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Mittwoch, 13. December 2017
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Wer wird Essens neuer Kulturdezernent? Wir stellen die Bewerber vor

Nun ist der Rat der Stadt Essen gefragt: Am 8. Dezember stellen sich drei aussichtsreiche von insgesamt 54 Bewerbern den Mitgliedern des Rats vor. Eine Frau ist nicht darunter. Foto: Christoph Bubbe /INFORMER Archiv

Von Pascal Hesse*

Mit dem Ruhestand von Andreas Bomheuer als Kultur- und Sportdezernent sowie der Umgestaltung des Referatszuschnitts des städtischen Verwaltungsvorstand muss seine Stelle neu besetzt werden. Gesucht wurde – mit neuem Zuschnitt – ein Beigeordneter für den Geschäftsbereich Jugend, Bildung und Kultur. Wie der INFORMER nun erfuhr, gingen innerhalb der Bewerbungsfrist insgesamt 54 Bewerbungen für die Stelle im Rathaus ein. Die Unterlagen liegen der Redaktion vor. Drei Bewerber, darunter keine Frau, rücken in die engere Wahl. 

Unter Berücksichtigung des Anforderungs- und Qualifikationsprofils sowie des Potentials der jeweiligen Bewerberinnen und Bewerber hat Oberbürgermeister Thomas Kufen drei männliche Bewerber ins Auge gefasst. Ihre Vorstellung ist für den 8. Dezember 2017 ab 14.30 Uhr terminiert. Sie findet in einer gemeinsamen Sitzung aller Fraktionen, Gruppen und fraktionslosen Ratsmitglieder im Ratssaal statt. Den Bewerbern soll zunächst jeweils 15 Minuten Zeit für eine persönliche Präsentation gegeben werden. Danach stehen jeweils 30 Minuten für eine Frage- und Antwortrunde zur Verfügung.

Diese drei Bewerber sind in der engeren Wahl

Unter den 54 Bewerberinnen und Bewerber finden sich sogar zehn Essener. Von ihnen ist jedoch niemand zum ‚Vorsprechen‘ im Rastssaal eingeladen.

Der erste aussichtsreiche Bewerber…

…ist Muchtar Al Ghusain, ein studierter Kultur- und Musikmanager aus Süddeutschland, der bereits Erfahrungen als Kultur-, Schul- und Sportdezernent der Stadt Würzburg gesammelt hat. Er besitzt eine Zuwanderungsgeschichte (Kuwait), was in einer Stadt wie Essen durchaus einen Vorteil einbringen könnte. Mit einem Budget von mehr als 100 Millionen Euro kennt er sich aus, ebenso im Bereich Mitarbeiterführung: Für mehrere hundert Beschäftige war er bisher schon verantwortlich. „Die große Dynamik und Vitalität des Ruhrgebiets, die besonderen Qualitäten und Herausfor­derungen der Stadt Essen (Kulturhauptstadt 2010, Grüne Hauptstadt 2017, das Weltkulturerbe Zollverein, aber auch die besonderen Herausforderungen einer durch starke Migrationsbewe­gungen geprägten Stadt] motivieren mich in besonderer Weise. Gerne würde ich auf der Grundlage meiner langjährigen und vielseitigen Berufserfahrung meine Kraft für die Stadt Essen einbringen“, heißt es in der Bewerbung des Sozialdemokraten, der ebenfalls Erfahrungen als Referatsleiter auf ministerialer Ebene gesammelt hat.

Der zweite aussichtsreiche Bewerber…

…ist Dr. Ralf Lunau, ein ehemaliger Bürgermeister der Landeshauptstadt Dresden und promovierter Jurist. Bei der Volkskammer der DDR und beim Deutschen Bundestag hat er bereits berufliche Erfahrungen gesammelt. Als Bürgermeister und Beigeordneter hat der parteilose Kulturexperte einen Namen gemacht. Als Publizist bekannt, sucht er nun in Essen eine neue Herausforderung. Millionenetats und Mitarbeiterführung sind auch für ihn nicht unbekannt. „Diese Tätigkeit als Beigeordneter für Jugend, Bildung und Kultur interessiert mich wegen ihrer Verknüpfung von kommunalpolitisch wirksamer Gestaltungskraft, Zusammenarbeit mit engagierten Mitstreitern aus Politik, Trägervereinen, Fachverbänden, Eltern- und Lehrerschaft, Verwaltungen und Unternehmen sowie anspruchsvollen fachlichen Fragestellungen. Dabei kann ich meine Erfahrungen aber auch meine Freude an der Leben­digkeit und Konkretheit (…)  ebenso einbringen wie das Wissen aus anderen beruflichen Stationen als Jurist und Hochschullehrer. Eine solche verantwortliche Position in der Stadt Essen böte mir Gelegenheit, mich intensiv und mit ganzer Kraft auf eine Stadt einzulassen, die ich bei Besuchen schon als traditionsreiches Wirtschaftszentrum im Umbruch mit freundlichen, aufgeschlossenen Menschen, mit einer großartigen, bürgerschaft­lich inspirierten Kultur und mit ruhigen Naturräumen neben ausgeprägter Urbanität kennen­gelernt habe“, heißt es in seiner Bewerbung.

Der dritte aussichtsreiche Bewerber…

…ist Michael Farber, ein diplomierter Germanist und Literaturwissenschaftler mit mehrjähriger Berufserfahrung als Kulturhistoriker und Verleger. Auch er kommt  aus Ostdeutschland. Erfahrungen als Bürgermeister und Beigeordneter für Kultur in Leipzig hat der in zahlreichen Stiftungen und Organisationen von nationalem wie internationalen Rang engagierte Bewerber ebenfalls gesammelt.  „In den vergangenen Jahren, ob im Kulturausschuss oder auf Jahressitzungen des Deutschen Städtetages, haben wir uns mehrfach mit neuen gesellschaftlichen Ent­wicklungen beschäftigen müssen, die gerade für die urbanen Räume große Herausforderungen darstellen: Migration, Digitalisierung oder Ökonomisierung. Wer künftig zu den attraktiven Städten gehören will, sollte durch frühes Erkennen dieser Trans­formationsprozesse seine Stadtpolitik daran ausrichten. Gerne würde ich dies in der Verantwortung eines Beigeordneten in der Stadt Essen tun“, heißt es in seiner Bewerbung als Dezernent.

Dass unter den drei aussichtsreichen Bewerbern nicht eine Frau ist, könnte bei vielen Fraktion für Unmut sorgen. Ob sich die Ratsmitglieder mit Thomas Kufens Auswahl zufrieden geben, oder zusätzlich weitere Bewerberinnen und Bewerber unter die Lupe nehmen wollen, ist unklar. Die Möglichkeit dazu bestünde.

*Anmerkung der Redaktion: Pascal Hesse ist unabhängig von seiner Tätigkeit als Redakteur des INFORMER ebenso als angestellter Bundespressesprecher der Piratenpartei Deutschland in Berlin tätig. Die Redaktion achtet auf die strikte redaktionelle Trennung beider Tätigkeiten.
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