Olympias schöner Schein – Die vorübergehende Entspannung in Korea

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER.
Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer. Foto: INFORMER

Ihr erstes olympisches Eishockey-Match haben die Athletinnen aus Nord- und Südkorea gegen das Schweizer Team verloren. So glatt verläuft das Zusammenspiel der beiden verfeindeten Staaten bei den Winterspielen im südkoreanischen Bergort Pyeongchang eben noch nicht. Da bieten auch die Volksweisen der nordkoreanischen Blaskapelle im Olympischen Dorf nur einen vorübergehenden Stimmungsaufheller. Die politische Charmeoffensive auf dem Festival in Schnee und Eis bleibt trotz aller Entspannungsgesten ein schöner Schein.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in zögert denn auch, die Einladung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un zu einer Visite in Pjöngjang anzunehmen, solange die „Bedingungen“ nicht stimmten. Diese hat der amerikanische Olympia-Gast, Vizepräsident Michael Pence klar benannt: Es gelte, den ihren „maximalen Druck“ auf das Regime im Norden aufrechterhalten und es weiter „diplomatisch und wirtschaftlich isolieren“, solange der Verzicht auf Atomwaffen ausbleibe. Konsequent verweigerte Donald Trumps getreuer Paladin in Pyeongchang dem nominellen nordkoreanischen Staatsoberhaupt Kim Yong-nam und der Diktatoren-Schwester Kim Yo-jong den Handschlag. Dagegen bat der Gastgeber die hochrangige Delegation aus Pjöngjang immerhin zu einem Mittagessen in seinen Präsidentenpalast.

Dass auch Nordkorea den olympischen Frieden für vorübergehend hält, hatte Kim Yong-un am Vorabend der Eröffnungsfeier mit einer etwas leiser als gewöhnlich klirrenden Militärparade in Pjöngjang demonstriert. Dies sollte ein deutlicher Wink sein, dass Nordkorea ohne Einschränkungen am Ausbau seines nuklearen Potentials festhalten wird.

Von einem Wandel durch Annäherung sind die Kontrahenten auf der koreanischen Halbinsel noch weit entfernt. Die Gesten aus dem Norden folgen einem erprobten Ritual: Das Regime hofft, seine prekäre wirtschaftliche Lage durch Konzessionen aus dem Süden aufbessern zu können. Vom gemeinsamen Fernziel einer Wiedervereinigung ist nur auf dem Papier die Rede. Derzeit hat keiner der beteiligten Akteure daran ein wirkliches Interesse. Nordkorea nicht, weil die Kim-Dynastie ohne Atomwaffen um ihr Überleben fürchten muss. Südkorea nicht, weil die ökonomische Bürde das Land überfordern würde. Japan nicht, weil es die Stärke eines vereinten Korea fürchtet. China nicht, weil Nordkorea als Pufferstaat gegen den amerikanischen Einfluss in der Region verloren ginge. Und die USA nicht, weil sie ihren geostrategischen Einfluss in Asien aufrechterhalten wollen.

Vorerst herrscht der olympische Frieden, die Arena gehört den Athleten. Und nach antikem Vorbild ist der Moment des Sieges im Wettkampf heilig.

Richard Kiessler       11.02.2018

 

 

 

Diesen Beitrag teilen

Mehr aus

Keine Inhalte gefunden

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Wörter richtig geschrieben sind
  • Probieren Sie andere Suchbegriffe.