Eine Falle für Trump – Was steckt hinter Nordkoreas Gesprächsofferte?

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER.
Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer. Foto: INFORMER

Donald Trump mag seinen impulsiven Entschluss, sich auf ein Treffen mit  Kim Jong-un einzulassen, als logische Konsequenz seiner harten, zuweilen aggressiven Haltung gegenüber dem nordkoreanischen Regime darstellen. Doch die vom Weißen Haus nur Stunden nach dem Tweet des Präsidenten nachgeschobenen Bedingungen vor dem überraschenden Gipfel offenbaren die verspätete Erkenntnis, dass ein bloßer Handshake des „kleinen Raketenmannes“ (Trump über Kim) mit dem „geisteskranken Greis“ (Kim über Trump) eine leere Symbolhaltung zu  bleiben droht. Deshalb besteht die US-Regierung darauf, an den Sanktionen gegen  Nordkorea festzuhalten bis die vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel  unter Dach und Fach ist. Ein solches Ergebnis kann jedoch nur das Finale eines langwierigen Verhandlungsprozesses sein. Niemand in Washington vermag zu sagen,  ob der pausbäckige Diktator in Pjöngjang wirklich zu einem radikalen Kurswechsel in seinem brandgefährlichen Poker mit der Bombe bereit ist. Aber manchem schwant, der diplomatisch ungestüme Präsident könne in eine Falle getappt sein.

Kim Jong-un kann sich bereits jetzt des erheblichen Image-Gewinns rühmen, dass ein amerikanischer Präsident dem nun nicht länger international geächteten Paria auf Augenhöhe begegnen will. Bislang war der Kim-Dynastie dieser Triumph verwehrt worden – Großvater Kim IL-sung ereilte kurz vor einem präsidialen Treffen der Tod,  Vater Kim Jong-il’s Verabredung mit Bill Clinton scheitere nach jahrelangen Atomverhandlungen (und dem heimlichen Weiterbasteln an der Bombe) an Terminschwierigkeiten. Dass der 34-jährige Kim Jong-un nun einen Teststopp für sein nukleares Arsenal in Aussicht stellt und US-Militärübungen mit Südkorea in Kauf nimmt, solange die Gespräche andauern, demonstriert seine gefestigte Position an der Spitze der nordkoreanischen Machtpyramide. Im Unterschied zu früheren Bemühungen, die atomaren Ambitionen in ihrer Entwicklungsphase einzuhegen, steht Nordkorea jetzt als Nuklearmacht  da, die zumindest in begrenzter Form die notwendige Raketentechnik beherrscht.

In dieser Lage die Chance für Abrüstungsgespräche in einer der gefährlichsten Krisenregionen der Erde auszuschlagen, wäre gewiss ein Fehler. Nur, dass der sprunghafte Trump als selbsternannter Dealmaker (mit bislang zweifelhaften Erfolgen) diese heiklen Verhandlungen zu einem Erfolg führen zu können glaubt, weckt Skepsis und Misstrauen. Für eine solche Herkulesaufgabe ist Trump schlicht zu ungeduldig. Leichtfertig darauf zu setzen, Kim Jonng-un werde angesichts der harten Sanktionen einknicken und um Wirtschaftshilfe buhlen, ist eine pure Illusion. Ungleich schwieriger ist es, dem Regime in Pjöngjang zu einer  Demontage seiner bisherigen Überlebensstrategie zu bewegen und im Gegenzug belastbare Sicherheitsgarantien aufzubieten, die womöglich zu einem Rückzug der USA von der nordkoreanischen Halbinsel führen müssten.

Richard Kiessler     11.03.2018

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