Die neue Musiknacht: „Ein Konzept, so einfach wie cool.“

Von Kneipe zu Kneipe ziehen und überall Live-Musik erleben – durch dieses Konzept belebt die Rüttenscheider Musiknacht nicht nur einzelne Locations, sondern das ganze Viertel. (Foto: Rüttenscheid – Auf Achse)

Eine Nacht, 14 Bands in zwölf Locations, vier Aftershow-Partys – und nur einmal Eintritt: Das ist das Konzept der Rüttenscheider Musiknacht. Sie findet am 14. April bereits zum achtzehnten Mal statt. Und ist dennoch eine Premiere. Erstmalig übernehmen Ted Terdisch, Igor Albanese und Benny Nauschütz die Organisation des Live-Musik-Events.

EIN INTERVIEW VON LARS RIEDEL.

Der Clark Kent der Essener Musikszene: Im Alltag ist Benjamin Nauschütz Rechtsanwalt. Auf der Bühne aber kennt man ihn als Benny von ‚Benny & Joyce‘. Musiker auf der einen, Advokat auf der anderen Seite. Beide Kompetenzen kann er für sein neues Projekt gebrauchen: Gemeinsam mit Ted Terdisch und Igor Albanese hat er nun die Organisation der Rüttenscheider Musiknacht übernommen. (Foto: Christoph Bubbe)

Ted und Igor sind in Essen ja keine Unbekannten, wenn es um die Organisation von Großveranstaltungen geht. Dich, Benny, kennt man eher als Musiker auf der Bühne. Wie kommt es, dass Ihr mit der Rüttenscheider Musiknacht nun zu dritt ein Event organisiert?

Benny Nauschütz: Wir haben uns vor etwa einem Jahr überlegt, eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen – die ANT. Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen, bringen aber jeder für sich Kompetenzen in Sachen Live-Events mit. Wie Du schon sagst, haben Igor und Ted selbst schon einige Groß- und Stadtteilfeste auf die Beine gestellt. Und da kamen auch schon vorher häufiger Anfragen nach Bands für das musikalische Programm. So haben wir uns nun zusammengeschlossen, um Firmenveranstaltungen, Stadtteilfeste und ähnliches direkt gemeinsam zu organisieren.

Nun ist die Musiknacht weder ein Firmenevent noch ein klassisches Stadtteilfest. Wie seid Ihr dazu gekommen?

Benny: Bei der Rüttenscheider Musiknacht war es tatsächlich so, dass der bisherige Veranstalter einen Nachfolger gesucht hat. Er ist dann direkt auf Teds Lokal ‚plan B‘ zugegangen, weil er wusste, dass dort Menschen sind, die möglicherweise Interesse daran haben, die Rüttenscheider Musiknacht weiterzuführen. Und so ist die Musiknacht letztlich bei uns drei auf die Agenda gerückt.

Wobei die Übernahme eines bereits etablierten Events nicht nur Vorteile mit sich bringt.

Benny: Ganz ehrlich, ich habe die Rüttenscheider Musiknacht eigentlich erst in den letzten zwei Jahren so richtig wahrgenommen – (lacht) da habe ich mir die Frage gestellt, warum ich eigentlich nie gefragt werde, ob ich dort als Musiker spielen will. Denn das Konzept der Musiknacht finde ich wirklich einfach wie auch cool. Es gibt ein Bändchen, es gibt verschiedene Kneipen, die dabei sind, und die Leute können tingeln von Laden zu Laden und können sich Live-Bands angucken und anhören. Das Konzept fand ich da schon super. Als ich mir das dann im letzten Jahr genauer angeguckt habe, waren noch, glaube ich, neun Kneipen dabei. Da hätte ich mir schon etwas mehr vorstellen können. Ebenso beim angebotenen Spektrum der Live-Musik. Aber wie gesagt, das Konzept finde ich nach wie vor genial.

Klingt aber so, als wäre da noch Luft nach oben. Was wollt Ihr anders machen?

