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Montag, 26. February 2018
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Stadt Essen zieht Bilanz: 16,5 Millionen Euro für die Grüne Hauptstadt

Ziehen Bilanz: (v.l.) Ralph Kindel, Projektteamleiter der Grünen Hauptstadt, Simone Raskob, Umwelt-, Bau- und Sportdezernentin sowie Projektleiterin der Grünen Hauptstadt, Oberbürgermeister Thomas Kufen und Projektteamleiter Matthias Sinn. Foto: Pascal Hesse / INFORMER
Ziehen Bilanz: (v.l.) Ralph Kindel, Projektteamleiter der Grünen Hauptstadt, Simone Raskob, Umwelt-, Bau- und Sportdezernentin sowie Projektleiterin der Grünen Hauptstadt, Oberbürgermeister Thomas Kufen und Projektteamleiter Matthias Sinn. Foto: Pascal Hesse / INFORMER

Grüne Hauptstadt Europas

  • Die Stadt Essen und das Projektbüro ziehen eine durchweg positive Bilanz des Hauptstadtjahrs.
  • Der Gesamtetat der Grünen Hauptstadt lag bei 16,5 Millionen Euro, dazu kommen Sachmittel.
  • Seitens des Essener Bürger Bündnisses (EBB) wird kritisiert, dass die meisten Projekte ohne nachhaltigen Nutzen für die Natur und die Essener seien.

Essen. Die Macher der ‚Grünen Hauptstadt Europas‘ sind mit ihrer eigenen Arbeit zufrieden. Die Stadt Essen und das Projektbüro ziehen nach einem Jahr im Zeichen von Natur und Umweltschutz positive Bilanz. Doch was hat der Europäische Titel am Ende gebracht?

Von Pascal Hesse

Die Bilanz-Pressekonferenz zur ‚Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017‘ ging unkritisch zu Ende. Es blieb bei nur einer einzigen Nachfrage eines Lokaljournalisten, hoch oben in der 22. Rathausetage über den grünen Baumkronen der Stadt. Glaubt man den Verantwortlichen bei der Stadt und dem Projektbüro, war die ‚Grüne Hauptstadt‘ ein (Zitat) „voller Erfolg“. Alles andere war natürlich nicht zu erwarten. Das Hauptstadtjahr, es ist für Essen nun vorbei. Die Bilanz, sie füllt, anders als beim Kulturhauptstadtjahr 2010, keine Bücherseiten und Berge von Pressemappen; sie kommt recht knapp daher. Den Staffelstab hat die Ruhrmetropole nunmehr an die niederländische Stadt Njimegen übergeben.

453 Projekte – davon 187 Eigenprojekte, 56 Tagungen und Konferenzen und 210 Bürgerprojekte – wurden im Hauptstadtjahr realisiert. Rund 200.000 Besucherinnen und Besucher kamen zu den Veranstaltungen. Eindeutiges Fazit der Verantwortlichen: „Die Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 war ein voller Erfolg und ist nachhaltiger Motor für die zukünftige Entwicklung der Stadt Essen und der Region“, so heißt es gleich zu Beginn in der Mitteilung des Projektbüros.„Es ist uns gelungen, Essen als pulsierende, zukunftsfähige und moderne Grüne Hauptstadt Europas zu präsentieren, auf die die Bürgerinnen und Bürger zu Recht stolz sein können. Dieses Bild ist um die Welt gegangen – Essen ist nicht mehr die Kohle- und Stahlstadt von einst, sondern eine Metropole, deren beeindruckender Wandel als Zukunftsmodell für andere Städte im Strukturwandel dient. Dabei ist mir eines besonders wichtig: Die Essenerinnen und Essener haben selbst den Wandlungsprozess angestoßen und sind ein wesentlicher Teil dieses Prozesses“, betont Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, der zugleich mit seiner Kollegin, Bau-, Umwelt- und Sportdezernentin Simone Raskob, die „Grüne Dekade“ einleitet. Raskob war Projektleiterin der ‚Grünen Hauptstadt‘.

