aber beim Gipfel der pazifischen Anrainer (APEC) im vietnamesischen Da Nang mit einem Handshake. Wladimir Putin bestritt einmal mehr die Russland unterstellte Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf, und Donald Trump beeilte sich zu versichern, er glaube ihm „wirklich.“

Einem  Vier-Augengespräch mit Putin aber musste Trump ausweichen, auch wenn beide das „schlechte Verhältnis“ ihrer Länder beklagten. Die ungeklärten Vorwürfe, seine Hintersassen hätten mit russischer Zuarbeit seine Wahlkampagne befeuert, lasten wie ein Mühlstein auf Trump und machen ihm „Deals“ mit Putin unmöglich. Die amerikanisch-russischen Beziehungen stecken in einer Sackgasse fest.

Dabei türmen sich die Probleme, die es mit Putin zu besprechen gäbe, wenn Trumps innenpolitische Fesseln den schwächsten Präsidenten seit Jahrzehnten nicht handlungsunfähig machten – etwa auf dem brisanten Feld der atomaren Hochrüstung. Denn die beiden atomaren Großmächte modernisieren derzeit ihre in die Jahre gekommenen Intercontinental-Raketen und deren Sprengköpfe ebenso wie ihre  Langstrecken-Bomber, Atom-U-Boote und Satelliten. In Deutschland wird die neue Generation der B 61-Fallbomben auf dem US-Fliegerhorst Büchel in Stellung gebracht. Zur „atomaren Teilhabe“, an der noch jede Bundesregierung festgehalten hat, zählt die Verpflichtung, diese Atombomben mit der 20-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe im Kriegsfall von Tornado-Piloten der Bundeswehr ins Ziel zu führen.

Aufschrecken müssen massive Planungen in Washington, in Europa wieder atomar bestückte Marschflugkörper – sogenannte „Long-Range Stand-Off-Weapons“  (LRSO) – zu stationieren. Diese neue Version der Pershing II soll eine Antwort auf russische Cruise Missiles mit einer Reichweite zwischen 1 500 und 2 000 Km sein, die US-Geheimdienste auf mobilen Abschussrampen auf der Krim und in Kaliningrad ausgemacht haben wollen. Sollten die Russen wirklich mit SSC8-Raketen nahezu alle US-Stützpunkte in Europa bedrohen, würde der Abrüstungsvertrag über das Verbot von atomaren Mittelstreckenwaffen (INF) aus dem Jahre 1987 verletzt.

Das Horrorgespenst eines auf Europa begrenzten Atomkrieges droht zurückzukehren, wenn das Gleichgewicht des Schreckens ins Wanken gerät. Die Sprachlosigkeit zwischen Trump und Putin ist gefährlich und ein düsteres Omen. Die Spannungen zwischen der Nato und Russland leben auf, die Militärplaner beider Seiten denken wieder, wie bei jüngsten Manövern zu beobachten ist, in nuklearen Angriffs-Szenarien. Deshalb gehört der neue, auch in Berlin geflissentlich übersehene neue atomare Rüstungswettlauf dringend auf die Agenda.

12 11.2017

 

 

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