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Mittwoch, 13. December 2017
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Kulturdezernent Bomheuer beklagt fehlende Anbindung ans Welterbe Zollverein

Essens scheidender Kultur- und Sportdezernent Andreas Bomheuer. Foto: Foto: Christoph Bubbe und Tuxyso / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Essens Kulturdezernent Andreas Bomheuer blickt nach acht Jahren im Amt zurück – und zugleich aufs hiesige Weltkulturerbe: „Es ist vielleicht nicht ganz so klug, einen Kulturdezernenten nicht in die Systematik Zollverein zu implementieren.“ Foto: Christoph Bubbe & Tuxyso / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Von Pascal Hesse*

Zum Jahresende, in der Dezember-Ausgabe des INFORMER, blickt der scheidende Kulturdezernent Andreas Bomheuer zurück auf seine achtjährige Amtszeit. Der parteilose Soziokulturexperte ist jemand, der etwas von Kunst, Kultur, Bilanzen und Rotstiften versteht. Als selbstständiger Unternehmer und Berater sowie später Geschäftsführer und Gründungsdirektor des ‚rock‘n‘popmuseums‘ für Populärluktur im westfälischen Gronau empfiehlt er sich als Geschäftsführer der Kulturstiftung NRW, wird 2006 Kulturamtsleiter in Bonn und zwei Jahre später Beigeordneter der Stadt Hattingen. Bevor er mit dem Beginn des Kulturhaptstadtjahres 2010 das Kulturdezernat in Essen übernimmt, ist er bereits lange Jahre Vorsitzender des städtischen Kulturbeirates. Und somit kein unbekannter.

Im Interview: Essens scheidender Kultur- und Sportdezernent Andreas Bomheuer im Gespräch mit INFORMER-Redakteur Pascal Hesse. Foto: Christoph Bubbe

Im Gespräch: Kulturdezernent Andreas Bomheuer und INFORMER-Redakteur Pascal Hesse. Foto: Christoph Bubbe

Einen kleinen Vorgeschmack auf das große INFORMER-Interview mit Andreas Bomheuer liefert dieser Auszug, der sich mit dem Weltkulturerbe Zeche und Kokerei Zollverein beschäftigt. Und ebenso mit der Arbeit der Stiftung Zollverein, deren Stiftungsrat und Kuratorium in diesen Tagen zusammentreten.

Blicken wir in den Norden der Stadt, zum Weltkulturerbe Zeche und Kokerei Zollverein. Wenn ich mir den Standort angucke, bleibt der prophezeite Wandel aus. Oder wie beurteilen Sie das, Herr Bomheuer?

Bomheuer: Natürlich muss man sich überlegen, wie man den Standort zukünftig als Weltkulturerbe sinnvoll weiter entwickelt. Wenn ich zurückblicke, dann muss ich sagen: Es ist vielleicht nicht ganz so klug, einen Kulturdezernenten nicht in die Systematik Zollverein zu implementieren. Hier hätte ich mir eine engere Verzahnung gewünscht.

Es passiert mit Blick auf das Millionen-Budget und den riesigen Personalstamm relativ wenig, oder?

Bomheuer: Wir müssen über den Standort Zollverein nachdenken, seine Geschichte beschreiben und die Frage stellen: Was bedeutet denn dieses Weltkulturerbe eigentlich für die Stadt, die Region, das Land aber auch insgesamt für die Bundesrepublik? Er handelt von einer besonderen Ära unserer Kulturgeschichte, der Industrialisierung. Es ist zu überlegen, wie wird der Transformationsprozess, den wir bereits begonnen haben durch den Erhalt der Industrieanlagen, weiter vorantreiben. Wie transformieren wir die Energie aus der Kohle in die Energie der Zukunft? Kreativität, Digitalisierung, das sind hier die Schlüsselkompetenzen.

Im Interview: Essens scheidender Kultur- und Sportdezernent Andreas Bomheuer im Gespräch mit INFORMER-Redakteur Pascal Hesse. Foto: Christoph Bubbe

Gerne hätte Dezernent Andreas Bomheuer (r.) den Titel ‚City of Design der UNESCO‘ in Essen gewusst. Foto: Christoph Bubbe

Fehlt hier folglich eine Intendanz, oder woran hapert es auf Zollverein?

Bomheuer: Damals, als Wolfgang Reiniger noch Oberbürgermeister und ich noch nicht Dezernent war, habe ich ihm geschrieben: Lassen Sie uns darüber nachdenken, Zollverein zu einem Design-Standort zu machen. Folkwang dort hinzubringen, Existenzgründungs-Programm, anzubinden, es als Inkubator für Kreative zu nutzen, im Verbund mit dem Deutschen Plakatmuseum – heute sind wir soweit. Wir haben ebenfalls einen Anfang gemacht mit dem Ruhr Museum. Was ich oder wir nicht geschafft haben, muss ebenfalls angesprochen werden: Ich hätte es toll gefunden vor dem Hintergrund der Designgeschichte, die wir im Ruhrgebiet haben, des westdeutschen Impulses, wenn wir den Titel ‚City of Design der UNESCO‘ verleihen bekommen hätten. Ich war schon sehr enttäuscht, dass wir sind das nicht geworden sind.

Doch woran lag es? Hätte man einfach mehr machen müssen, wenn man einen solchen Titel wirklich haben möchte? Den Welterbe-Titel und die Kulturhauptstadt gab es schließlich auch nicht umsonst.

Bomheuer: Der Impuls kam damals von Zollverein. Ich glaube dass mit kompakten Veranstaltungsformaten, Schwerpunkt-Veranstaltungen und thematische Bündelungen wie zum Beispiel mit der Lit.Ruhr eine gute Möglichkeit besteht, Zollverein auch als Veranstaltungsort zu etablieren.

Wo wir wieder beim Thema Intendanz und Ihrer Einstiegsbemerkung wären — der Frage, was dieses Weltkulturerbe eigentlich darstellt. Und ob es denn nun ein Ort des Designs, ein Veranstaltungsort, ein Museumsort oder etwas völlig anderes ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bomheuer.

*Anmerkung der Redaktion: Pascal Hesse ist unabhängig von seiner Tätigkeit als Redakteur des INFORMER ebenso als angestellter Bundespressesprecher der Piratenpartei Deutschland in Berlin tätig. Die Redaktion achtet auf die strikte redaktionelle Trennung beider Tätigkeiten.
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