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Mittwoch, 24. Januar 2018
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Klirrende Säbel – Kriegerische Töne aus Pjöngjang und Washington

 

Amerikas erratischer Präsident Donald Trump versetzt mit seiner zerstörerischen Politik die arabische Welt in Aufruhr und macht in seinem ruchlosen Alleingang  dem lahmenden Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern den Garaus. Die blutigen Schlachten in Syrien und im Jemen finden kein Ende, die erbitterten Stellvertreterkriege zwischen Saudi-Arabien und dem Iran sowie in der Ukraine bleiben gefährliche Brandherde. Zugleich aber wird an diesem Sonntag die Kampagne zur atomaren Abrüstung in Stockholm mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wie aussichtslos das hehre Anliegen der wackeren Kämpfer für eine Welt ohne Atomwaffen derzeit ist, zeigt der Streit der beiden Atommächte USA und Russland über die  Aufrüstung der nuklearen Marschflugkörper mittlerer Reichweite, zeigt  aber auch der sich zuspitzende Konflikt um das Atomprogramm des Pariastaates Nordkorea. Droht nach den spektakulären Raketentests des Regimes ein nuklearer Schlag der USA, um dem „Raketenmann“ Kim Jong-un (Trump) sein Machtmittel zu nehmen?

Die schrillen kriegerischen Töne aus Pjöngjang und Washington  sind  in den letzten Tagen lauter geworden. So ließ das nordkoreanische Außenministerium verlauten: „Die verbleibende Frage ist jetzt, wann der Krieg ausbrechen wird.“ Und der  ansonsten so besonnene Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Herbert McMaster, hat die Erkenntnis gewonnen, dass „sich Nordkorea nicht abschrecken lässt.“ Ex-General McMaster: „Die Kriegsgefahr wächst mit jedem Tag.“ Zu Recht notiert die Süddeutsche Zeitung: „Die Säbeln rasseln nicht, sie klirren.“

Trumps Sicherheitsberater, aber auch die Strategen im Pentagon stellen in ihrer Analyse die über Jahrzehnte gültige Doktrin der nuklearen  Abschreckung in Frage. Nordkorea bedrohe nicht unmittelbar die USA und Südkorea, weil der 33-jährige Diktator in Pjöngjang im Besitz der Bombe eine Absicherung seiner Macht sehe. Aus dieser  Sicht ist ein nuklearer Angriff eher unwahrscheinlich, weil Kim Jong-un mit einem nuklearen Gegenschlag rechnen muss. Im Weißen Haus jedoch halten andere Präsidenten-Berater Kim für „durchgeknallt“ und „irrational.“ Nach dieser Analyse könne der Enkel des Staatsgründers Kim il-Sung sein atomares Arsenal sehr wohl einsetzen, um die Wiedervereinigung der beiden Koreas zu erzwingen und die Amerikaner zum militärischen Rückzug aus Südkorea zu drängen. Wenn Kim erst amerikanische Großstädte an der Westküste ins Visier nehme, sei auch ein konventioneller Angriff auf Südkorea möglich. Nach dieser Analyse spricht alles für einen präventiven Atomschlag der USA, um sich nicht erpressen zu lassen.

In Südkorea wächst die Sorge vor einer Eskalation  des Konfliktes. Deshalb will Präsident Moon Jae-in diese Woche in Peking  bei Chinas Staatschef Xi Jinping erneut für eine friedliche Lösung des Atomkonfliktes werben. Für Moon handelt Kim Jong-un bei allem verbalen Getöse durchaus rational. Deshalb ist es richtig, die Gesprächsbereitschaft Nordkoreas zu testen. Auch wenn sich das bereits vorhandene Atompotential mit Sicherheitsgarantien für das Regime nicht mehr wegverhandeln lässt.

10.12.2017                                                                                                   

 

 

 

 

 

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