Benny: Wir wollen zum einen das Konzept weiterführen, es zum anderen aber auch auf eine Art kulturell breitere Ebene bringen. Also bitte nicht missverstehen, die Musiknacht wird immer noch in Kneipen stattfinden. Es soll auch weiter so bleiben, dass die Leute dabei einfach nur Spaß an der Musik haben. Aber: Wir haben hier in Essen die Folkwang Hochschule, wir haben super Künstler und wir haben gute Locations, die man vielleicht nicht unbedingt bei einer Kneipen-Musiknacht verorten würde. So sind zum Beispiel das ‚Müllers auf der Rü‘ oder auch die Weinbar ‚Emma 2‘ nun erstmalig mit dabei. Auch das Sausalitos und ‚Johnny‘s EssKULTur‘ – beide ebenfalls keine klassischen Kneipen – werden in diesem Jahr mitmachen.

Und was die Auswahl der Bands betrifft? Was ändert sich da?

Benny: Natürlich haben die Gastronomen dabei auch weiterhin ein Mitspracherecht, das mancher auch nutzt und andere wiederum weniger. Was die Bandauswahl durch uns angeht, haben wir unter anderem auch alte Folkwang-Kontakte ausgegraben. Beispielsweise spielt in der ‚EssKULTur‘ Nils-Christopher, der etwas ganz anderes macht. Er spielt halt nicht einfach Coversongs, sondern als Singer/Songwriter ganz eigene Sachen.

Hinzu kommt: Wir haben jetzt ein Programmheft. Das gab‘s vorher nicht – wollten wir aber unbedingt haben, damit die Leute wissen, was für Bands sie wo sehen, und die Musiker sich und ihre Musik auch präsentieren können. Denn viele Bands spielen bei der Musiknacht gerade auch deshalb, damit sie einen größeren Bekanntheitsgrad bekommen. Denn die Rüttenscheider Musiknacht zieht ein großes Publikum an.

Aber was ist mit dem Stadtteil? Rüttenscheid ist DAS Ausgehviertel. Braucht es da noch eine Musiknacht?

Benny: Das ist tatsächlich eine interessante Frage. In anderen Städten, in denen es das Format der Musiknacht ebenfalls gibt, ist die Musiknacht der Publikumsmagnet schlechthin – weil es teilweise das einzige Event im Jahr ist. In Rüttenscheid ist das natürlich anders. Hier findet immer irgendwas statt. Da kann man sich durchaus fragen: Ist die Musiknacht nötig? Aus meiner Sicht als Musiker finde ich, dass in Rüttenscheid live-musik-mäßig noch viel mehr gehen könnte – weniger, was die Bereitschaft der Gastronomen, sondern eigentlich mehr, was das Interesse des Publikums angeht. Die Musiknacht hat ihren besonderen Reiz darin, dass sie Menschen mit Live-Musik in Verbindung bringt, die sich jetzt vielleicht nicht unbedingt regelmäßig Konzertkarten kaufen. Und die Menschen reden über die Musik. Die Musiknacht erstreckt sich über die gesamte Rü und angrenzende Straßen. Die Straßen sind voll von musikbegeisterten Menschen. Sie treffen sich draußen und unterhalten sich: „Ich komme gerade aus dem und dem Laden. Da habe ich die Band XY gehört. Die sind echt super.“ Oder aber auch: „Die haben mir gar nicht gefallen.“ Wie auch immer: Die Musik wird zum Gesprächsthema.

Mit wie vielen Besuchern rechnet Ihr denn in diesem Jahr?

Benny: Etwa 1.500 Besucher haben wir uns als Minimum gesetzt. Wir hoffen aber, dass wir 2.000 plus erreichen, was wir auch als durchaus realistisch ansehen. Denn in diesem Jahr gibt es auch insgesamt vier Aftershow-Partys. Und wenn unsere Premiere am 14. April richtig gut läuft, können wir uns auch vorstellen, vielleicht schon im nächsten Jahr die Rüttenscheider Musiknacht zweimal, im Frühjahr und im Herbst, aufzuziehen.

Soviel zur Zukunftsmusik. Wer jetzt schon dabei sein will: Wo gibt es die Bändchen für den Eintritt in die verschiedenen Locations?

Benny: Seit dem 15. März läuft der Vorverkauf in allen teilnehmenden Gastronomiebetrieben. Der Vorverkauf ist etwas günstiger, da kostet das Bändchen zwölf Euro. Wenn man es an der Abendkasse am 14. April kauft, kostet es 14 Euro. Eine Abendkasse wird es aber auch bei allen teilnehmenden Locations geben.

Weitere Infos unter www.rü-musiknacht.de.

Diesen Beitrag teilen

Mehr aus

Keine Inhalte gefunden

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Wörter richtig geschrieben sind
  • Probieren Sie andere Suchbegriffe.