Nachhaltig? 3.000 Müllerimer mit Sprüchen beklebt

Was es mit der ‚Grünen Dekade‘ auf sich hat? Noch in diesem Jahr endet der Steinkohlebergbau in der Region , der Emscherumbau wird 2020 fertiggestellt, im Jahr 2022 finden die Ergebnispräsentationen der KlimaExpo.NRW und der Klimametropole RUHR 2022 statt und 2027 präsentiert die Metropole Ruhr ihre Internationale Gartenausstellung. Durch die finanzielle Unterstützung der Stadt, der Landesregierung NRW, des Bundesumweltministeriums und von Sponsoren stand dem grünen Großprojekt ein Gesamtbudget von 16,5 Millionen Euro zur Verfügung. Davon seien über 50 Prozent direkt in die Projekte geflossen. Von den rund 8,6 Millionen Euro Projektmitteln seien 71 Prozent für nachhaltige Projekte, Baumaßnahmen, Ausstellungen, Tagungen und Konferenzen ausgegeben worden, 29 Prozent für Events, wie die Eröffnung und das Familien- und Gartenfest ‚Grün auf! Altendorf‘ sowie Ausstellungen. „Wir haben Projekte durchgeführt, die die Bürgerinnen und Bürger zum Umdenken angeregt und sie für grüne Themen sensibilisiert haben – ohne erhobenen Zeigefinger. Und wir haben Projekte umgesetzt, die im Stadtbild über das Jahr 2017 hinaus sichtbar sein werden“, sagt Raskob.

Fünf Themenfelder wurden im Rahmen der Grünen Hauptstadt in den Mittelpunkt gerückt: ‚Mein Grün‘, ‚Meine Flüsse‘, ‚Mein Einkauf‘, ‚Meine Wege‘ und ‚Meine Zukunft‘. Die Eröffnung von zwei Mobilstationen an zentralen Haltepunkten der Ruhrbahn mit E-Auto-Lade- und Leihfahrräder-Stationen, das E-Rikschaprojekt ‚Radeln ohne Alter‘, das 843 Seniorinnen und Senioren zu ihren Lieblingsorten in der Stadt brachte, die Ruhr-Badestelle am Seaside Beach Baldeney, die ‚MS innogy‘, die die Fahrgäste emissionsarm über den Baldeneysee schippert, und die 3.000 mit Sprüchen beklebten Mülleimer im gesamten Stadtgebiet sind nur einige der nachhaltigen Projekte. „Wir haben im Grüne Hauptstadt-Jahr ein neues Bild von Essen gezeigt, das um die Welt gegangen ist und viele überrascht und begeistert hat“, bekräftigt Thomas Kufen. Es sorge dafür, dass Essen international an Ansehen gewonnen habe: Die Stadt arbeite mit in international aufgestellten Netzwerken wie der ‚Climate Alliance‘, ‚Eurocities‘ und der ‚Urban Transition Alliance‘.

Nicht nur positive Stimmen zur Bilanz

Auch touristisch habe die Stadt von der ‚Grünen Hauptstadt‘ profitiert: 384.000 zusätzliche Besuche von Tagestouristen und 120.000 zusätzliche Übernachtungen wurden in einem vergleichsweise messeschwachen Jahr gezählt. Der Grugapark könne auf ein Rekordjahr zurückblicken: In 2017 kamen 1,1 Millionen Besucher und somit 7,5 % mehr als in 2016. Reflektierter und ohne rosarote Brille bilanziert Kai Hemsteeg, Vize-Fraktionsvorsitzender des ‚Essener Bürger Bündnisses‘ (EBB) im Rat der Stadt Essen, das Jahr der ‚Grünen Hauptstadt‘: „Es hatte Licht und Schatten. Anerkennenswert sind die Bemühungen, Essen als naturfreundliche, lebenswerte Stadt weit über die Grenzen des Ruhrgebiets weiter bekannt zu machen und so nicht zuletzt für eine weitere Belebung des Tourismus zu sorgen. Leider sind auf der anderen Seite die meisten Projekte ohne nachhaltigen Nutzen für die Natur und die Essener. Begonnen mit einer Eröffnungsfeier, die, verunglimpft von Demonstranten, durch nur zögerliches Einschreiten der privaten Ordnungskräfte in ihrer Wirkung beeinträchtigt wurde, zogen sich einige Pannen und Unsinnsprojekte durch das Grüne Hauptstadtjahr.“

Weitere Beiträge aus Essen und der Metropole Ruhr gibt es auf: www.informer-online.de

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