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Mittwoch, 20. June 2018
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Mit dem Traumschiff durch die Karibik

Die MS Berlin am Kai von Cozumel, Mexiko: 1980 lief das ZDF-Traumschiff vom Stapel. (Fotos: Eva-Maria Kiessler; Dr. Richard Kiessler)

Als ‚Das Traumschiff‘ war die MS Berlin für das ZDF ein Quotengarant. Heute gehört das Schiff zur FTI Cruises. Mit sonnenklar.TV auf Achttägige Kreuzfahrt von Kuba nach Mexiko und zurück – ein Reisebericht.

Die Altstadt Havannas: ein UNESCO Weltkulturerbe.

Hohe Wellen klatschen gegen die Kaimauer, die weiße Gischt des Atlantiks überspült den Malecón, den legendären Küstenboulevard der kubanischen Hauptstadt Havana. Zahlreiche einst repräsentative Villen und Prachtbauten im Kolonialstil, nahezu alle dem Verfall überlassen, säumen die gewundene Uferstraße. Sie zieht sich über sieben Kilometer entlang der felsigen Küste.

Der Malecón ist das Herz von Havana und bietet einen eindrucksvollen Blick über die Skyline der Stadt sowie rüber zum Felsen El Morro – dort, wo die Festung Castillo de los Tres Reyes del Morro die schmale und felsgeschützte Hafeneinfahrt Havanas bewacht. Neben dieser mächtigen Burg, hoch über der Bucht von Havana und mit prächtiger Aussicht hinunter auf die Altstadt, steht eine schöne, hellgelb getünchte großbürgerliche Villa: „Da hat Che Guevara gewohnt“, raunt unser kubanischer Begleiter. Wir sind irritiert, ist doch Che Guevara mithin populärstes Aushängeschild für die Revolution, den Sozialismus und das gesamte kubanische Volk bis zum heutigen Tag. Che, das Symbol schlechthin für den Kampf gegen Imperialismus, wohnte in diesem herrschaftlichen Haus? Krasser könnte der Kontrast zum bröckelnden Putz auf dem gegenüberliegenden Malecón nicht sein. Kaum Geschäfte, und selbst die Altstadt mit ihren historischen und liebevoll restaurierten Gebäuden, die zum UNESCO Weltkulturerbe gekürt wurde, kämpft gegen den Verfall.

Vor allem die älteren Kubanerinnen kleiden sich sehr farbenfroh.

Von weitem können wir am Pier gegenüber der malerischen Plaza San Francisco die Schornsteine von zwei Kreuzfahrtschiffen erkennen, die im Hafen am Terminal Sierra Maestra festgemacht haben. In der Mitte des beschaulichen Platzes steht der Brunnen Fuente de los Leones, nach einem Vorbild aus der Alhambra errichtet, der einst den hier festmachenden Seeleuten am Fuße der Klosterkirche San Francisco de Asis als Süßwasserquelle diente.

Im Schatten der mächtigen MSC Armonia mit ihren 13 Decks, die hier ebenfalls ankert, entdecken wir die MS Berlin, unser Zuhause für die nächsten acht Tage. Mit nur sechs Decks ist das einstige Traumschiff, das in der gleichnamigen ZDF-Reihe in den 80er Jahren mit Traumquoten bis zu 25,5 Prozent zu den erfolgreichsten Serien des Senders gehörte, eher klein – und mit 39 Jahren auch ziemlich betagt. Das Kreuzfahrtschiff, 1980 vom Stapel gelaufen, gehört heute der FTI Touristik Group, die 2012 in den deutschen Kreuzfahrtmarkt unter dem Namen FTI Cruises eingestiegen ist. Doch bevor wir unsere Kabinen beziehen können, müssen wir durch die umfangreichen Kontrollen der kubanischen Grenzbeamten. Spätestens hier werden Erinnerungen an einstige Einreisen in die frühere DDR wach: Knapper Befehlston in kaum verständlichem Englisch; das verunsicherte Lächeln der Reisenden quittieren die Kubaner mit eisigem Blick. Jeder Landgang auf die Karibikinsel gilt als Ein- bzw. Ausreise, sechsmal also unterziehen wir uns dieser Prozedur in der kommenden Woche wenn wir die Insel umrunden.

Journalist und Publizist Dr. Richard Kiessler auf der Brücke des Traumschiffs.

