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Samstag, 21. April 2018
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Vom FSJ zum Traumberuf: Viele Helfer bleiben den Johannitern treu

In der Johanniter-eigenen Hausnotruf-Zentrale in Essen gehen Notrufe von Teilnehmern aus ganz NRW ein. Sie ist 365 Tage im Jahr durch ausgebildete und qualifizierte Kräfte besetzt. Michelle Kraus ist eine von ihnen.

Nicht selten ist das ‚Freiwillige Soziale Jahr‘ (FSJ) im Hausnotruf- und medizinischen Transportdienst des Regionalverbandes Essen der Einstieg in den Beruf oder das Ehrenamt. Aktuell bieten die Johanniter wieder Plätze fürs FSJ in Essen und Mülheim.

Von Pascal Hesse

Das Abitur in der Tasche, ein Studienplatz für Medizin oder ein anderes spannendes Fach in Aussicht, doch oftmals erst nach einigen Wartesemestern? Für viele, die für die Zwischenzeit eine sinnvolle Aufgabe suchen, sich auf ihr Studium vorbereiten, im Team und nah am Menschen arbeiten wollen, ist der Einstieg in die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) der ideale Weg. Sie entscheiden sich für ein ‚Freiwilliges Soziales Jahr‘ (FSJ) im Hausnotruf und medizinischen Transportdienst der Johanniter. Sie helfen beim Transport von dringend benötigten Organen oder Blutkonserven und leisten tagtäglich einen lebenswichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Nicht wenige FSJ‘ler, die spannende und zugleich herausfordernde Arbeit kennen- und schätzengelernt haben, bleiben der Johanniter-Unfall-Hilfe erhalten – mal im Haupt-, mal im Ehrenamt.

So zum Beispiel Michelle Kraus. Die junge Frau arbeitet bereits seit einigen Jahren als Disponentin in der hauseigenen Hausnotruf-Zentrale der JUH in der Henricistraße. Dort gehen die Not- und Anrufe von Hausnotruf-Teilnehmern aus ganz NRW ein. 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr sitzen hier rettungsdienstlich ausgebildete und qualifizierte Kräfte wie Michelle Kraus, um Hilfe für in Not geratene Personen zu organisieren. „Die Arbeit in der Zentrale ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, weiß die hauptamtliche Hausnotruf-Disponentin. Sie entscheidet, was zu tun ist – ob der Einsatzdienst ausrücken muss, wenn etwa jemand gestürzt ist und nicht alleine zurück auf die Beine kommt. Oder ob der Rettungsdienst oder Notarzt vonnöten ist, wie etwa bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder anderen schwerwiegenden Ereignissen. Angefangen hat die junge Frau ihre Karriere bei der JUH mit einem FSJ. Und auch was Aufstiegschancen und Weiterbildung angeht, haben die Johanniter viel zu bieten.

Jan Schlich ist ehrenamtlicher Leiter der Dienststelle Kettwig der JUH. Zeitweise war er im Hauptamt Leiter der Sozialen Dienste. (Foto: Vanessa Mels)

Zum ehrenamtlichen Regionaljugendleiter der ‚Johanniter Jugend‘ im Regionalverband Essen hat es Jan Schlich gebracht. In dieser Funktion hat er unter anderem die Schulsanitätsdienste, über die er seinerzeit am Helmholtz-Gymnasium den Einstieg in den Verband gefunden hat, betreut. Nach seinem Abitur 2007 begann er ein Jahr später sein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendbüro des Verbands. Auch während seines erfolgreichen Studiums der Psychologie an der FernUniversität in Hagen, das er 2012 erfolgreich abgeschlossen hat, blieb er dem Verband treu. Zwischenzeitlich war Jan Schlich sogar hauptamtlich für den Verband tätig, als Leiter der Sozialen Dienste. Heute ist der junge Mann ehrenamtlicher Leiter der Dienststelle Kettwig der JUH.

