Robuste Weltwirtschaft – Das Wachstum der globalen Wirtschaft übertrifft alle Erwartungen

 

Fast alle Konjunkturforscher, die das Münchner IFO-Institut vor Jahresfrist befragte, waren sich einig: Donald Trump werde sich als „Last“ für die amerikanische Wirtschaft erweisen. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman prophezeite gar,  der polternde Rüpel im Weißen Haus werde eine „weltweite Rezession“ auslösen. Das pure Gegenteil ist richtig: Das Wachstum der globalen Wirtschaft übertraf 2017 alle Erwartungen und verwies die pessimistischen Voraussagen der Gurus ins Reich der Fabeln.  Trumps plump-aggressive Parole „America first“ verhallte fürs Erste, der Handelskrieg mit China blieb aus, die US-Wirtschaft wuchs um nahezu drei Prozent.

Mehr noch: Der weltweite Handel entwickelte sich prächtig, die Aktienkurse kletterten auf Rekordhöhen, die Weltwirtschaft wuchs nach Schätzungen des Industrieländer-Clubs OECD um 3,6 Prozent. Neben den Industrieländern haben alle Weltregionen von diesem Aufschwung wie schon lange nicht mehr profitiert: China meldet eine Wachstumsrate von über sieben Prozent, Schwellenländer wie Russland oder Brasilien erholten sich von ihrer Wachstumsschwäche. Und Europa, in der verzerrten Wahrnehmung mancher Schwarzseher und Rechtspopulisten dem Verfall ausgeliefert, wird vom Internationalen Währungsfonds (IWF) als Lokomotive der Weltwirtschaft gepriesen. An der Schwelle zum neuen Jahr überwiegt in den meisten Unternehmen die Zuversicht: Die Auftragslage kündet von neuen Investitionen in Anlagen und Maschinen. Dass die Exportnation Deutschland von diesem Boom beflügelt wird, kann kaum überraschen: Ihr Wohlbefinden korrespondiert mit dem Aufschwung der globalen Wirtschaft.

Für den kräftigen Schub sorgten neben dem vergleichsweise  gemäßigten Ölpreis die Notenbanken in den westlichen Metropolen: Mit ihrer lockeren Geldpolitik stimulierten sie die Märkte. Weil die Finanzierungsbedingungen so günstig sind, sagen IWF und OECD für 2018 ein weltweites Wachstum von 3,7 Prozent voraus. Doch die angespannte geopolitische Lage birgt auch Risiken, die die Weltordnung durcheinander wirbeln können. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass, der Atompoker zwischen Trump und dem nordkoreanischen „Raketenmann“ Kim Jong-un ist ungelöst, die Unruhen im Iran könnten den Ölpreis in die Höhe treiben. Zudem gibt Chinas ungebremste Schuldenpolitik Anlass zur Sorge, es drohen neue Handelshemmnisse, und das Gefeilsche um den Brexit trübt die Stimmung. Trumps großspurige Steuerreform mag US-Unternehmen entlasten, lässt aber europäische Banken Schlimmes befürchten.

Die  weisen Makroökonomen haben offensichtlich die Robustheit der Weltwirtschaft unterschätzt. Wie robust sie ist, wird sich erweisen, wenn eines noch fernen Tages die Zinsen wieder steigen.

Richard Kiessler                                   07.01.2018

Diesen Beitrag teilen

Mehr aus
Politik

Lula da Silva hinter Gittern – Brasiliens zerrissene Gesellschaft

In Brasilien hat sich Liuz Inacio Lula da Silva am Wochenende der Polizei gestellt, um seine 12-jährige Haft anzutreten. Dem einstigen Staatschef (2003-2010) wurden Schmiergelder zum Verhängnis, um im Gegengeschäft dem halbstaatlichen Ölkonzern Petrobas den Weg zu öffentlichen Bauaufträgen zu ebnen.

Politik

Israels Dilemma – Blutiger Auftakt neuer palästinensischer Proteste

Nach den Auseinandersetzungen im Gazastreifen drohen die Massenproteste der Palästinenser in offene Gewalt umzuschlagen. Der „Tag des Bodens“, an dem sich weit über 30.000 Demonstranten den israelischen Panzern und Scharfschützern nährten, war erst der Auftakt zu einer mehrwöchigen Protestwelle.

Keine Inhalte gefunden

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Wörter richtig geschrieben sind
  • Probieren Sie andere Suchbegriffe.