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Samstag, 18. November 2017
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Johanniter-Unfall-Hilfe: 30 Jahre Erfahrung im Hausnotruf

Der Hausnotruf gibt älteren Menschen ein Stück Selbstständigkeit zurück. Benötigen sie Hilfe, drücken sie einen Notruf-Knopf. Und gut ausgebildete Rettungsdienstler wie Jaqueline Hoti sind schnell an Ort und Stelle. Foto: Vanessa Mels

Seit drei Jahrzehnten bietet die Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Essen den erweiterten Hausnotruf-Dienst an. Rettungsdienstlich ausgebildete Helferinnen und Helfer wie Jaqueline Hoti geben älteren Menschen Lebensqualität in den eigenen vier Wänden zurück.

Von Pascal Hesse

Für ältere Menschen ist es nicht leicht, ihr liebgewonnenes und gewohntes häusliches Umfeld aufzugeben. Der Gedanke, in ein Heim zu ziehen, beunruhigt sie sehr. Für ihre Angehörigen ist es jedoch oft die vermeintlich einzige Möglichkeit, Mutter, Vater, Onkel, Tante oder die Großeltern in Sicherheit zu wissen. Denn die Gefahr, zu stürzen oder in eine Notsituation zu geraten, nimmt im Alter stetig zu. Eine Chance länger eigenständig zu wohnen, die ein Mehr an Lebensqualität bietet und den Betroffenen und ihren Angehörigen rund um die Uhr Sicherheit bietet, ist der Hausnotruf-Dienst der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), Regionalverband Essen. Seit nunmehr 30 Jahren sorgen sich dort gut ausgebildete Helferinnen und Helfer um ältere Damen und Herren, die im Alter weiterhin in ihrer eigenen Wohnung, ihrem eigenen Haus leben wollen. Sie sind im Ernstfall schnell zur Stelle und helfen den Senioren wieder auf die Beine.

In der Hausnotruf-Leitstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe geht jeder Anruf ein. Sicher verplombt und in gesicherten Behältnissen gelagert, befinden sich hier die Wohnungsschlüssel der Hausnotruf-Teilnehmer. Foto: Dirk Bauer

Die Einsatzkräfte der Johanniter stehen Tag und Nacht bereit, um im Notfall Hilfe zu leisten – und zwar 365 Tage im Jahr. Gearbeitet wird im Schichtdienst. Alle, die im Einsatz bei Hausnotrufen tätig sind, haben eine rettungsdienstliche Ausbildung abgeschlossen. Mit speziell auf die Bedürfnisse des Hausnotrufs ausgerüsteten Einsatzfahrzeugen sind die Helferinnen und Helfer so möglichst schnell bei dem notrufenden Teilnehmer vor Ort. Damit sie erfahren, dass etwas mit einem Hausnotruf-Teilnehmer nicht stimmt, gibt es ein ausgeklügeltes Hausnotruf-System.

Das Hausnotruf-System der Johanniter funktioniert wie folgt: Bei allen Teilnehmern wird eine Basisstation an das Telefon angeschlossen, über die im Notfall per Knopfdruck ein Alarm ausgelöst werden kann. In diesem Fall wählen die Geräte die Einsatzleitstelle an und werden dort automatisch elektronisch identifiziert. Zur Standardausrüstung im Hausnotruf-Dienst gehört ein wasserdichter, mobiler Funksender, den der Teilnehmer als Halskette oder Armband bei sich trägt und der ihm ermöglicht, an jedem Ort im Haus Alarm auszulösen. Für weiteren Schutz sorgt eine im Notrufgerät eingebaute Sicherheitsuhr. Vergisst der Teilnehmer, diese turnusmäßig zu betätigen oder ist er nach einem Unfall im Haus nicht mehr in der Lage dazu, löst das Gerät nach Ablauf einer einprogrammierten Zeit automatisch Alarm aus. Die Installation des Hausnotruf-Systems in den eigenen vier Wänden ist schnell abgeschlossen und der Teilnehmer an die Hausnotruf-Zentrale der Johanniter aufgeschaltet. Dafür hat er dann die Sicherheit, dass im Fall der Fälle qualifizierte Hilfe kommt, wenn er sie braucht.

Rettungsdienstlich ausgebildete Helfer

Benötigt ein Teilnehmer Hilfe, drückt er ganz einfach auf den Knopf der Station oder seinen mobilen Funksender. Sofort wird eine Verbindung zur Hausnotruf-Zentrale aufgebaut. Geht in der Leitstelle der Johanniter ein Notruf ein, findet ein diensthabender Mitarbeiter der Zentrale in einer Alarmmaske neben den Daten zum Notrufenden direkt hilfreiche Informationen über zum Beispiel relevante Erkrankungen oder Allergien des Teilnehmers. Über eine Sprechverbindung nimmt er Kontakt auf und klärt, welche Art von Hilfe notwendig ist. Bei akuten Notfällen wird parallel der Rettungsdienst und – wenn nötig – ebenfalls ein Notarzt alarmiert.

