Trumps zerstörerisches Chaos – Die bedrohte EU kittet ihre Risse

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER.
Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer. Foto: INFORMER

 

Der Furor der Modernisierung in Zeiten steten Wandels kennt keine Bedenkzeiten. So drängt es Politiker zur spontanen Tat, wenn sie über einen angeborenen Instinkt verfügen. Ein kluger Akteur indessen hinterfragt vorab seine Entscheidungen, erträgt Widerspruch und empfindet gewonnene Einsicht nicht als persönliche Schwäche. Nicht so Donald Trump. Dieser amerikanische Präsident ist ein impulsiver Entscheider, der seinem Bauchgefühl verfallen ist, der alles besser zu wissen vorgibt als seine Hintersassen und offensichtlich lustvoll das Gegenteil dessen tut, was ihm seine Berater empfehlen.

Nun wissen wir von Joseph Schumpeter, dem österreichischen Ökonomen, dass im ausufernden Kapitalismus das schöpferische, dynamische Chaos eher die Norm ist. Doch das von Trump angerichtete Chaos ist weder schöpferisch noch folgt es einer klaren Entwicklungslogik. Für Inseln der Rationalität und der Verlässlichkeit lässt dieser US-Präsident keinen Raum.

Die letzten „Erwachsenen“ im Weißen Haus, die den selbstverliebten Hausherrn zu zähmen trachteten, haben Reißaus genommen und wurden Opfer der Feuerlaune des einstigen TV-Stars der Serie „The Apprentice“. So wie Trump dort nach Lust und Laune demütigte oder in den Himmel hob, schart er jetzt Gehilfen um sich, die seine Instinkte bestätigen. Mit Mike Pompeo und John Bolton verstärkt der Präsident ein Kriegskabinett mit Buddys nach seinem Geschmack: Die beiden neokonservativen Hardliner, der neue Außenminister und der künftige Nationale Sicherheitsberater, werden ihren Boss nicht mit Widerspruchsgeist belästigen.

Nationalistische Heißsporne wie Bolton und Pompeo plädieren für robuste militärische Gewalt, um in Schurkenstaaten wie den Iran oder Nordkorea einen Regime Change zu erzwingen. Sie teilen Trumps tiefe Abneigung gegen die multilaterale, regelbasierte Weltwirtschaftsordnung und seine herablassende Geringschätzung für die UNO oder die Welthandelsorganisation (WTO).

So kümmern Trump nicht die schädlichen Folgen der Strafzölle gegen China. Hauptsache, er hat entschieden und kann ein neues Dekret in die Kameras halten. Ein abrupter Umkehrschub ist möglich, er entspräche Trumps launischem Charakter. Umso kühler müssen jetzt die ins Fadenkreuz geratenen Europäer agieren. Der Gipfel in Brüssel hat gezeigt, dass Trumps Drohungen den Fliehkräften in der EU Paroli bieten und schwächen. Die Europäer kitten vorerst ihre Risse und schließen ihre Reihen. Die gefährliche geopolitische Lage mag wundersame Ergebnisse zeitigen. Doch aus der Welt sind die Konflikte noch lange nicht.

Richard Kiessler  25.03.2018

 

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