Freiwillige gesucht

Aktuell suchen die Johanniter wieder junge Menschen, die im Freiwilligendienst tätig werden wollen. Ein Jahr Engagement ‚aus Liebe zum Leben‘, so das Motto des Verbands, kann sie für ihren weiteren Lebensweg sehr gut vorbereiten. Rund 40 Stunden pro Woche sind sie in ihrem FSJ im PKW-Einsatzdienst aktiv. Organe und Blutkonserven transportieren, Senioren im Hausnotrufdienst helfen, wenn sie gestürzt sind, hier und dort hineinschnuppern — das Einsatzfeld ist sehr vielfältig. Vor allem im Sommer, wenn traditionell viele FSJ‘ler ihren Dienst beenden, gibt es viele freie Plätze. Die ideale Zeit für den Einstieg bei der JUH!

Wer sich fürs FSJ entschließt, entscheidet sich gleichsam für die hochwertige Ausbildung bei den Johannitern: Zwei Wochen lang dauert der medizinische Grundlagenunterricht plus Praxisprüfung. Dann folgen eine Woche auf dem Krankentransportwagen und eine Woche auf dem Rettungswagen im Rahmen eines Rettungswachenpraktikums. Ebenfalls unabdingbar ist die Ortskenntnisschulung. Dabei lernen die Freiwilligendienstleistende sämtliche Hauptstraßen Essens, Autobahnkreuze in NRW und Ausfahrten in Essen und den Nachbarstädten kennen. Zwischendurch wird das Erlernte immer wieder geprüft.

Bevor Michelle Kraus ins Hauptamt wechselte, absolvierte sie ein ‚Freiwilliges Soziales Jahr‘ bei der Johanniter-Unfall-Hilfe. (Foto: Vanessa Mels)

Danach geht es erstmals mit auf den Wagen. Auf eines wird bei den Johannitern in jedem Bereich sehr viel Wert gelegt: die Qualität der Arbeit und Ausbildung. Denn es handelt sich schließlich um verantwortungsvolle Aufgaben, die die FSJ’er und gleichermaßen die Bundesfreiwilligendienstleistende übernehmen. Das Besondere: Sämtliche Dienste der Johanniter sind vom Tüv zertifiziert.

Selbstbewusster durchs Leben gehen

Viele Freiwillige berichten, dass sie nach dem Jahr bei den Johannitern deutlich selbstbewusster durchs Leben gehen. Das mag an der nicht geringen Verantwortung liegen, die die jungen Menschen übernehmen, etwa bei eiligen medizinischen Transportfahrten: Organe und Ärzteteams werden dann im Auftrag der ‚Deutschen Stiftung Organtransplantation‘ (DSO) abgeholt und zum Patienten in die Klinik gebracht. Ab und an haben die FSJ‘ler die Möglichkeit, bei einer Organspende dabei zu sein, wenn es der Koordinator, das ist meistens der Arzt, erlaubt. Eine wertvolle Erfahrung, die viele ihr Leben lang nicht mehr vergessen.

Bundesfreiwilligendienst oder Freiwilliges Soziales Jahr?
Ob man sich für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) entscheiden muss, hängt im Prinzip lediglich vom Alter ab: Während das FSJ nur bis zum 27. Lebensjahr möglich ist, unterliegt der BFD keiner Altersbeschränkung und ist bei den Johannitern ab dem 18. Lebensjahr möglich. Ausbildung und Dauer sind gleich. Die Dienstzeit beträgt 12 Monate und kann gegebenenfalls auf 18 Monate verlängert werden. Ein Führerschein der Klasse B ist erforderlich. Bei beiden Diensten steht den Freiwilligen, die mindestens die Vollzeitschulpflicht vollendet haben müssen, Geld nach den allgemein gültigen Kostensätzen und, bei Voraussetzung, auch ein Kindergeldanspruch zu. Der Einstieg ist zu mehreren Terminen im Jahr möglich. Wer im Sommer anfangen will, hat Glück, denn dann gibt es immer besonders viele freie Plätze für Freiwillige. Wer Medizin studieren möchte, kann sich die Zeit bei den Johannitern sogar anrechnen lassen. Mehr Infos gibt es bei Ines Ross unter (0201) 89646-107 und auf www.johanniter.de/essen. Bei Interesse bitte eine Kurzbewerbung an bewerbung.essen@johanniter.de senden. Interessierten ist es möglich, vorab eine Führung durch die Essener Johanniter-Zentrale zu machen.
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