Maulheld Trump ohne Strategie – Der symbolische Schlag gegen Syriens Giftküchen

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renomierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER. Foto: INFORMER

„Schöne und neue und ‚smarte‘ Raketen“ gegen das „Tier“  in Damaskus abzufeuern, prahlte der US-Präsident in seinem Tweet an die russische Schutzmacht des syrischen Machthabers, als suche er die direkte Konfrontation mit der anderen Atommacht. Im ersten Schock fragte sich die Welt, ob der unbeherrschte Donald Trump noch bei Verstand sei und nicht für bange Stunden die kritischste Weltlage seit der Kuba-Krise heraufbeschworen hatte. Doch einmal mehr entpuppte sich dieser Präsidentendarsteller im Weißen Haus als Maulheld mit Beißreflex. Die Luftschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens konzentrierten sich auf Chemie-Labore und militärische Forschungseinrichtungen des  Assad-Regimes. Das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation wurde wohlweislich vermieden. Die Amerikaner hatten die Russen über die Standleitung zwischen deren Kommandostand der Luftwaffenbasis im syrischen Khmeimim und dem nahöstlichen Hauptquartier der US-Luftwaffe in Katar informiert, dass die Cruise Missiles und Bomber der Westalliierten keine russischen Ziele ins Visier nehmen würden.

Gut möglich, dass der Militärschlag gegen Assads Giftküchen nach Trumps Geschmack ungleich heftiger hätte ausfallen können, wie in Washington glaubhaft kolportiert wird. Doch Verteidigungsminister James Mattis warnte mit Erfolg, dass der Konflikt „nicht auf strategischer Ebene außer Kontrolle geraten“ dürfe. Im Gegensatz zum eruptiven Trump mit seiner Lust an der Zerstörung folgt wohl auch Russlands kühl kalkulierender Präsident Wladimir Putin inmitten des eisigen politischen Klimas einer höheren Rationalität, um eine atomare Konfrontation mit Amerika zu vermeiden.

So demonstriert die Strafaktion dem ruchlosen syrischen Regime, dass es mit dem Einsatz chemischer Kampfstoffe gegen die eigene Bevölkerung und seine Widersacher eine rote Linie überschritten hat, auch wenn der Beweis erst nach den Luftangriffen erbracht werden soll. Die Kriegsverbrechen des syrischen Diktators summieren sich auf derzeit 86 Einsätze mit völkerrechtlich geächteten Chemiewaffen.  Diesem Treiben tatenlos zuzusehen, wäre ein fataler Fehler, auch wenn der militärische Schlag vom Wochenende eher eine symbolische Aktion bleibt, die nicht einmal durch ein Mandat der Vereinten Nationen gedeckt ist. Der blutige Bürgerkrieg in Syrien mit seinen zahlreichen Akteuren lässt sich damit nicht beenden. Die USA haben keine Strategie für den Nahen Osten, von Europa ganz zu schweigen. Und von Deutschland sind am allerwenigsten Initiativen zu erwarten. Selbst wenn die Kanzlerin sich verbal auf die Seite der westlichen Alliierten schlägt, eine Beteiligung am Militärschlag schlug Angela Merkel vorsorglich aus. Sie weiß sich damit mit der Mehrheit ihrer  deutschen Landsleute einig. Es ist somit bezeichnend, dass Trump sein Vorgehen mit seinen Kollegen in Paris, London und Ankara abstimmte,  nicht aber mit seinen Partnern in Berlin.

Richard Kiessler     15.04.2028

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