Rettungsdienstlich ausgebildete Helferinnen und Helfer der Johanniter sind im Notfall Tag und Nacht zur Stelle. Im Regionalverband Essen blickt man auf 30 Jahre Hausnotruf-Erfahrung zurück. Foto: Vanessa Mels

Rettungsdienstlich ausgebildete Helferinnen und Helfer der Johanniter sind im Notfall Tag und Nacht zur Stelle. Im Regionalverband Essen blickt man auf 30 Jahre Hausnotruf-Erfahrung zurück. Foto: Vanessa Mels

Helferinnen und Helfer wie Jaqueline Hoti wissen, worauf es im Hausnotruf-Dienst der Johanniter ankommt. Sie hilft dort verantwortungsvoll älteren Menschen in der Not. „Wenn ich in die Wohnung eines Hausnotruf-Teilnehmers komme, verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über die Lage. Meistens sind die Teilnehmer nur gestürzt, ohne dass Schlimmeres passiert ist. So kann ich schnell helfen. Denn nicht immer ist gleich etwas gebrochen“, weiß die junge Frau. Nach ihrem Abitur hat sie bei den Johannitern angefangen. Zunächst lernte Hoti in der hauseigenen Essener Rettungsdienstschule der JUH an der Henricistraße, wie Erste Hilfe funktioniert, was zu beachten ist, welcher Handgriff wann angebracht und welches Hilfsmittel wann das richtige ist. Durch ihre Ausbildung zum Rettungshelfer, vermittelte medizinische Grundkenntnisse und die intensive Einarbeitung sei sie auf den Hausnotruf-Dienst sehr gut vorbereitet gewesen. „Eine qualifizierte Ausbildung hat einen sehr hohen Stellenwert bei den Johannitern. Wenn ich in eine unerwartete Situation gerate, kann ich immer auf meine Kenntnisse zurückgreifen und weiß dann sofort, was zu tun ist“, betont Hoti.

Schlüssel werden verplombt gelagert

„Ich kann jedem älteren oder erkrankten Menschen den Hausnotruf-Dienst nur ans Herz legen, weil er Sicherheit gibt, die man ohne dieses Gerät nicht hätte. Außerdem lässt der Hausnotruf dem Menschen ein Stück Selbstständigkeit, die einem im Alter oft genommen wird. Die Angehörigen müssen sich also keine Sorgen machen, wenn sie mal nicht da sind“, verdeutlicht Jaqueline Hoti. Im Freiwilligen Sozialen Jahr angefangen, bilden die Johanniter die junge Frau aktuell zur Rettungssanitäterin aus. „Das ist noch einmal viel intensiver.“

Dem Hausnotruf-Dienst ist Jaqueline Hoti jedoch ehrenamtlich erhalten geblieben, denn den direkten Kontakt mit den älteren Menschen möchte sie nicht missen: „Ihre unglaublich große Dankbarkeit zu erfahren, ist toll; denn das erwartet man nicht. Das, was wir leisten, ist für uns selbst nicht viel, für sie ist es die halbe Welt.“ Auf die aufwändige, sichere und verplombte Lagerung der Wohnungsschlüssel der Teilnehmer und die TÜV-Zertifizierung des Hausnotruf-Dienstes geht Johanniter-Vorstand Peter Tuppeck im Interview zum runden Geburtstag gesondert ein.

30 Jahre Hausnotruf:
Drei Fragen an Johanniter-Vorstand Peter Tuppeck

Peter Tuppeck, Vorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) Regionalverband Essen

Peter Tuppeck, Vorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) Regionalverband Essen

INFORMER: Warum hat die JUH 1987 den erweiterten Haus-Notruf-Dienst entwickelt?

Tuppeck: Uns war es wichtig, dass qualifizierte Helfer Tag und Nacht bereitstehen, die im Notfall mit eigens dafür bereitstehenden und ausgerüsteten Fahrzeugen zum notrufenden Teilnehmer hinausfahren. Und das rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Wir helfen, wenn jemand hingefallen ist und leisten in kritischen Situationen ebenso qualifizierte Notfallversorgung. So ermöglichen wir älteren Menschen, weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld zu leben und zwar mit der Gewissheit, dass jemand schnell zur Stelle ist, wenn sie Hilfe benötigen.

INFORMER: Wie werden die Helferinnen und Helfer denn genau ausgebildet?

Tuppeck: Unsere Helfer werden an unserer Rettungsdienstschule in Essen rettungsdienstlich ausgebildet und geschult, damit wir nicht nur einfache Hilfeleistungen erbringen können. In akuten medizinischen Notfällen werden zusätzlich der Rettungsdienst und gegebenenfalls ein Notarzt alarmiert.

INFORMER: Was ist das besondere am erweiterten Hausnotruf-Dienst und warum ist das Thema TÜV-Zertifizierung wichtig für Sie?

Tuppeck: Wie in der Ausbildung legen wir auch in unseren Diensten sehr großen Wert auf Qualität. Die Qualität des Hausnotruf-Dienstes ist daher seit 2003 TÜV-zertifiziert, ebenso unsere Hausnotruf-Zentrale. Sicher verplombt und gelagert, befinden sich dort die Wohnungsschlüssel der Teilnehmer. Mehrmals täglich werden die Schlüssel kontrolliert und jede Benutzung protokolliert. Nur im Einsatzfall wird ein Schlüssel entnommen, danach direkt wieder versiegelt und sicher in der Leitstelle verwahrt. Im Regionalverband Essen, zu dem auch Mülheim und Bottrop zählen, betreuen wir rund 6.200 Menschen im Hausnotruf.

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