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Mittwoch, 13. December 2017
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Gewaltfreies Lernen an Essener Grundschule

Seit Anfang November hat sich die Grundschule an der Waldlehne in Essen einen Anti-Konflikt Trainer ins Haus geholt. Erst wurden die Lehrer geschult, jetzt sind die Schüler an der Reihe.

von Sümeyye Algan

Seien es körperliche Übergriffe, Beleidigungen oder Mobbing. Der Kölner Verein „Gewaltfrei Lernen“, unter der Leitung von Sibylle Wanders, hat es sich vor zehn Jahren zur Aufgabe gemacht, präventiv gegen Gewalt in all ihren Facetten vorzugehen. Die Zielgruppe erstreckt sich von Kindergärten bis hin zu Ausbildungsstätten. Unter den Eltern ist das Projekt sehr positiv aufgenommen worden. „Sie werden auf den Elternabenden aktiv mit einbezogen, dürfen die Rollenspiele und Übungen selbst ausprobieren und sind so Teil des Projekts“, erzählt Direktorin Christel Müller. „Eigentlich ist es für die Eltern wie eine komprimierte Version der Stunden für die Kinder“, so Wanja Bochröder. Der 28-jährige ist Student an der Deutschen Sporthochschule in Köln und an der Grundschule der einzige Trainer für alle 12 Schulklassen. „Um die Schüler dafür zu sensibilisieren, gibt es verschiedene Methoden. Neben Partnerwechsel während des Trainings oder der Änderung der Sitzordnung in den Klassen gehört auch die klassische „Stopp“-Regel dazu“, erzählt er. Hinzu kommt das gemeinsame Spielen zwischen Jungs und Mädchen, was in vielen Schulen nach wie vor nicht zur Normalität gehört.

Wie es dazu kam, dass genau die Grundschule auf der Margarethenhöhe, wo es eher friedlich und harmonsich zugeht, von diesem Angebot gebrauch macht, weiß Grundschullehrerin Pirsig: „Wir haben nach einem Konzept zur Streitschlichtung gesucht, um etwas Einheitliches auf unserer Schule zu integrieren. Wenn jetzt das Schülertraining Mitte Dezember zu Ende geht, müssen wir Lehrer das Programm natürlich selbständig fortführen.“ Die Lerneinheiten umfassen drei Mal 90 Minuten. Wanja Bochröder fasst zusammen: „Im Prinzip sind es drei Bausteine. Als erstes die Fortbildung der Lehrer, dann eine Praxiseinheit mit mir, wo idealerweise auch Erzieher und OGS Betreuer dabei sind und zum Schluß der Elternabend.“

Deeskalationen vorbeugen

Bei einer Deeskalation geht es besonders um die richtigen Worte und Körpersignale, wenn es zu einem Streit kommt. Die Schüler lernen sich zu wehren und klare Ansagen zu machen.

Die Schüler lernen das klare „Nein“.

„Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Lernen der Grenzen meines Gegenübers. Dazu gehört auch der Respekt vor den Schutzzonen des anderen“, weiß Bochröder. Die Schüler der Klasse 3c haben sich für die kommenden 90 Minuten in der Turnhalle versammelt. Bochröder holt aus einem großen Beutel viele kleine Schwämme heraus und verteilt sie an die Drittklässler. „Die Schüler sollen dadurch lernen, wo es für den anderen unangenehm ist, wenn er oder sie dort berührt wird.“

Wanja Bochröder demonstriert die Übung mit dem Schwamm.

Er führt die Übung mit einer Schülerin vor. „Marie. Ist es ok für dich, wenn ich dich auf der Schulter berühre?“ Marie antwortet mit einem `Ja´. Dann geht es weiter mit dem Kopf, dem Bauch, dem Rücken, den Händen. Die Grenzen setzt in diesem Fall Marie. Er fragt in die Runde: „Was glaubt ihr? Wo sind die Schutzzonen?“ Die Schüler melden sich und rufen `Hals´, `Auge´, `Gesicht´. Dann bringt Wanja Bochröder den Kindern die anderen Schutzzonen `Po´, `Penis´, `Scheide´ und `Brüste´ näher. Die Kinder kichern. „Viele Kinder kennen die richtigen Bezeichnungen gar nicht, das ist aber wichtig, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln“, sagt Bochröder, während er die Kinder bei der Übung aufmerksam beobachtet.

Finanziert wird das 8.200 Euro teure Projekt durch drei Geldgeber. Die Stiftung der Sparda Bank übernimmt dabei mit 3.600 Euro den größten Anteil. Die Unfallkasse unterstützt das Projekt mit 2.000 Euro und der Förderverein mit 2.600 Euro. „Wir haben mit unserer Stiftung Kunst, Kultur und Soziales bisher an 160 Schulen in NRW ein Konflikttraining gefördert“, so Stefan Dunkel von der Sparda Bank West.

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