Auf offener See

Das Filet Wellington ist rosa gegart, die Hülle aus Blätterteig zart und knusprig, die Beilagen perfekt auf das Fleisch abgestimmt. Ich starre auf meinen Teller, kalter Schweiß auf der Stirn. Wir haben Windstärke 9, die MS Berlin kämpft sich tapfer durch die Nacht. Meterhoch sind die Wellen, die am Bug nahezu auf Augenhöhe vorbeirollen. Tags zuvor sind wir um Mitternacht in Havana ausgelaufen und steuern nun Cozumel vor der mexikanischen Halbinsel Yucatan an. Die Seekrankheit trifft mich völlig unvorbereitet. Alberto Tarozzi, Italiener und gebürtig aus Ancona, lächelt beim Captains Dinner milde und gießt sich einen Schluck von dem exzellenten Riesling ein. Seine Frau habe es längst aufgegeben, ihn auf See zu begleiten, berichtet der Vater von drei erwachsenen Töchtern, der bella figura in der weißen Uniform mit den vier Streifen macht. Auch sie leide extrem unter hohem Wellengang. Glücklich ist er über die Künste und Kreativität seines deutschen Kochs Thomas Heinzel und die hohe Qualität der Menüs, die in den beiden Restaurants an Bord angeboten werden.

Eva-Maria Kiessler zusammen mit Alberto Tarozzi, Kapitän der MS Berlin.

Seit 2014 trägt der eher zurückhaltende und höfliche Tarozzi die Verantwortung für die MS Berlin. Nein, es sei keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, erzählt der 65-Jährige mit der beeindruckenden Nautik-Biografie: Mit 24 Jahren war er jüngster Kapitän der italienischen Marine, später, mit 27, navigierte er riesige Tanker über die Weltmeere. Seit Jahren ist er nun auf diversen Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Schnell habe er die Qualitäten und die große Zuverlässigkeit der ‚Berlin‘, der ‚alten Lady‘ erkannt. Zudem sei der Zusammenhalt und das Zusammenspiel der Crew, die sich aus 22 Nationen zusammensetzt, einmalig. Zehn Monate auf See, eine Siebentage-Woche, rundum-die-Uhr-Einsatzbereitschaft – wer den Job auf Kreuzfahrtschiffen sucht, muss vor allem Leidenschaft und Teamfähigkeit mitbringen. Auf der ‚Berlin‘ sorgen 180 Mann Besatzung für das Wohl der maximal 400 Gäste und für eine reibungslos funktionierende Technik. Die Arbeit von Kreuzfahrtdirektor Stelios Vafiadis, gebürtiger Hamburger griechischer Abstammung, umfasst alles, was den Gast betrifft. Der gelernte Hotelfachmann ist, wie er selbst sagt, Dienstleister aus Leidenschaft. Das muss er auch sein, denn die Arbeit mit dem Gast ist mitunter eine große Herausforderung. Geduldig hört sich Vafiadis Wünsche und Klagen, mitunter auch manch kuriose Frage an.

Die Bar im berühmten Hotel Nacional de Cuba. Hier logierten Prominente wie Buster Keaton, Errol Flynn, Marlene Dietrich und Ernest Hemingway. 1946 hielt die US-Mafia einen Kongress im Nacional ab, der als ‚Havanna-Konferenz‘ bekannt wurde.

Aber nicht nur für die Besatzung ist das Leben an Bord strikt durchgetaktet. Auch der Gast hat ‚Stress‘, etwa schon am Vorabend, wenn er nach dem Abendessen das Programm für den nächsten Tag in seiner Kabine vorfindet. Nun heißt es, schwierigste Entscheidungen zu treffen: Welcher Vortrag, welches Fitnessprogramm oder welcher Kochkurs soll besucht, welcher Landausflug gebucht werden? Lasse ich mich von kundiger Hand massieren oder wollen wir doch mal ausschlafen und das verlängerte Frühstück genießen, das an Seetagen angeboten wird? Dem Küchenchef über die Schulter schauen, wie er Peruvian Ceviche oder eine New Orleans Jambayala zubereitet? Die Auswahl ist groß und breit gefächert, die Vorträge in der gemütlichen Sirocco-Lounge, die auf die Landgänge vorbereiten, von hohem Anspruch sowie stets gut besucht.

Krönender Abschluss

Ausgefüllte Tage gehen zu Ende; wir haben viel erlebt: Von Havana nach Cozumel in Mexiko, wo wir Mitte Januar bei durchweg angenehmen 25 Grad Sonnentemperaturen an der mexikanischen Karibikküste im Bundesstaat Quintana Roo, rund 130 Kilometer südlich von Cancún, die faszinierenden Maya-Fundstätten von Tulum besichtigten. Von dort zurück nach Kuba, das eigentliche Ziel unserer Reise. Mit dem Bus ging es vom Hafen von Cienfuegos aus in die entzückende Kolonialstadt Trinidad. Und gefaulenzt wurde auch, unter Palmen am Strand von Maria La Gorda. Insgesamt haben wir 2.414 km zurückgelegt. Beim Abschied, nachdem wir die Gangway verlassen haben, schauen wir uns nochmal um: Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel wünschen wir der alten Lady MS Berlin.

Ein Beitrag von Dr. Richard Kiessler

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