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Donnerstag, 24. May 2018
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Saudi Arabiens ungestümer Kronprinz – Die Kosten einer Politik der Stärke gegen Iran

Zur Monatsmitte öffnet Ritz-Carlton Hotel in Riad wieder seine Pforten für Gäste. Die Zimmerpreise im saudischen Fünf-Sterne-Hospiz beginnen bei 560 Euro die Nacht. Die letzten 80 Tage hatte die Regierung des Königreiches in der feudalen Herberge mehrere Dutzend Prinzen und Geschäftsleute festgesetzt, allesamt in den Augen des Regimes lästige Querulanten und korrupte Kritiker.

Zu den prominentesten Hotelgästen, deren Loyalität sich das Herrscherhaus versichern ließ, zählt der milliardenschwere Prinz Alwaleed bin Talal, der Rang 37 unter den reichsten Menschen der Welt besetzt und Anteile bei Apple, Twitter, Time Warner und der Citigroup hält. Auch andere Zwangsgäste, darunter der ehemalige Finanzminister, haben die Luxushaft verlassen dürfen – nbar nachdem sie ihre Unschuld mit saftigen Zahlungen bewiesen haben. Jedenfalls lässt Generalstaatsanwalt Saud al-Mudschik voller Stolz wissen, die Vorwürfe gegen Geldwäsche oder Unterschlagungen seien bislang mit 85 Milliarden Euro vergolten worden – aus dem Besitz von Immobilien, Handelsgesellschaften, Wertpapieren oder gleich Cash. Der inzwischen klammen Staatskasse bekommt’s.

Auslöser dieser wundersamen Geldbeschaffung ist Saudi Arabiens junger starker Mann Mohammed Bin Salman. Dem verschaffte sein königlicher Vater einen kometenhaften Aufstieg, als er den 32-jährigen 2015 zum Verteidigungsminister und 2017 zum Thronfolger beförderte. Seither mischt MBS, wie ihn alle nennen, die verkrusteten feudalen Strukturen des konservativen Königreiches mit allerlei Reformen auf. Ab Juni dürfen Frauen Auto fahren, auch der Bann für Kinofilme wird aufgehoben.is bieten. Mit radikalen Wirtschaftsreformen sucht MBS vor allem den jungen Untertanen Perspektiven zu bieten. 70 Prozent der Bevölkerung des Petro-Staates sind jünger als 30 Jahre, aber zu fast 40 Prozent ohne Arbeit.

Bei Lichte besehen sind die ungestümen Aktivitäten des Kronprinzen ein Ablenkungsmanöver. Zwar hat er den stillschweigenden Deal des Herrscherhauses mit den religiösen und wirtschaftlichen Eliten aufgekündigt, Macht und Geld untereinander zu verteilen. Aber fortan soll eine Hand nicht länger die andere waschen, sondern nur noch die Mohammed bin Salmans. Das ist riskant und schafft Gegner. Auch deshalb schärft der saudische Politstar das Feindbild vom regionalen Erzrivalen Iran. Ob es die schiitische Mehrheit im benachbarten Kleinstaat Bahrein, der von den Mullahs unterstützte syrische Machthaber Baschar al-Assad, die Hisbollah-Miliz im Libanon oder die Huthi-Rebellen im Jemenkrieg sind – sie alle gelten im Hause Saud als Marionetten Irans.

Zur Eindämmung des Rivalen setzt MBS, von US-Präsident Donald Trump wortreich unterstützt, auf eine Politik kompromissloser Stärke. Doch die Kosten für Saudi Arabien klettern beständig und MBS könnte sich verspekulieren. Der Kronprinz, fürchtet ein saudischer Insider, der nicht genannt werden möchte, „rennt in vollem Tempo auf einen Abgrund zu.“

Richard Kiessler   04.02.2018

 

 

 

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